Badminton: Bundesliga
Neu: Nicht nur nett – die Wandlung des Kai Schäfer

Lüdinghausen -

Kai Schäfer, Nummer eins des SC Union Lüdinghausen, ist derzeit in exzellenter Verfassung. Wieso? Weil der Nationalspieler im Winter zwei wesentliche Dinge geändert hat. Kurzfristig peilt der 25-Jährige mit seinem Verein das Final Four an. Langfristig hat er ein noch größeres Ziel.

Mittwoch, 03.04.2019, 17:38 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 17:42 Uhr
Ist immer noch zugewandt, fährt aber auf dem Court jetzt auch mal die Ellbogen aus: Kai Schäfer.
Ist immer noch zugewandt, fährt aber auf dem Court jetzt auch mal die Ellbogen aus: Kai Schäfer. Foto: flo

Ende 2018 war Kai Schäfer, sagt er selbst, am Scheideweg. Nach wie vor einer der besten deutschen Badminton-Spieler, klar. Siege bei kleineren internationalen Turnieren, auch das. Und doch hatten die Bundestrainer und er „das Gefühl, dass ich mein Potenzial nicht in Gänze ausschöpfe“. Also haben sie gemeinsam ein paar Dinge geändert. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.

Schlüsselmoment bei der EM

„Kai ist im Kommen“, frohlockte Michael Schnaase , Teammanager des Bundesligisten Union Lüdinghausen , nach dem letzten Hauptrundenspiel in Dortelweil. Da hatte die Nummer eins der Steverstädter in beeindruckender Manier Vladimir Malkov bezwungen. Ebenjenen starken Russen, gegen den er ein paar Wochen zuvor bei der Team-EM in Dänemark noch verloren hatte. Wobei der 25-Jährige bereits in Kopenhagen eine persönliche Sternstunde erlebte: den Sieg über den Engländer Rajiv Ouseph, noch vor zwei Jahren Einzel-Europameister und ehemalige Nummer zehn in der Welt.

Luka Wraber hat nicht ganz die Kragenweite von Ouseph oder Malkov. Und trotzdem muss an der Stelle unbedingt auch an den Sieg Schäfers über den Österreicher im Rahmen der Bundesligapartie zwischen Lüdinghausen und Meister Bischmisheim erinnert werden. Der Unionist siegte, wenn auch knapp, in fünf Sätzen. „Das erste enge Match, das ich seit Monaten gewonnen habe“, strahlte Schäfer seinerzeit. Schäfer und die engen Matches, auch das war Thema Ende 2018. Oft genug zitterte dem hoch Veranlagten in der Vergangenheit das Händchen, sobald es Spitz auf Knopf stand. Und heute? „Denke ich bei 9:9 im Entscheidungssatz nicht an ein mögliches Scheitern, sondern hab’ Bock auf den Krimi.“

Mental-Coach hilft

Geholfen habe ihm diesbezüglich ein Mental-Coach. Der habe ihm auch geraten, „nicht immer der nette, höfliche Kai zu sein, sondern auch mal egoistisch“. Schäfer ist deshalb kein anderer Mensch geworden. Wenn er nicht gerade Badminton spielt, kommt einem der gebürtige Darmstädter so zugewandt wie eh und je vor. Aber auf dem Court, da lässt er inzwischen auch mal die Muskeln spielen.

Anderes Belastungssteuerung

Ein zweiter Grund für die zuletzt starken Auftritte: Er trainiere jetzt dosierter. Sein Spiel lebe von Schnellkraft und Athletik. Schäfers Körper wird also enorm beansprucht, die Folge: chronische Knieprobleme. Die Belastung anders zu steuern, sei insofern alternativlos. Zumal der Lüdinghauser noch was vor hat: Wenn im Mai die zwölfmonatige Quali für Tokio 2020 – ein wahrer Schlauch – beginnt, stellt sich der BWL-Student der Herausforderung. Im internationalen Ranking belegt der Steverstädter derzeit den 106. Rang. Will er das Olympia-Ticket lösen, muss Schäfer um die 30 Plätze klettern, besser 35. „Schwer, aber machbar“, glaubt der Mittzwanziger. Und um sein neues Selbstbewusstsein zu demonstrieren, schickt er rasch noch einen Gruß nach Beuel, wo Lüdinghausen am Dienstag im DM-Viertelfinale gastiert: „Ich denke, wir sind leichter Favorit.“

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