Badminton: DBV-Doppel neu sortiert
Tokio plötzlich ganz weit weg – Josche Zurwonne bangt um Olympia-Debüt

Lüdinghausen -

Die Idee war folgende: Anfang 2019 schließt Josche Zurwonne (Union Lüdinghausen) sein Studium ab, pünktlich zum Start der Olympia-Quali mit Erfolgspartner Jones Jansen. Doch der nationale Verband (DBV) hatte andere Pläne.

Dienstag, 04.12.2018, 18:00 Uhr aktualisiert: 04.12.2018, 18:18 Uhr
Josche Zurwonne (l.) und Jones Jansen gehen fortan getrennte Wege.
Josche Zurwonne (l.) und Jones Jansen gehen fortan getrennte Wege. Foto: Claudia Pauli/DBV

Josche Zurwonne wählt seine Worte mit Bedacht. Er nehme den Beschluss der Badminton-Bundestrainer „professionell“ hin. Und trotzdem kann man dem Tonfall des Lüdinghausers unschwer entnehmen, dass er diese Entscheidung – eine mit womöglich weitreichenden Folgen – nur bedingt nachvollziehen kann. Ab sofort ist das Erfolgsduo Zurwonne/ Jones Jansen Geschichte – und das erklärte Ziel des 29-Jährigen, Tokio 2020, plötzlich ganz weit weg. Obschon ein neuer Partner, der Bischmisheimer Peter Käsbauer, bereits gefunden ist.

Neuer, alter Partner

Der Plan war ja folgender: Anfang 2019 will Zurwonne mit dem Studium fertig sein. Pünktlich zum Start der Olympia-Quali. Ab Mai geht der Bewerberstress los. Punkte bei den großen Turnieren sammeln, so viele wie möglich. Um am Tag X, zwölf Monate später, im internationalen Ranking so gut dazustehen, dass es für das Japan-Ticket langt.

Und dann das. Beiden – dem Mann von Union wie dem des Bundesligarivalen 1. BC Wipperfeld – tue „ein frischer Kick“ gut, findet DBV-Sportdirektor Martin Kranitz. Auch sei bei Zurwonne/Jones zuletzt „keine klare Entwicklung erkennbar“ gewesen. Eine Einschätzung, die der Steverstädter so nicht teilt: „Klar gab es 2018 Höhen und Tiefen.“ Auch gesundheitlich bedingt: Er selbst hatte Kniebeschwerden, beim Deutsch-Indonesier zwickte zuletzt die Schulter. Trotzdem sei die Bilanz des zu Ende gehenden Jahres – DM-Gold, Platz fünf bei der EM, Halbfinale bei den „Dutch Open“, Viertelfinale bei den „US Open“ – so schlecht nicht.

Paar beginnt „praktisch bei null“

Was sich auch in der Weltrangliste spiegelt. Platz 37, immer noch, trotz des Fehlens zuletzt bei den „Scottish Open“. Nur sieben Ränge hinter Mark Lamsfuß/Marvin Seidel (Wipperfeld/Bischmisheim). Von Belang ist das deshalb, weil wohl nur ein deutsches Doppel nach Tokio fährt. Aber wie, bitte, sollen er, Zurwonne, und Käsbauer – die Routiniers bildeten bereits von 2010 bis 2014 ein Gespann – der aktuell besten DBV-Paarung den Olympia-Startplatz streitig machen? „Da Peter zuletzt ausschließlich Mixed-Wettbewerbe bestritten hat, fangen wir praktisch bei null an. Jones und ich standen bei großen Turnieren immer im Hauptfeld.“ Zurwonne/Käsbauer dagegen müssen fürs Erste den mühevollen Weg durch die Qualifikation nehmen.

Zwar gibt es das so genannte Notional Ranking (eine Art Ersatzweltrangliste), das in derlei Fällen den Sturz ins Bodenlose ein Stück weit abfedert. Trotzdem verschwendet Zurwonne – die Wunde ist noch frisch – derzeit kaum einen Gedanken an seine Olympia-Premiere. Schon einmal, vor den Spielen von Rio, musste der Nationalspieler wegen der Hüftverletzung seines damaligen Partners Max Schwenger passen. „Im Doppel“, sinniert Zurwonne, „kommt es halt nie nur auf dich selbst an, sondern immer auch auf andere.“

Mit der Gelassenheit eines knapp 30-Jährigen, der als Sportler schon so viel erlebt hat, erklärt Zurwonne, dass seine Karriere durchaus nicht unvollständig sei, sollte sein Ringe-Traum ein zweites Mal platzen. Aktuell freue er sich vor allem „auf die nächsten Bundesligaspiele“. Das nächste steht am 16. Dezember (Sonntag) an, beim Jansen-Klub Wipperfeld. Ausgerechnet.

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