Sportfreunde-Lotte-Interimstrainer über seine Arbeit
Andy Steinmann: „Ich habe keinen fixen Karriereplan“

Lotte -

Andy Steinmann ist seit dem Weggang von Ismail Atalan Interimstrainer der Sportfreunde Lotte. Wegen der Corona-Krise musste (oder durfte) er noch kein Pflichtspiel absolvieren. Er beschreibt seine Situation in einem Interview.

Dienstag, 31.03.2020, 16:45 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 17:42 Uhr
Interimstrainer der Sportfreunde Lotte: Andy Steinmann hofft, seine Fußball-Philosophie noch zeigen zu können. Foto:
Interimstrainer der Sportfreunde Lotte: Andy Steinmann hofft, seine Fußball-Philosophie noch zeigen zu können. Foto: Manfred Mrugalla

Seit dem Wechsel von Ismail Atalan zum Halleschen FC ist Andy Steinmann der Interimstrainer des Fußball-Regionalligisten Sportfreunde Lotte . Ein Pflichtspiel durfte der bisherige U-19-Trainer mit seinem neuen Kader noch nicht bestreiten. Im Interview spricht der 35-Jährige über seinen Kontakt zur Mannschaft, die Chance, die das Coronavirus ihm bislang nimmt, und über den nicht vorhandenen Karriereplan.

 

Herr Steinmann, Sie dürfen als Interimstrainer aktuell nicht mit dem Kader auf dem Platz stehen. Wie verbringen Sie Ihren Tag?

 

Steinmann: Ich übe meinen Bürojob im Homeoffice aus. Abends kontrolliere und bewerte ich, wie die Spieler ihren Trainingsplan abgearbeitet haben. Außerdem führe ich viele Gespräche telefonisch mit Spielern und Verantwortlichen.

Die Spieler sind selbst dafür verantwortlich, sich fit zu halten. Funktioniert das?

 

Steinmann: Die Spieler haben Pulsuhren, lassen aber auch immer die Runtastic-App zur Dokumentation von Laufstrecken und Geschwindigkeiten nebenbei laufen. Sie haben einen Trainingsplan, aufgeteilt in Intervall- und Ausdauerläufen, und ein Kraftprogramm. Abends bekomme ich zugeschickt, wie die Pulswerte waren, und ob die Kilometer und Geschwindigkeit dazu passen.

Die Lotter Spielbetriebs-GmbH musste Kurzarbeit einführen, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen – ein großes Thema in der Mannschaft?

 

Steinmann: Die Jungs wurden alle ausreichend informiert. Wir haben uns nicht direkt getroffen, sondern sie haben eine Videonachricht erhalten. Natürlich ist das überall ein Thema aber es ist momentan einfach nicht anders lösbar. Es ist bei anderen Wirtschaftsunternehmen genauso. Ich arbeite bei Häcker-Küchen, hier sind mehrere Mitarbeiter in Kurzarbeit. Ich bin noch nicht betroffen, aber es könnte ab nächster Woche der Fall sein. Fußballvereine ab der Regionalliga sind eben auch schon so etwas wie Wirtschaftsunternehmen.

Die Regionalliga West pausiert bis mindestens zum 19. April. Glauben Sie, dass es dann weitergehen kann?

 

Steinmann: Jede Mannschaft will natürlich gerne Fußballspielen. Ich selber hätte die Mannschaft gerne trainiert und Spiele gehabt. Das geht im Moment nicht so wie sonst, es ist einfach höhere Gewalt. Die Entscheidung ist richtig, da darf es nicht viele Meinungen zu geben. Wenn man sieht, wie der Verlauf des Virus ist, muss man sehen, dass man sich abschottet und es nicht weiter verbreitet. Wann aber der richtige Zeitpunkt ist, um wieder anzufangen, kann man noch nicht voraussehen.

Es ist für Sie die erste Trainerstation im Profifußball. Ist es bislang eine „verpasste“ Chance?

 

Steinmann: Na ja, wenn die Situation anders wäre, wäre der Verein vielleicht auch mehr unter Druck, einen Trainer zu suchen. Vorher sind mir die Gelegenheiten ja leider durch die Spielausfälle von Bonn und Lippstadt genommen worden. Da hätte ich auch gerne schon mit der Mannschaft ein Ligaspiel bestritten, weil die Jungs auch gut drauf waren. Ich bin mir sicher, mit der Mannschaft hätte man auch in den beiden Spielen etwas erreichen können. Natürlich ist es eine Chance, die einem genommen wird.

Falls die Saison fortgesetzt werden sollte: Was sind dann die Ziele?

 

Steinmann: Man muss natürlich zusehen, dass man jedes Spiel so bestreitet es gewinnen zu können. Die Mannschaft hat genug Potenzial in sich, gegen jeden der Liga zu bestehen. Es gab in der Hinserie viele Probleme, die Mannschaft musste sich erst finden, was aber auch normal ist. Wenn man absteigt, ist es erstmal ein Einschnitt. Man musste vieles neu aufbauen und mit den Gegebenheiten wieder klarkommen, und das war nicht einfach. Nach der Wintervorbereitung waren die Männer gut drauf, auch im Training und was die Athletik und das Mannschaftsgefüge betraf, sodass man in der Regionalliga sicher noch einige Punkte hätte holen können.

Könnten Sie sich vorstellen auch langfristig in Lotte auf der Bank zu sitzen?

 

Steinmann: Natürlich kann ich mir das vorstellen. Ich bin da glaube ich nicht so wie andere Trainer, ich habe keinen fixen Karriereplan. Ich habe für mich nicht festgelegt, dass ich in drei Jahren Regionalliga- oder Drittligatrainer sein oder meinen Fußballlehrer haben muss. Als meine Co-Trainer-Zeit in Rödinghausen im April 2018 zu Ende war, wollte ich auf jeden Fall Cheftrainer sein – da war es mir dann auch egal, in welcher Liga. Das hat sich dann hier mit Lottes U19 durch Jugendkoordinator Klaus Bienemann ergeben. Es hat mich gereizt, dieses Projekt mit der Jugend hier zu machen. Dass es jetzt dazu gekommen ist, oben dabei zu sein, ist eine gute Herausforderung. Ich würde auf jeden Fall alles mit der Mannschaft geben um den Ansprüchen hier gerecht zu werden egal ob als Chef oder Co-Trainer, diese Entscheidung muss aber der Verein tätigen.

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