Fußball: Bezirksliga 8
Freigabe verweigert – Sven Görlich zum Zuschauen verdammt

Lüdinghausen -

Sven Görlich, Neuzugang des SC Union Lüdinghausen, ist mit Leib und Seele Stürmer. Ihn zu stoppen, haben schon viele Verteidiger vergeblich versucht. Gelungen ist es einem Funktionär.

Mittwoch, 06.02.2019, 22:32 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 22:40 Uhr
Auf Rückkehrer Sven Görlich (r.) müssen die Lüdinghauser im Abstiegskampf vorerst verzichten.
Auf Rückkehrer Sven Görlich (r.) müssen die Lüdinghauser im Abstiegskampf vorerst verzichten. Foto: rau

Sven Görlich ist „einfach nur genervt. Egal ob ich beim Bäcker in Vinnum bin oder in Olfen beim Rewe: Jeder will wissen, was der aktuelle Stand sei.“ Der aktuelle Stand – und das erklärt die Reizbarkeit des jungen Mannes – ist folgender: Der Neuzugang des Fußball-Bezirksligisten Union Lüdinghausen darf derzeit seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Toreschießen, nicht nachgehen. Sein Ex-Verein, A-Ligist Westfalia Vinnum, schaltet auf stur und erteilt dem Angreifer keine Freigabe. Somit ist Görlich bis zum 5. Mai gesperrt.

Rückschlag auch für Union

Für die Schwarz-Roten ist das ein heftiger Rückschlag im Ringen um den Klassenerhalt. Die acht bis zehn Treffer, für die der Stürmer je Halbserie gut ist, hatten sie am Westfalenring fest eingeplant. Zumal Tuna Kayabasi die Lüdinghauser im Winter verlassen hat und Sascha Schmidt sowie Fode Camara derzeit verletzt sind. Mehr noch als die Vakanz im Angriff treibt Lüdinghausens sportlichen Leiter Daniel Schürmann das Verhalten der Westfalia-Entscheider um: „Wie sich Vinnum einem Spieler gegenüber verhält, der in der Vorsaison 25 Buden gemacht hat und dessen Vater sich jahrelang ehrenamtlich für den Verein engagiert hat, ist eine absolute Frechheit.“

Zwar sieht auch Schürmann Halbjahrestransfers grundsätzlich kritisch. Aber die Causa Görlich sei „in jeder Hinsicht ein Sonderfall“. Als der 22-Jährige 2017 aus beruflichen Gründen kürzer treten musste und den Westfalenring gen Vinnum verließ, habe es eine klare Absprache mit Westfalia-Geschäftsführer Michael Asemann gegeben. Sollte Görlich wieder mehr Zeit haben, dürfe er umgehend zu seinem Herzensverein zurück. Auch und gerade im Winter. Das würde Schürmann sogar eidesstattlich bezeugen. Nur ist ein juristisches Nachspiel nicht mehr möglich, da die Unionisten – im guten Glauben, Vinnum werde dem Scheidenden schon keine Steine in den Weg legen – die 14-tägige Einspruchsfrist verstreichen ließen.

Westfalia-Boss bleibt hart

Auch Westfalia-Coach Frank Bidar hatte gegenüber den WN betont, man werde Görlich ohne Groll – und wie vereinbart – ziehen lassen. Nur will Vinnums Vorsitzender Kunibert Gerij – treibende Kraft hinter der Blockade – von der Zusage nichts gewusst haben. Was wiederum Union-Co-Trainer Ingo Witschenbach kaum glauben könne. Außerdem: „Wie muss sich Michael Asemann fühlen, wenn sich Herr Gerij einfach über Abmachungen hinwegsetzt. Wäre ich dort Geschäftsführer, ich hätte längst den Hut genommen.“

Und wie geht es dem Hauptgeschädigten angesichts des Transfer-Hickhacks: „Besch . . . en“. Das einzig Gute an der verfahrenen Situation: Union lasse ihn keine Sekunde hängen, vereinbare Testspiele, damit er hin und wieder zum Zuge komme. „Seit dem ersten Tag“, so Görlich, „hat man mir das Gefühl gegeben, nie weggewesen zu sein.“

Kommentar: Nur Verlierer

Kunibert Gerij weiß nicht, wie er aus der Nummer rauskommt. Weil ihn die örtliche Presse dafür feierte, im Ringen um Sven Görlich hart zu bleiben, könne er nicht mehr zurück, heißt es. Der Mann hat Nerven. Abgesehen davon, dass Gerijs Pendant bei Union, Michael Schnaase, kaum auf die Idee käme, den Fußballverantwortlichen bei Transferangelegenheiten in die Parade zu fahren: Einem jungen Mann, der doch nur spielen will, ebendies zu untersagen, weil er um sein Bild in der Öffentlichkeit fürchtet – geht’s noch? Zumal neben Görlich und Union auch Vinnum längst als Verlierer feststeht. Jeder Fußballer wird sich fortan dreimal überlegen, zu einem Klub zu wechseln, dessen Vorsitzender eigene Befindlichkeiten über das Wohl der Spieler stellt.  Florian Levenig

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6374213?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35335%2F
Bisher keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung
 
Nachrichten-Ticker