Badminton: Bundesliga
Sepher Eivani kämpft in Lüdinghausen um sein Comeback

Eine lange Odyssee hatte Sepher Eivani hinter sich. Der Iraner ist aus politischen Gründen geflohen. Nach monatelangen Aufenthalten in Flüchtlingslagern zog es den ehemaligen Badminton-Nationalspieler nach Lüdinghausen. Alles war gut – doch dann folgte der große Rückschlag. 

Freitag, 12.05.2017, 07:05 Uhr

Mit Wille und Ehrgeiz zurück ins Team: Sepher Eivani arbeitet nach einem Kreuzbandriss an seinem Comeback.
Mit Wille und Ehrgeiz zurück ins Team: Sepher Eivani arbeitet nach einem Kreuzbandriss an seinem Comeback. Foto: Christian Besse

Manchmal folgt das Schlechte direkt auf das Gute. Wie ein Kind hatte sich Sepher Eivani, die iranische Nummer eins von Badminton-Oberligist Union Lüdinghausen II, auf seinen ersten Einsatz für das Bundesliga-Team von Union gefreut. „Wir hatten zu der Zeit Verletzungsprobleme und nicht alle Mann an Bord“, erinnert sich Trainer Christoph Schnaase an das Erstliga-Auswärtsspiel seiner Mannschaft am 10. Januar in Düren.

Also wurde Eivani für das zweite Herrendoppel und das zweite Einzel gebucht. Das Doppel mit dem Schotten Robert Blair war seine Premiere in der Eliteklasse. Nur wenige Minuten waren im ersten Satz gespielt, als bei einem Seitwärtssprung das Knie wegknickte – Kreuzbandriss.

In diesem Moment brach für den Iraner eine Welt zusammen. Nicht nur die Schmerzen, sondern auch die riesige Enttäuschung über die nun folgende sportliche Zwangspause machten Eivani zu schaffen.

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Wichtig für das Team

Dabei war für den 25-Jährigen in Deutschland bisher alles so gut gelaufen. Im Februar 2016 war er aus politischen Gründen aus seinem Heimatland geflohen. Über die Türkei, Griechenland, Serbien und Österreich reiste der Iraner nach Deutschland. Mehrere Monate verbrachte er in verschiedenen Flüchtlingslagern, zuletzt in Hamm. Dort nahm er Kontakt zu Rachmat Hidajat auf. Der Indonesier, seit Jahren neben Schnaase Trainer der Union-Mannschaft, ist ein guter Bekannter des ebenfalls indonesischen Nationaltrainers von Iran.

Eivani

Der Iraner Sepher Eivani (3. von links) fühlt sich pudelwohl bei Union – hier mit einer Trainingsgruppe (v.r.) von Trainer Rachmat Hidajat mit Paula Jünemann, Jan Kemper, Raphael Korbel und Frederik Stegemann. Foto: Markus Kleymann

Er lotste Sepher Eivani nach Lüdinghausen. Seine erste Trainingseinheit mit der Oberliga-Mannschaft werde er nie vergessen, erinnert sich der Iraner: „Ich konnte wieder Badminton spielen. Ich war glücklich.“ Und mit den Spielern der Reserve habe er sich trotz der Sprachbarriere sofort gut verstanden, erzählt er.

Eivani gab das Vertrauen, das sein neues Team und die Trainer in ihn setzten, zurück. „Er hat alles gewonnen, er war die klare Nummer eins“, so Schnaase. Wie wichtig der Iraner für das Team war, zeigte sich nicht erst mit dem Kreuzbandriss. Doch danach fiel die Truppe in der Oberliga-Tabelle zurück – und konnte erst in der Endphase der Saison den Klassenerhalt sichern.

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Operation im Februar

„Ich wusste sofort, was passiert war“, erinnert sich der Spieler selbst an den Moment, als er sich die schwere Verletzung zuzog. „Ich war sehr traurig. Aber ich sagte mir dann: Du kannst zurückkommen.“ Der Iraner ließ sich nicht unterkriegen. „Er ist damals nicht in ein psychisches Loch gefallen“, erinnert sich Schnaase an den Willen, mit dem Eivani sich durch die folgenden Monate biss. „Das war wirklich beeindruckend.“

Ich konnte wieder Badminton spielen. Ich war glücklich.

Sepher Eivani

Im Februar wurde er operiert und kämpft nun in der Rehabilitation um sein Comeback. Krücken braucht er inzwischen nicht mehr. „Wir hoffen, dass Sepher im nächsten Jahr wieder spielen kann“, sagt Schnaase. „Er ist wichtig für die zweite Mannschaft.“ Zweifel daran, dass der Iraner alles für seine möglichst schnelle Rückkehr ins Team tun würde, hat der Trainer nicht. „Uns hat von Anfang an sein Ehrgeiz richtig beeindruckt – schon vor der Verletzung.“

Comeback in der Erstvertretung

Über Langeweile kann Eivani nicht klagen. Wenn er nicht im Reha-Fitnessstudio schwitzt, arbeitet er an seinem Deutsch. Fünf Mal pro Woche besucht er den Integrationskursus für Flüchtlinge in Lüdinghausen – vier Stunden täglich. Wirklich zufrieden wird der Sportler aber erst wieder sein, wenn er endlich wieder den Schläger in der Hand hat. Seit seinem fünften Lebensjahr spielt er Badminton, obwohl in seinem Heimatland Ringen und Fußball weit höher im Kurs stehen.

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„Sein Spielwitz und seine Leidenschaft“ zeichnen den ehemaligen iranischen Nationalspieler aus, sagt Schnaase, zudem sei er technisch talentiert. „Aber er muss abgeklärter werden und taktisch kühler spielen. Er hat große Möglichkeiten, aber er muss noch lernen, sie zu dosieren.“ Die zweite Mannschaft von Union wartet bereits auf ihre ehemalige Nummer eins.

Und nach der unglücklichen Premiere in Düren könnte es auch zu einem Comeback in der Lüdinghauser Erstvertretung kommen – auch dann, wenn sie keine Personalnot hat. Trainer Schnaase: „Wir haben Sepher im Blick. Vielleicht reicht es irgendwann für die Bundesliga.“

Deutscher Meister

Für die größten Erfolge des SC Union 08 Lüdinghausen sorgten bislang die Badminton-Sportler. Die Mitglieder des Vereins errangen fast 200 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften, 21 davon bei den Erwachsenen. Die erste Mannschaft spielt seit 2002 in der 1. Bundesliga und wurde erstmals in der Vereinsgeschichte am 11. Mai 2014 Deutscher Mannschaftsmeister nach einem 4:2 im Finale gegen Mülheim.

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