Fußball - 3. Liga
SF Lotte und VfL Osnabrück bieten packendes Derby und trennen sich 0:0 fehlen

Lotte / Osnabrück -

Es war ein Derby, das alles mit sich brachte, was das Fußballherz begehrt. Allein die Tore fehlten. Leistungsgerecht 0:0 trennten sich am Samstag die Sportfreunde Lotte und der VfL Osnabrück vor 9100 Zuschauen. Mit dem Ergebnis können beide Seiten leben.

Samstag, 29.04.2017, 00:04 Uhr

Nach zwölf Minuten hätte Tim Wendel (Nr. 3) bereits die Führung erzielen können, als er frei vor VfL-Keeper Marius Gersbeck auftauchte, aber vorbeischoss.
Nach zwölf Minuten hätte Tim Wendel (Nr. 3) bereits die Führung erzielen können, als er frei vor VfL-Keeper Marius Gersbeck auftauchte, aber vorbeischoss. Foto: Mrugalla

„Damit kann man leben, es ist ein gerechnetes Ergebnis“, war am Samstagnachmittag das wohl am häufigsten benutzte Zitat. 0:0 trennten sich die Sportfreunde Lotte und der VfL Osnabrück in einem Derby, das zwar keine Tore bot, dafür alles andere, was ein Fußballspiel ausmacht und spannend bis zur letzten Minute war. Die erste Halbzeit ging an die Hausherren, die zweite an Lila-Weiß. So konnten unter dem Strich beide mit diesem Resultat leben.

Für die Sportfreunde bedeutet es mit nunmehr 46 Punkten den endgültigen Klassenerhalt in der 3. Liga. Für den VfL könnte es mit Blick auf den Aufstiegskampf zu wenig sein. Bei fünf Punkten Rückstand auf Holstein Kiel wird es mit dem zweiten Platz wohl nichts mehr werden. Bis zum Relegationsrang drei sind es drei Zähler.

Es entwickelte sich ein Derby, das seinen Namen wahrlich verdient hatte. Emotionen, Hektik, Aggressivität, alles war vorhanden. Aber es blieb bei nur vier gelben karten fair. Vor allem die Sportfreunde wussten zu gefallen. Trotz der 120-minütigen Pokalbelastung im Mittwoch gegen Rödinghausen holten sie alles aus sich heraus und hätten eine Führung zur Pause mehr als verdient gehabt. Doch, wie so oft, sie nutzten ihre Chancen nicht. Der VfL enttäuschte im ersten Durchgang auf ganzer Linie. Von Nazim Sangaré abgesehen, reichte kein Feldspieler an seiner Normalform heran. Dass es zur Pause 0:0 hieß, war allein VfL-Keeper Marius Gersbeck zu verdanken.

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VfL-Trainer Joe Enochs musste sein Team umbauen, da Konstantin Engel wegen einer Grippe passen musste. Für ihn spielt Nazim Sangaré rechts in der Viererkette. Entsprechend begann Marc Heider auf der rechten Außenbahn. Im Angriff spielte neben Kwasi Okyere Wriedt Youngster Steffen Tigges, der aber überfordert war. Nach seiner Gelbsperre steht Christian Groß wieder zur Verfügung. Bei den Sportfreunden begann Saliou Sané im Angriff.

Für den VfL ging es quasi um die letzte Chance im Aufstiegsrennen. Entsprechend durfte man ein engagiertes Auftreten zu erwarten. Dem war aber nicht so. Nur die Sportfreunde waren von Beginn an voll da. Sie spielten aggressiv, waren enorm motiviert und störten früh. So übernahmen die Hausherren von Beginn an die Initiative und ließen den VfL nicht zur Entfaltung kommen.

Bereits nach elf Minuten lag die Führung in der Luft. Jaroslaw Lindner war frei durch, der herausgeilte Gersbeck klärte in höhster Not. Eine Minute später tauchte Tim Wendel allein vor Gersbeck auf, schoss aber daneben. Erst nach einer knappen halben Stunde meldeten sich auch die Lila-Weißen offensiv zu Wort. Aber diese Aktion hatte es in sich. Jules Reimerink bereitet vor, Kwasi Okyere Wriedt schloss ab, Benedikt Fernandez parierte.

