2. Liga: Der VfL Osnabrück will beim Tabellenzweiten Hamburger SV für Klassenerhalt punkten / Taffertshofer fällt aus
„Es liegt ausschließlich an uns“

Osnabrück -

Dem VfL bleiben noch drei Spiele, um den Klassenerhalt in der 2. Liga zu bewerkstelligen. Am Dienstag bietet sich den Osnabrückern im Gastspiel beim Hamburger SV die nächste Chance dazu, auch wenn die Rollen klar verteilt sind.

Montag, 15.06.2020, 19:02 Uhr
Bryan Henning (links), hier gegen den Fürther Marco Meyerhöfer, könnte im Spiel des VfL beim Hamburger SV den Part des angeschlagenen Ulrich Taffertshofer im defensiven Mittelfeld der Osnabrücker einnehmen.
Bryan Henning (links), hier gegen den Fürther Marco Meyerhöfer, könnte im Spiel des VfL beim Hamburger SV den Part des angeschlagenen Ulrich Taffertshofer im defensiven Mittelfeld der Osnabrücker einnehmen. Foto: dpa

Der VfL Osnabrück will nicht wieder aus der 2. Fußball-Bundesliga absteigen, der Hamburger SV nach einem misslungenen Anlauf unbedingt in die Bundesliga zurückkehren. Am Dienstag (18.30 Uhr, Volksparkstadion) zeigt sich, welches Team mit dem Erfolgsdruck aktuell besser umgeht.

Schlaflose Nächte haben die sportlichen Führungskräfte des VfL Osnabrück noch nicht, und auch an den zwei Tagen nach dem 0:2 gegen Bochum musste sich Trainer Daniel Thioune „gar nicht so viel“ den Kopf zerbrechen, mit welchem Personal beim Tabellenzweiten etwas Zählbares für den Klassenerhalt zu holen sein könnte.

Wichtiger als das Personal ist das Auftreten auf dem Platz. In Hamburg brauche der VfL „viel mehr von dem, was wir letztes Wochenende gegen Bochum nicht hatten“, sagt Thioune: Mehr Einsatz bei der Balleroberung, ein klares und strukturiertes Spiel nach vorne ohne viele Fehler, mehr Frische im Kopf – „das wird alles zu 100 Prozent gefordert sein“, sagt Thioune, der personell zwei zentrale Baustellen hat.

Zum einen ist Maurice Trapp gelbgesperrt und Joost van Aken weiter verletzt – die Lücke in der linken Innenverteidigung könnte Adam Sušac füllen. Zum anderen fehlt im defensiven Mittelfeld Ulrich Taffertshofer. Er verpasste gestern wegen muskulärer Probleme das Training und fuhr am Nachmittag nicht mit nach Hamburg. David Blacha, Bryan Henning oder Sven Köhler – mindestens einer wird den Abräumer vor der Abwehr geben müssen, und die könnte gut zu tun bekommen. Der VfL ist das defensivschwächste Rückrundenteam (28 Gegentore in 14 Spielen), der HSV stellt den gefährlichsten Angriff der Liga (59 Tore in 31 Spielen).

Dass HSV-Toptorjäger Sonny Kittel (elf Tore) seit dem Neustart nach der Corona-Pause noch nicht getroffen hat, fällt bei den Hanseaten kaum ins Gewicht. Der Finne Joel Pohjanpalo übernahm das Toreschießen und erzielte in den vergangenen sechs Spielen sechs seiner acht Saisontreffer. In der Zentrale zieht Aaron Hunt die Fäden, dessen Vertrag sich gerade durch eine Einsatz-Klausel um ein Jahr verlängert hat. Am liebsten will Hunt seinen Vertrag in der Bundesliga erfüllen.

Aussetzer wie gegen den VfB Stuttgart (2:3 in der Nachspielzeit) und gegen Kiel (3:3 in der Nachspielzeit) dürfen sich die Hamburger nicht mehr erlauben. Denn HSV-Trainer Dieter Hecking, der heute nur auf Abwehrchef Rick van Drongelen (Gelbsperre) verzichten muss, will sich mit Rechenspielen gar nicht erst beschäftigen müssen: „Wenn wir unser Ding machen, können die anderen spielen, wie sie wollen.“

Es ist das Motto, das auch beim VfL gilt. „Die Situation ist nicht schön“, sagt Thioune, „aber es liegt ausschließlich an uns, wie die Saison zu Ende geht.“ Auch wenn der VfL lieber mit einem größeren Vorsprung in den Saisonendspurt gegangen wäre, lasse sich das Team vom zuletzt geschmolzenen Polster „nicht verrückt machen“, betont Sportdirektor Benjamin Schmedes vor der Rückkehr zu seinem früheren Arbeitgeber. Er sagt: „Tabellarisch haben wir auch jetzt eine Ausgangsposition, mit der wir aus eigener Kraft drei Teams hinter uns lassen können.“ Mindestens ein Punkt muss in Hamburg her. Sonst könnte der VfL im ungünstigsten Fall von Nürnberg und Karlsruhe überholt werden und auf den Relegationsrang abrutschen.

Zuversicht zieht der VfL aus seinen bisherigen Duellen mit den drei Topclubs der Liga. Nur gegen Bielefeld gab es zuhause eine Niederlage, „aber sonst haben wir immer gepunktet“, sagt Schmedes: „Deshalb glauben wir, dass es erneut möglich sein wird, beim HSV etwas zu holen. Das wird allein aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen nicht einfach – aber es ist möglich.“ Dafür braucht es auf jeden Fall mehr Biss als gegen Bochum. „Wir müssen den HSV stressen, wo es möglich ist“, fordert Thioune, „dann ist es gar nicht so weit weg, dass man auch in Hamburg was holen kann.“

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