Badminton: Bundesliga
Beruf zum Hobby gemacht – Yvonne Li zockt gern

Lüdinghausen -

Yvonne Li, Nummer eins des SC Union Lüdinghausen, verbringt die Feiertage mit den Liebsten in ihrer Heimatstadt Hamburg. Gerade in dieser Sportart brauchen die Olympiaanwärter jede noch so kurze Auszeit. Li tickt da allerdings etwas anders.

Dienstag, 24.12.2019, 08:30 Uhr aktualisiert: 24.12.2019, 10:47 Uhr
Bei der Mixed-Team-EM trug Yvonne Li wesentlich dazu bei, dass das deutsche Team Silber gewann. Karin Schnaase (kl. Bild) ist bis heute wichtige Ansprechpartnerin.
Bei der Mixed-Team-EM trug Yvonne Li wesentlich dazu bei, dass das deutsche Team Silber gewann. Karin Schnaase (kl. Bild) ist bis heute wichtige Ansprechpartnerin. Foto: flo

Kann schon sein, dass Yvonne Li den Schläger über die Feiertage beiseite legt. Obwohl: Darauf wetten sollte man besser nicht. Zwar gibt die 21-Jährige an, dass sie – wie jeder, der von Turnier zu Turnier, von Kontinent zu Kontinent hetzt, um im April die nötigen Punkte für die Olympia-Quali beisammen zu haben – die kurze Auszeit nötig hat. Trotzdem scheint sie diesen enormen Druck, diesen Stress für Kopf und Körper, besser aushalten zu können als andere. Ihr Geheimnis? „Vielleicht, dass ich Badminton, obwohl es irgendwo mein Beruf ist, weiter als mein liebstes Hobby erachte.“ Während die Konkurrenz an den ganz seltenen freien Wochenenden nach Ablenkung lechzt, könne es durchaus passieren, „dass ich auch dann in der Halle stehe und zocke. Nur so zum Spaß.“ Bemerkenswert.

Es ist ja nicht so, dass die Deutsche Meisterin keine anderen Interessen hätte. In Essen besucht sie die Uni, Wirtschaftsingenieurwesen. Wobei sich das Präsenzstudium im zu Ende gehenden Jahr „eher wie ein Fernstudium angefühlt hat“, lacht Li. Klausuren und Vorlesungen lassen sich nun mal schlecht in Einklang bringen mit der Qualifikation für Tokio. Knapp 20 Turniere hat sie seit April bestritten – zusätzlich zu internationalen Meisterschaften und Bundesliga. In kaum einer anderen Sportart ist der Aufwand so groß, will man das Ticket für die Olympischen Sommerspiele ergattern.

Abrechnung im April

Abgerechnet wird in knapp vier Monaten. Von den Bewerbern des Bundesligisten Lüdinghausen – Li, Kai Schäfer, Linda Efler und Jelle Maas – hat sie aktuell die besten Karten. Im sogenannten Race to Tokyo ist die Unionistin aktuell auf Platz 23 gelistet. 36 Damen schaffen es am Ende zu den Spielen. Der Modus ist ein bisschen kompliziert. Wenn sie aber weiter ihre nationale Konkurrentin Fabienne Deprez im Griff hat und nicht allzu viele Europäerinnen an ihr vorbeiziehen, kann sie den Japan-Trip Ende Juli getrost buchen.

Dabei mag sie selbst das Thema gar nicht so hochhängen: „Klar, Olympia ist für jeden Sportler das Größte. Aber ich freue mich über jeden Erfolg, ob das nationale Meisterschaften sind, unsere Erstligaspiele oder ein Challenger-Wettbewerb.“ Diese Gelassenheit mag einerseits mit ihrer Jugend zu tun haben. 2024, 2028, ja, selbst 2032, wenn die Spiele womöglich in ihrer Wahlheimat, dem Ruhrgebiet, steigen, wäre sie vermutlich nicht zu alt für eine Teilnahme.

Heimspiel am 3. Januar

Andererseits: Wer schon mal ein Heimspiel der Lüdinghauser im Anton (das nächste steht am 3. Januar, 19 Uhr, gegen Vizemeister Refrath an) besucht hat, weiß, dass das nicht einfach so dahergesagt ist – gerade, wenn es ausnahmsweise mal schlecht läuft. Letztens, in der Partie gegen Trittau, unterlagLi der Indonesierin Priskila Siahaya – und war ziemlich geknickt. Sogar ein paar Tränchen sind geflossen. „Wenn du jeden Tag hart trainierst, dann tut so eine Niederlage echt weh. Erst recht vor diesem Publikum – und wenn du das Gefühl hast, du lässt die Mannschaft im Stich.“ Auch das fällt auf: Wie teamfähig sie ist – keine Selbstverständlichkeit für eine Individualsportlerin. Bei der Mannschafts-EM im Februar gewannen die Deutschen (darunter drei Lüdinghauser) auch wegen des enormen Zusammenhalts von Li und Co. überraschend Silber.

