Badminton
Linda Efler bleibt immer schön cool

Linda Efler hat in ihrem Sportlerleben schon eine Menge erreicht. Team-Medaillen bei internationalen Meisterschaften gewonnen. Nur mit einem nationalen Titel wollte es lange nicht klappen, bis vor zwei Wochen. 

Sonntag, 17.02.2019, 16:15 Uhr aktualisiert: 17.02.2019, 16:22 Uhr
Die in der Bundesliga für Lüdinghausen spielende Emsdettenerin Linda Efler (r.) und der Saarbrücker Marvin Seidel zählen zu den 20 besten gemischten Doppeln der Welt.
Die in der Bundesliga für Lüdinghausen spielende Emsdettenerin Linda Efler (r.) und der Saarbrücker Marvin Seidel zählen zu den 20 besten gemischten Doppeln der Welt. Foto: Claudia Pauli/DBV

Im zweiten Satz wurde es dann doch noch mal eng. Linda Efler und Isabel Herttrich (Bischmisheim) hatten eine relativ komfortable Führung im DM-Finale gegen das top-gesetzte Damen-Doppel Johanna Goliszewski/Lara Käpplein (Mülheim) aus der Hand gegeben, nur noch 19:18. Efler selbst hatte so ihre „Bedenken“, Helmut Schmitz nicht. Der „Schnaff“, wie sie ihn in Emsdetten rufen, war trotz des knappen Verlaufs die Ruhe selbst: „Ich kenne doch meine Linda. Schon mit 13, 14 ist die immer cool geblieben. Selbst bei 20:20 im Entscheidungssatz.“

Schmitz behielt recht, Efler/Herttrich gaben keinen einzigen Ballwechsel mehr ab – und die Emsdettenerin, die schon seit 2017 in Diensten des Badminton-Bundesligisten Union Lüdinghausen steht, war zum zweiten Mal binnen weniger Stunden Deutsche Meisterin. Zuvor hatten sie und der Bischmisheimer Marvin Seidel in Bielefeld bereits Gold im Mixed geholt. Für die 24-Jährige war jener 3. Februar ein besonderer Tag. Klar, das Hauptaugenmerk liegt aber auf den Olympischen Spielen von Tokio. Auch feierte Efler auf internationaler Bühne bereits große Erfolge. Silber gewann sie im Vorjahr mit den deutschen Frauen bei der EM in Russland. Just in diesen Tagen ist sie bei der Mixed-Team-EM in Kopenhagen im Dauereinsatz. Und in der Weltrangliste waren Efler/Seidel zwischenzeitlich die Nummer zwölf.

Schon zu Nachwuchszeiten in Lüdinghausen trainiert

Aber Deutsche Meisterin war sie bis vor zwei Wochen eben noch nicht – außer „irgendwann mal bei den Juniorinnen“, aber das zähle halt nicht. 2018 schien, zumindest im gemischten Doppel, der Weg zum ersten nationalen Titel geebnet – bis ihr Partner Seidel im Halbfinale verletzt aufgeben musste. Wieder lediglich Bronze. Auch deshalb bedeuteten ihr die jüngsten Erfolge nun so viel.

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In der Bundesliga schlägt die 24-Jährige für Lüdinghausen auf. Foto: Florian Levenig

Noch mal zurück zu den Anfängen. Als die kleine Linda mit sieben Jahren das erste Mal den Schläger in die Hand nahm, da sei natürlich nicht absehbar gewesen, dass aus ihr eine so hochdekorierte Sportlerin wird, erzählt der „Schnaff“, der nicht nur seit vielen Jahren der Badminton-Abteilung des TV Emsdetten vorsteht, sondern auch Eflers Jugendtrainer war. Aber: „Linda wusste schon in jungen Jahren ganz genau, was sie wollte.“ Das ziehe sich – wie die Gelassenheit in kritischen Momenten auf dem Court – schon wie ein roter Faden durch die Karriere.

Vor knapp zwei Jahren etwa – der TVE hatte gerade den Aufstieg in die Beletage verpasst und anschließend sein Zweitliga-Team abgemeldet – war ihr sofort klar, dass sie, um die weiteren sportlichen Ziele nicht zu gefährden, ihren Heimatverein verlassen muss. Genauso bewusst hat sich Efler, die die freie Auswahl gehabt haben dürfte, dann aber für Union entschieden: „Ich war zu der Zeit bereits am Bundesstützpunkt in Saarbrücken, wollte aber unbedingt weiter einen Bezugspunkt im Münsterland haben.“ In Lüdinghausen hatte sie schon zu Nachwuchszeiten dann und wann trainiert, außerdem sind auch die Drähte zwischen Schmitz und Unions Teammanager Michael Schnaase kurz.

„Linda, Linda“-Sprechchöre

Jetzt nutzt sie also die Heimspiele des Deutschen Meisters von 2014, um regelmäßig in der Heimat vorbeizuschauen. Vor sechs Tagen etwa – anlässlich des 50. Abteilungsgeburtstags des TVE fand ein prominent besetzter Schaukampf in der Euregiohalle statt – feierten 500 Emsdettener die Nationalspielerin mit „Linda, Linda“-Sprechchören. Auch verfolgen Mama, Papa und die Oma oft genug die Bundesligapartien des SC Union in der Halle des St.-Antonius-Gymnasiums vor Ort.

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Vater Reinhard Efler ist Stammgast bei den Union-Heimspielen. Foto: Florian Levenig

Wobei: Familie, BWL-Studium und Spitzensport unter einen Hut zu bekommen, ist gar nicht so einfach. „Gerade jetzt, wo so viele Turniere anstehen und es in der Liga um die Playoff-Plätze geht.“ Ab Mai knubbelt es sich vermutlich noch mehr, dann beginnt der Quali-Marathon für Olympia. Ein hartes Stück Arbeit, glaubt Efler. „Im Doppel haben Isabel und ich sicher die Chance, Johanna und Lara als bestes deutsches Duo im Ranking abzulösen. Aber um dann in Tokio dabei zu sein, müssen wir in der Weltrangliste noch etliche Positionen klettern.“

Im Mixed sehe es diesbezüglich zwar deutlich besser aus. Indes: Mark Lamsfuß (Wipperfeld)/Herttrich stehen aktuell sogar noch ein bisschen besser da. Nach Lage der Dinge wird nur ein Paar nach Japan fliegen. Droht ihr auf diesem langen Weg mal die Puste auszugehen, muss sie sich freilich nur an die Worte von „Schnaff“ Schmitz erinnern: „Mein liebes Herzchen, jetzt sieh mal zu, dass das mit Olympia klappt. Dann sitze ich in Tokio auf der Tribüne.“

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