Lüdinghausen
An der Überraschung geschnuppert

Montag, 18.10.2010, 10:10 Uhr

Lüdinghausen - Hallensprecher Ralf Kemper war verzückt. „Das war eins der besten Spiele, die ich hier von Karin Schnaase gesehen habe“, lobte er am Sonntagnachmittag via Mikrofon, nachdem das Dameneinzel und damit auch das Bundesliga-Spiel zwischen dem SC Union 08 Lüdinghausen und dem 1. BC Bischmisheim beendet war. Kempers warme Worte galten zumindest für die ersten beiden Sätze. Schnaase und Gästespielerin Olga Konon hatten sich in der Halle des St.-Antonius-Gymnasiums ein abwechslungsreiches Match geliefert, das Konon mit 21:18, 12:21, 21:11 gewann.

Wäre Schnaase als Siegerin vom Court gegangen, wäre den Lüdinghausern mit 3:3 ein Punkt und damit eine Überraschung gegen den Deutschen Meister gelungen. Serienmeister Bischmisheim ist das Maß aller Dinge im deutschen Badminton, aber die Saarländer waren ohne ihren Spitzenspieler Dieter Domke angereist. „Wir hatten erwartet, dass wir verlieren. Das 2:4 ist okay“, erklärte Unions Teammanager Michael Schnaase. „Wir hätten aber nicht erwartet, dass das Dameneinzel so knapp wird. Konon hat drei Sätze lang konstant durchgespielt, Karin fehlte im letzten Satz die Konzentration.“ Immerhin verlebte sein Team einen angenehmeren Nachmittag als am Tag zuvor bei der 0:6-Abfuhr in Berlin (Bericht auf dieser Seite).

Gegen Bischmisheim waren das erste Herreneinzel und das Dameneinzel die Sahnehäubchen in einem ordentlichen Erstliga-Spiel. In den Doppeln zum Auftakt zog Union jeweils in zwei Sätzen klar den Kürzeren. Josche Zurwonne und Jan Sören Schulz kamen gegen die Nationalspieler Michael Fuchs und Johannes Schöttler gar nicht zum Zuge. Auch Karin Schnaase und Carina Grewe blieben gegen Konon und die Schwedin Emma Wengberg chancenlos.

Weil Domke fehlte, rechnete sich der Gastgeber in den Herreneinzeln die besten Chancen aus. Vladislav Druzhchenko und Yuhan Tan hielten den Erwartungen stand. Der Ukrainer Druzhchenko machte im zweiten Einzel mit seiner lässig-souveränen Spielart kurzen Prozess mit Schöttler. Er siegte in zwei Sätzen. „Das war ziemlich einfach“, sagte der 37-Jährige. „Ich hatte hier heute ein gutes Gefühl. Am Samstag nach der langen Reise von Kiew nach Berlin war das noch schwieriger.“

Tan entwickelt sich zu einem Garanten für Krimi-Spiele. Nachdem der Belgier den ersten Durchgang gegen Marcel Reuter mit 21:15 gewonnen hatte, wurde das Finale des zweiten Satzes zu einer Nervenschlacht. Vom 16:16 bis zum 23:23 führte keiner der beiden Topspieler mit mehr als einem Punkt, dann machte Tan den Sack mit dem 25:23 zu. „Das war sehr stressig“, stöhnte der 23-Jährige. „In diesen Momenten kann man nicht mehr über Taktik nachdenken. Ich habe am Ende versucht, einfach zu spielen und die Geduld zu bewahren. Und dann hatte ich auch Glück.“

Damit stand es 2:2. Im gemischten Doppel hatte Michael Schnaase diesmal Druzhchenko und Laura Ufermann aufgestellt, doch die Union-Paarung musste sich gegen Fuchs/Wengberg klar geschlagen geben. Also hieß es 2:3, und es lief nur noch das Dameneinzel.

In diesem Match war Karin Schnaase ganz besonders motiviert. Der Grund: Olga Konon möchte laut einem Bericht der Saarbrücker Zeitung künftig für die deutsche Nationalmannschaft am Netz stehen. Die gebürtige Weißrussin spielt derzeit international für Polen. Wird die 20-Jährige eingebürgert, ist Schnaases Status als zweite deutsche Einzelspielerin in akuter Gefahr.

Die Unionistin verlor den ersten Satz knapp und siegte im zweiten klar. „Sie hatte in letzter Zeit sehr gute Ergebnisse, aber da ist sie etwas nervös geworden“, sagte Schnaase. Der dritte Satz ging dann deutlich an Konon. „Zum Schluss habe ich zu viele Fehler gemacht, sie musste dann nicht mehr so viel tun“, meinte die Unionistin. Da tröstete dann auch das Sonderlob von Hallensprecher Ralf Kemper nur wenig.

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