Es folgte die beste Einzelaktion der ersten Halbzeit. In der 31. Minute stoppte Sané den Ball mit der Brust. Per Fallrückzieher traf er aber nur die Latte, Gersbeck wäre machtlos gewesen. Diese Aktion hätte ein Tor verdient gehabt. Die Führung hatten dann Lindner und Moritz Heyer auf dem Schlappen. Gersbeck konnte aber jeweils in höchster Not klären. In der 43. Minute hatten die Sportfreunde den Torschrei auf den Lippen. Nach einer Ecke von Andre Dej verlängerte Kevin Freiberger per Kopf zu Matthias Rahn. Doch auch dessen Schuss aus nur zwei Metern konnte der VfL-Keeper noch irgendwie abwehren. Es wäre absolut unverdient gewesen, aber um ein Haar wäre der VfL kurz vor der Pause in Führung gegangen. Reimerink lief Dej davon und passte zum in der Mitte freistehenden Wriedt. Zum Glück für die Hausherren schloss der Osnabrücker Angreifer zu überhastet ab, so dass Benedikt Fernandez klären konnte.

VfL-Trainer Joe Enochs reagierte auf die schwache erste Halbzeit und brachte Ahmet Arslan für Anthony Syhre. Zudem wurde das Zentrum besser besetzt, das in Halbzeit eins oftmals völlig verwaist war. Die Gäste legten los wie die Feuerwehr. Wriedt scheiterte mit einem Schuss aus spitzem Winkel nur knapp (47.), dann musste Fernandez bei einem platziert getretenen Freistoß von Arslan sein ganzes Können aufbieten.

Es war plötzlich ein ganz anderes Spiel, das die 9318 Zuschauer zu sehen bekamen. Die Gäste verzeichneten in den ersten Minuten mehr Offensivaktionen als in der gesamten ersten Hälfte. Lotte fand so gut wie gar nicht mehr statt. Nach 70 Minuten kämpften sich die Hausherren zwar zurück in die Partie, das Spiel wurde wieder offener. Zwingende Torchancen aber verzeichnete niemand mehr, so dass es beim gerechten 0:0 blieb.

SF Lotte : Fernandez - Langlitz, Rahn, Nauber, Steinhart - Wendel, Dej, Heyer - Freiberger, Sané (81. Tankulic), Lindner.

VfL Osnabrück : Gersbeck - Sangaré, Appiah, Willers, Dercho - Heider, Groß, Syhre (46. Arslan), Reimerink (84. Renneke) - Tigges, Wriedt (69. Menga).

Tore : Fehlanzeige. - Schiedsrichter : Dr. Robert Kampka (35, Mainz.). - Gelbe Karten: Wendel Rahn, - Dercho, Syhre. - Zuschauer: 9318.

Trainerstimmen:

Joe Enochs (VfL Osnabrück) : „Ich habe zwei verschiedene Halbzeiten gesehen. Wir haben in der ersten Hälfte versucht, durch das Zentrum zu spielen. Das hat nicht funktioniert, zudem haben wir Lotte mit blöden Ballverlusten immer wieder eingeladen. Letztlich war sogar ein Führung zur Pause möglich, die aber unverdient gewesen wäre. In der zweiten Halbzeit sind wir besser ins Spiel gekommen. Wir haben umgestellt, haben besser hinten heraus gespielt und gute Diagonalbälle geschlagen. So haben wir uns eine Vielzahl an Torchancen erarbeitet, die aber nicht aber nicht rein gemacht. Ich habe bis zuletzt an den Sieg geglaubt. Wir haben nicht gewonnen, aber nach oben ist noch nichts entschieden. Es ist schwieriger, aber noch ist alles möglich. Wir werden daraufhin arbeiten, am letzten Spieltag gegen Paderborn ein Endspiel zu haben.“

Ismail Atalan (SF Lotte): „Ich habe es genauso gesehen wie Joe. Wir haben in der ersten Halbzeit sehr guten Fußball gespielt. Wir hatten einen klaren Plan und haben den umgesetzt. Gefehlt haben die Tore. Dann war klar, dass sich irgendwann die 120 Pokalminuten von Mittwoch bemerkbar machen würden. Osnabrück hat dann 20 Minuten richtig gut gespielt. Da das Tor aber nicht fiel, glaube ich, ließen einige den Kopf hängen. So gab es in der Schlussphase kaum noch Tormöglichkeiten. Insgesamt war es eine starke Leistung von uns. Ich muss den Hut ziehen, was die Mannschaft zeigt bei so vielen Ausfällen und der zehnten englischen Woche in den vergangenen elf Wochen.“

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