Und bei den Lüdinghau­sern geht die gebürtige Hamburgerin, die am Bundesstützpunkt Mülheim lebt, eh längst als Einheimische durch. Nach Josche Zurwonne ist sie die dienstälteste Unionistin, bereits mit 17 wechselte Li in die Steverstadt. Aufgerichtet habe sie nach jener Niederlage Ende Oktober Karin Schnaase. Ihre Vorgängerin bei Union und Mentorin nach dem Generationswechsel „war richtig lieb. Sie findet immer die passenden Worte“.

16 Spiele, 15 Siege in Liga eins

Dass sie in der Woche drauf bei den „SaarLorLux Open“ in Saarbrücken, dem zweitwichtigsten Turnier auf deutschem Boden, ins Halbfinale vorstieß, verdankt die beste Deutsche aber wohl auch ihrer Fähigkeit, sich nicht länger als nötig mit Misserfolgen aufzuhalten. Wobei die 2019 eher rar gesät waren. Die Pleite gegen Siahaya war die einzige bei bis dato acht Saisoneinsätzen. Von 16 Spielen, acht davon im Doppel, hat Li beeindruckende 15 gewonnen. Ein internationales Turnier hat sie, anders als im Vorjahr, nicht für sich entschieden – aber oft genug das Halbfinale oder sogar das Endspiel erreicht, um konstant zu den besten 40 Spielerinnen der Welt zu gehören.

Wie oft sie dienstags, wenn das allwöchentliche Ranking veröffentlicht wird, nachschaue, wo sie steht? „Selten“, versichert Li: „Eigentlich nur, wenn eines der großen Turniere ansteht.“ Ganze fünf, sechs Plätze müsste sie noch klettern, um regelmäßig bei den richtig hoch dotierten Wettbewerben in Asien und England mitwirken zu dürfen. „Gestaltet sich leider etwas schwierig“, räumt die Lüdinghauser Nummer eins ein. Wobei ein Start dort ja weder ein üppiges Preisgeld garantiere noch eine Vielzahl an Ranglistenpunkten: „Wenn du Pech hast und in Runde eins rausfliegst, lohnt sich das kaum. Da ist es unter Umständen lukrativer, bei einem Turnier der zweiten Kategorie weit zu kommen.“ So gesehen sei das Hamsterrennen nach Tokio „immer auch eine Lotterie“.

Auf Augenhöhe mit der Allerbesten

Das große Los hätte die Studentin um ein Haar bei den French Open gezogen, als sie der Weltranglistenersten Tzu Ying Tai (Taiwan) einen Satz abknöpfte. „Ich denke, ich habe sie ein bisschen mit meiner aggressiven Spielweise überrascht.“ Den Allerbesten wie Tai irgendwann dauerhaft auf Augenhöhe zu begegnen, das sei ihr Ziel. Auf dem Weg dorthin helfe „jeder einzelne Durchgang, in dem ich Spielerinnen von diesem Kaliber Paroli bieten kann“.

Nach der kurzen Pause, die sie in Hamburg mit der Familie und Schulfreunden verbringt, dem Ligastart ins neue Jahr sowie der DM in Bielefeld, wo sie Anfang 2019 zum ersten Mal triumphierte, wird die Unionistin wieder jede Menge Flugmeilen sammeln, um die Olympia-Teilnahme nicht zu gefährden. Bald hier, bald da in der Welt aufzuschlagen, sei für sie kein allzu großes Problem – solange sie „eine nette Reisegruppe“ finde. Meistens sind das die Nationalmannschaftskollegen, manchmal aber auch Spielerinnen anderer Nationen, mit denen sie gemeinsam trainiere und die wenigen freien Stunden verbringe. Iris Wang zum Beispiel. Mit der US-Amerikanerin, die wie sie chinesische Wurzeln hat, versteht sich Li „richtig gut“. Interessant: Wang ist bei Union als Erstligaersatz vorgesehen, falls die beste Einzelspielerin mal ausfällt.

Zur Person

Yvonne Li kam am 30. Mai 1998 in Hamburg zur Welt. Sie ist familiär vorbelastet, ihr chinesischer Vater und der Bruder waren ebenfalls in der Sportart aktiv. Die Karriere der besten deutschen Badmintonspielerin nahm früh Fahrt auf. Bereits im zarten Alter von 14 Jahren feierte sie in Saarbrücken ihre Turnierpremiere, 2014 war sie die bis dahin jüngste deutsche Nationalspielerin aller Zeiten. Im selben Jahr wurde sie U 17-Europameisterin. Bei kontinentalen Mannschaftsmeisterschaften stand Li bereits des Öfteren auf dem Podium – zuletzt im Februar in Kopenhagen, wo die DBV-Auswahl erst im Finale von Top-Favorit Dänemark gestoppt wurde. Bei der DM in Bielefeld holte sie, ebenfalls im Februar, ihren ersten nationalen Titel bei den Senioren – nach vier dritten Plätzen und der Finalpremiere 2018. Für Union Lüdinghausen ist Li seit 2015 aktiv. In der Weltrangliste belegt sie aktuell den 42. Rang. (flo)

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