Regionalliga West: Sportfreunden hilft gegen Spitzenreiter Rot-Weiss Essen nur ein Sieg weiter
Lotte mit dem Rücken zur Wand

Lotte -

Die Rollen sind klar verteilt, wenn der Tabellen-19. Sportfreunde Lotte am Samstag Spitzenreiter Rot-Weiss Essen im Sportpark am Lotter Kreuz empfängt. Trotz dieser Ausgangslage zählt für die Gastgeber nur ein Sieg, da ein Ultimatum im Raum steht, das sich für den Außenseiter nur mit einem „Dreier“ gegen den Favoriten erfüllen lässt. Wie werden die Sportfreunde mit diesem Druck fertig?

Freitag, 11.12.2020, 16:30 Uhr aktualisiert: 12.12.2020, 19:14 Uhr
Für Lottes Timo Brauer (re.), waschechter Essener und sechs Jahre für Rot-Weiss am Ball, gibt es heute ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Club.
Für Lottes Timo Brauer (re.), waschechter Essener und sechs Jahre für Rot-Weiss am Ball, gibt es heute ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Club. Foto: Manfred Mrugalla

Seit zwölf Jahren haben die Sportfreunde kein Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen verloren. Aber was besagt schon solch eine Statistik, wenn die Essener am Samstag als ungeschlagener Spitzenreiter aufkreuzen und den Sportfreunden auf der anderen Seite das Wasser bis zum Halse steht? Und dann gibt es aufseiten der Lotteraner ja auch noch dieses Ultimatum der Vereinsspitze, das den Gastgebern in diesem Duell zwischen David und Goliath nur eine Option belässt: Der Tabellen-19. Lotte steht im letzten Hinrunden-Heimspiel gegen den Liga-Primus Essen mit dem Rücken zur Wand – er muss die Partie gewinnen. Nur so lässt sich die Kernforderung des Ultimatums, fünf Punkte aus den letzten drei Saisonspielen der Hinrunde zu holen, noch erfüllen.

Lottes Trainerin Imke Wübbenhorst hat sich darum bemüht, diese zahlreichen Nebengeräusche gar nicht erst an sich heranzulassen. „Damit habe ich mich nicht beschäftigt“, versichert sie. „Ich konzentriere mich nur auf das Spiel gegen Essen und versuche, mein Bestes zu geben – in der Vorbereitung und während des Spiels.“

Dazu gehört, dass sie mit Co-Trainer Andy Steinmann den jüngsten Auftritt der Essener am Mittwochabend unter die Lupe nahm. Nach dem 4:1-Sieg von RWE gegen den SV Straelen, gegen den die Sportfreunde am Freitag zuvor bekanntlich mit 0:2 verloren hatten, kommt sie zu folgendem Urteil: „Es zeigte sich ein Klassenunterschied.“ Auch in diesem Spiel sei deutlich geworden, dass da eine Mannschaft am Werke ist, die ein Ziel vor Augen hat. „Eine Drittliga-Mannschaft“, sagt sie, womit sie die Ausnahmestellung unterstreicht, die die Essener in dieser Saison verkörpern.

Trotz der akribischen Analyse dürfte die Trainerin keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse gewonnen haben. Was im Übrigens auch für Essens Trainer Christian Neidhart gilt, der über Stärken und Schwächen des Gegners bestens Bescheid weiß. Das liegt daran, dass Wübbenhorst und Neidhart, der mit seiner Ehefrau nach wie vor in Hasbergen wohnt, eine kollegiale Freundschaft pflegen. Deshalb kommt es öfters vor, dass Wübbenhorst bei ihren morgendlichen Joggingrunden durch den Habichtswald vor dem Training bei Neidhart vorbeischaut, um sich mit ihm über die Spiele des Wochenendes auszutauschen. In dieser Woche herrschte allerdings Funkstille. „Für 90 Minuten blenden wir die Freundschaft mal aus“, versichert Wübbenhorst mit Blick auf das direkte Duell.

Eine besondere Note bekommt das Spiel aber auch durch den Auftritt des Essener Torjägers Simon Engelmann, der zwischen 2010 und 2013 bei den Sportfreunden war. Er ist allerdings nicht der einzige Brandherd, der für Alarm sorgen dürfte. Mit Oguzhan Kefkir steht ein torgefährlicher Mittelfeldakteur, der zu den besten der Liga zählt, in den Reihen der Rot-Weissen. Gleiches gilt für Amara Condé, dem vor Saisonbeginn Angebote aus der 2. Liga vorlagen, und schließlich ist auch der in Wettringen lebende Dennis Grote nicht zu vergessen, der mit 69 Bundesliga- und 49 Zweitliga-Einsätzen daherkommt.

Angesichts dieser Armada von Hochkarätern werden sich die Sportfreunde am Samstagnachmittag auf Dauerstress einstellen. Wobei abzuwarten bleibt, wer Filip Lisnic ersetzt. Der Innenverteidiger hatte in Straelen Rot gesehen. Wegen seines vergleichsweise harmlosen Vergehens (Halten seines Gegenspielers) wurde er mit einer Sperre von nur einem Spiel belegt. Seinen Part in der Innenverteidigung könnte Luca Menke, der zuletzt nicht in der Startformation stand, einnehmen. Denkbar ist aber auch, dass Timo Brauer gegen seine Ex-Kollegen – Brauer ist waschechter Essener und spielte insgesamt sechs Jahre für Rot-Weiss – von der Sechserposition in die Innenverteidigung zurückgezogen wird. Fehlen wird zudem der erkrankte Hüseyin Bulut.

„Wir haben schon gezeigt, dass wir für Spitzenmannschaften richtig eklig sein können – das wollen wir auch gegen Rot-Weiss Essen unter Beweis stellen“, kündigt Wübbenhorst an.

Wie der Abend verläuft, hängt auch maßgeblich vom Ergebnis ab. Am Donnerstag feierte die Trainerin ihren 32. Geburtstag. „Nach dem Spiel gebe ich einen aus“, versprach sie vor dem Spiel. Die Kaltgetränke werden aber nur dann richtig schmecken, wenn auch Resultat und Leistung passen.

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