Regionalliga West: Die Luft wird dünner für die Sportfreunde
SF Lotte wandeln auf schmalem Grat im „Kölschen Veedel“

Lotte -

Es hätte so ein schöner Tag bei den Sportfreunden Lotte werden können – wäre da nicht das Fußballspiel bei der U 23 des 1. FC Köln gewesen. Die 0:2-Niederlage vermieste den Sportfreunden nicht nur den Tag, sondern auch den Geburtstag eines Spielers.

Montag, 30.11.2020, 17:58 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 22:02 Uhr
Ein bisschen wie Tipp-Kick: Lottes Drilon Demaj scheitert frei vor Kölns Keeper Julian Krahl.
Ein bisschen wie Tipp-Kick: Lottes Drilon Demaj scheitert frei vor Kölns Keeper Julian Krahl. Foto: Frank Diederich

Stahlblauer Himmel, strahlender Sonnenschein und dazu noch ein Geburtstag, den es zu feiern gilt – eigentlich war dieser Samstag wie gemalt, um den ersten Saison-Auswärtssieg in der Regionalliga West einzutüten. Doch trotz der besten Leistung in dieser – doch so vermaledeiten – Fußballsaison hieß es bei den Sportfreunden Lotte nach dem 0:2 (0:2) im Gastspiel bei der U 23 des 1. FC Köln – außer Spesen nichts gewesen. Am Ende dieses frustrierenden Arbeitstages stand aus Lotteraner Sicht wieder einmal die Null – sowohl im Ergebnis als auch in der Gesamtbilanz der Auswärtstabelle.

Dabei hätte es doch solch ein toller Tag werden können für die Sportfreunde bei den jungen Wilden des 1. FC. So feierte Leon Demaj am vergangenen Samstag seinen 23. Geburtstag, und er selbst hätte sich schon in der ersten und zweiten Minute zum „man of the match“ krönen können. Gerade einmal 50 Sekunden waren gespielt, da hatte „Leo“ dem Kölner Innenverteidiger Ricardo Henning in bester Raubkatzenmanier den Ball abgeluchst und ihn zu seinem Bruder Drilon weitergeleitet, doch der fand in FCK-Keeper Julian Krahl seinen Meister.

Kaum eine Minute später hätte Geburtstagskind Leon Demaj erneut allen die Show stehlen können. Als er ansetzte und den Ball gefühlvoll in Richtung des Kölner Tores schlenzte, hätten sich eigentlich die Pforten der Eigelstein-Torburg im „Kölschen Veedel“ von selbst öffnen müssen. Doch den imaginären Eingang ins Kneipenparadies des rheinischen Szene-Viertels fanden die Sportfreunde nicht – zumindest nicht an diesem Nachmittag. Weil sich Krahl erneut als Spielverderber entpuppte, indem seine „Krallen“ ausfuhr und den Ball grazil über die obere Torstange lenkte. Anstatt schon in der Umkleidekabine im Kölner Franz-Kremer-Stadion auf den Geburtstag Demajs anzustoßen, saßen die Sportfreunde während der Heimfahrt nach Lotte bedröppelt in Bus, schoben mächtig Frust und vernahmen aus dem Radio, wie es die Kölner Bundesliga-Profis ihrer U 23 in der 4. Liga nachmachten und mit dem 2:1-Sieg bei Borussia Dortmund in Zeiten von Corona einen Tag des rheinischen Frohsinns abrundeten.

Zu dem Zeitpunkt war SF-Trainerin Imke Wübbenhorst schon lange das Lachen vergangen. Sie war bedient. Und zwar restlos. Gut gespielt, aber doch verloren; drei Tage zuvor beim 1:0 gegen Alemannia Aachen war es genau andersherum – schlecht gespielt, aber doch gewonnen. Wie soll man solch ein Wechselbad der Gefühle nur aushalten?

Auch Trainerin Wübbenhorst weiß, dass sich etwas ändern muss. Vor allem auswärts. Null Punkte und ein Torverhältnis von 6:25 – das ist gar nichts. So wird man nicht die Klasse halten können. Es wird höchste Zeit, dass sich etwas dreht bei den Sportfreunden. „Wir haben gut gespielt, haben es aber leider versäumt, uns dafür zu belohnen“, lautete die Quintessenz der Trainerin am Ende dieses tristen Arbeitstages.

Sicherlich hat dieser Auftritt gezeigt, dass die Mannschaft lebt, Charakter hat und stets bereit ist, ihr Bestes zu geben. Doch anders als in den Heimspielen fehlt es ihr am Ende, diese Stärken auch auf fremden Plätzen gewinnbringend einzusetzen.

Schon am Freitag gastieren die Sportfreunde beim Aufsteiger FC Wegberg-Beeck, es folgt das „leichte“ Heimspiel gegen Spitzenreiter RW Essen und dann das letzte Hinrundenspiel beim SC Wiedenbrück am 19. Dezember – nur gut, dass das rettenden Ufer für die Sportfreunde angesichts eines Zwei-Punkte-Rückstandes noch nicht ganz außer Sichtweite geraten ist. Dennoch ist es ein schmaler Grat, auf dem die Lotteraner wandeln. Die Gefahr abzustürzen ist hoch.

  • Justin Plautz sah bei der 0:2-Niederlage der Blau-Weißen in Köln die fünfte Gelbe Karte. Der Defensivspieler wird den Sportfreunden aber nicht nur am Freitag im bevorstehenden Auswärtsspiel beim FC Wegberg-Beeck, sondern auch in der darauffolgenden Partie gegen RW Essen fehlen. Plautz stand in Kontakt zu einem Familienangehörigen, der positiv auf das Corona-Virus getestet worden war. Der 21-Jährige muss sich aber trotz eines negativen Corona-Nachweises in Quarantäne begeben. Auch Leon Demaj steht seiner Mannschaft am Freitag nicht zur Verfügung. Er sah in Köln ebenfalls die fünfte Gelbe Karte.
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