Fußball: Stützpunkt-Aus
DFB nicht mehr willkommen bei Fortuna Seppenrade

Seppenrade -

Sieben Jahre lang haben Fortuna Seppenrade und die Talentförderer des DFB an der Reckelsumer Straße gemeinsame Sache gemacht. Jetzt reicht es den Schwarz-Gelben. Die Gründe für die Trennung sind nachvollziehbar.

Montag, 22.07.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 26.07.2019, 18:56 Uhr
Seit 2012 kooperierten Verein und DFB an der Reckelsumer Straße. Jetzt hat die Fortuna aus Kostengründen die Reißleine gezogen.
Seit 2012 kooperierten Verein und DFB an der Reckelsumer Straße. Jetzt hat die Fortuna aus Kostengründen die Reißleine gezogen. Foto: mib

Im verflixten siebten Jahr haben sich der SV Fortuna Seppenrade und der Deutsche Fußballbund ( DFB ), was den Stützpunkt Talentförderung betrifft, getrennt. Die Fortunen haben den Vertrag zum 31. Juli gekündigt. Die Gründe sind durchaus nachvollziehbar.

Anfang Mai hatte der Vorstand der Fortunen dem DFB schriftlich mitgeteilt, dass das gezahlte Nutzungsentgelt für den Stützpunkt die Betriebskosten des Vereins nicht mehr deckt und um eine maßvolle Anhebung gebeten. Dem DFB wurden ein Kunstrasen mit Flutlicht, ein Ausweichplatz, ebenfalls mit Scheinwerfermasten, die Umkleiden mit Duschen und sanitären Anlagen, ein Lagerraum für Trainingsmaterial sowie ein Besprechungsraum für Schulungen überlassen. Die Vereinbarung bezog sich auf drei Stunden in der Woche, immer montags von 17 bis 20 Uhr. In all den Jahren wurde das Entgelt nie der allgemeinen Preissteigerung angepasst.

Keinen Cent zusätzlich

Auf die Bitte des Vereins um eine Erhöhung reagierte der DFB damit, Herbert Hrubesch , Bruder von Ex-Europameister Horst Hrubesch und Koordinator für die 16 Stützpunkte im Verband Westfalen, zu beauftragen, mit den Fortunen zu sprechen – gleichwohl mit der Vorgabe, dass es keinen Cent zusätzlich geben werde. Er könne zwar die Gründe der Seppenrader verstehen. Da aber alle 366 DFB-Stützpunkte gleich behandelt werden müssten, seien ihm die Hände gebunden, so Hrubesch. Auch ein Gespräch der Fortuna-Vorsitzenden Walburga Krebber und Stellvertreter Helmut Nottenkämper mit Hrubesch vor Ort brachte keine Einigung. Zuschüsse, zum Beispiel für die Umstellung auf LED-Flutlicht oder Trainingsbälle, stellte Hrubesch ebenfalls nicht in Aussicht.

„Wir waren und sind gerne DFB-Stützpunkt. Aber die anfallenden Betriebskosten sind mit dem Pauschalbetrag nie gedeckt worden“, begründet Nottenkämper die Kündigung, die der gesamten Vorstand mittrage. Er könne dem Verein mit seinen über 1000 Mitgliedern auch nicht vermitteln, dass ein Teil ihrer Beiträge für die Nutzung des DFB-Stützpunktes verwendet wird.

Da sich der DFB nicht bewegte, erhielt er mit Schreiben vom 25. Juni die Kündigung, in dem der Fortuna-Vorstand auch deutlich machte, dass der DFB den Bezug zur Basis und den kleinen, ehrenamtlich geführten Vereinen verloren habe. Es wurde zwar in dem Schreiben Gesprächsbereitschaft signalisiert, doch die Antwort des nationalen Verbandes bestand aus einer kurzen Mail – nicht aus Frankfurt, sondern von Hrubesch, der sich für die gute Zusammenarbeit bedankte.

Suche nach einem neuen Standort

„Fortuna Seppenrade wollte ein Zeichen setzen. Das hat leider nicht geklappt. Wir sind aber nicht im Bösen auseinandergegangen“, so Stützpunkttrainer Wolfgang Gräser. „Es ist schade. Eine Superanlage, das Verhältnis war klasse. Jetzt muss ein anderer Ort für den neuen Stützpunkt gefunden werden“, ergänzt Jörg Lipinski, der gemeinsam mit Gräser seit 2012 am Stützpunkt Seppenrade als Trainer gearbeitet hat.

Kommentar: Unsere Profis? Echte Amateure!

Als Reinhard Grindel im April 2016 zum DFB-Präsidenten gekürt wurde, war die Hoffnung an der Basis groß. Er war ja von der Amateurfraktion nominiert worden. Ein Mann aus dem Fußvolk, einer von ihnen, der würde schon für eine gerechte Verteilung der Gelder beim unermesslich reichen Verband sorgen. Grindel hat dann auch stets medientauglich betont, dass die Ehrenamtler, die Freizeitkicker, die Hobbyvereine nicht abgehängt würden. Es ist dann leider bei Lippenbekenntnissen geblieben. . Nee, klar. Der mächtige Ligaverband (DFL) zeigte Grindel – wie schon den Vorgängern an der DFB-Spitze – die kalte Schulter. Nicht, dass der nationale Verband deshalb plötzlich am Hungertuch nagen musste. 150 Millionen Euro für das neue DFB-Zentrum in Frankfurt blieben immer noch übrig. Ganz abgesehen von den recht üppigen Aufwandsentschädigungen für den inzwischen gewesenen Präsidenten. Während der Basis nur mehr Brosamen blieben. Herbert Hrubesch hat recht, wenn er auf die finanzielle Gleichbehandlung aller Stützpunkte pocht, die – wie Seppenrade – in der Regel draufzahlen. Grotesk ist dagegen der oft gehörte Hinweis von Verbandsseite, doch bitte in solchen Fällen die Kommunen anzuzapfen. So klamm, wie die Städte und Gemeinden sind, kann der DFB in 100 Jahren nicht werden. Noch etwas: Die Dummen sind in dem Fall nicht nur die Vereine, sondern auch der Nachwuchs. Denn jeder Klub wird sich angesichts der Kassenlage künftig drei Mal überlegen, in einen solchen Stützpunkt zu investieren. Unsere Profis? Echte Amateure! Florian Levenig

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