Leichtathletik
Karl Berndstrotmann ist Langstreckenläufer aus Leidenschaft

lüdinghausen -

Ab Kilometer 100 tut es weh – nein, nicht nach der absolvierten Strecke auf dem Rad, sondern laufend. Doch Karl Berndstrotmann hält das nicht davon ab, seiner Leidenschaft nachzugehen. Ultra-Läufe haben es ihm angetan, mit einem handelsüblichen Marathon weckt man bei ihm nur ein müdes Lächeln.

Mittwoch, 01.04.2020, 14:04 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 17:04 Uhr
Für den Stadtfestlauf in Lüdinghausen – hier ein Archivbild – müsste sich Karl Berndstrotmann (M.) im Grunde gar nicht umziehen. Der Lüdinghauser ist ganz andere Distanzen gewohnt.
Für den Stadtfestlauf in Lüdinghausen – hier ein Archivbild – müsste sich Karl Berndstrotmann (M.) im Grunde gar nicht umziehen. Der Lüdinghauser ist ganz andere Distanzen gewohnt. Foto: mib

Für den gemeinen Freizeitläufer ist ein Marathon ein Fernziel, das für viele ein Leben lang unerreichbar scheint. Für Karl Berndstrotmann gelten andere Maßstäbe. Der Lüdinghauser hat die klassischen 42,195 Kilometer mehr als 100-mal absolviert. Richtig interessant wird es für ihn aber erst bei längeren Distanzen. „Das gibt einem viel, die Leute sind ganz anders drauf und man sieht einfach mehr“, nennt Berndstrotmann die Vorteile der Ultraläufe, von denen er in seiner Karriere bereits 73 absolviert hat. Im Vergleich zu Marathons gehe es wesentlich entspannter zu, „man hält zwischendurch ein Pläuschchen“. Das sei anstrengend, bereite aber vor allem im Nachhinein viel Spaß.

Seinen ersten etwas längeren Lauf absolvierte er 1989 gemeinsam mit einem Laufkollegen auf dem Nürburgring. Etwa 24 Kilometer ging es über die legendäre Nordschleife, die Leidenschaft war geweckt. „1991 habe ich in Bertlich meinen ersten Marathon bestritten und bin gleich unter drei Stunden geblieben“, erzählt Berndstrotmann. 1994 stand auf dem Thüringer Rennsteig der erste Ultralauf an. Viele weitere sollten folgen. Auch wenn der 62-jährige meint: „Man ist nicht mehr ganz so verrückt wie früher“, stehen im Schnitt zwischen 80 und 100 Kilometer auf dem Wochenplan. In der Vergangenheit seien es eher 150 gewesen.

Sieg bei der Mauerwegtour

In diesem Jahr standen noch ein 100-Kilometer-Lauf in Wuppertal und ein 24-Stunden-Lauf auf dem Programm, deren Austragung wegen der Corona-Pandemie aber fraglich ist. „Wir waren vor einem Jahr mit zehn Leuten vom Lauftreff Lüdinghausen da, es war supertoll“, blickt Berndstrotmann auf den letztjährigen Lauf rund um die Uhr zurück. Wie man sich während eines solchen Extremlaufs fühlt? „Die ersten 100 Kilometer gehen. Um drei, vier Uhr morgens friert man, das tut schon ganz schön weh. Dann legt man sich vielleicht mal in den Schlafsack und schläft ein Stündchen“, schildert Berndstrotmann seine Erfahrungen.

Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählt der Routinier unter anderem die 100-Kilometer-Läufe in Kienbaum, wo man aufgrund der Nähe zum Bundesleistungszentrum schon mal Sportstars wie Fabian Hambüchen treffen konnte. Der Sieg bei der „Mauerwegtour“ entlang der ehemaligen Berliner Mauer 2010 (etwa 160 Kilometer in drei Etappen) kam für ihn selbst ziemlich überraschend: „Beim Abendessen habe ich den Geschichten der übrigen Teilnehmer zugehört. Da waren noch ganz andere Cracks dabei.“ Der „absolute Renner“ (Bernd­strotmann) war für ihn 2016 der Transalpin-Run von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen gemeinsam mit Laufkollegin Silvia Rusche. 240 Kilometer, 15000 Höhenmeter und tolles Wetter auf den sieben Teilstücken machten das Rennen unvergesslich. 2005 wurde Berndstrotmann in der Altersklasse M 45 Deutscher Meister über die 50 Kilometer.

Gute Ideen beim Laufen

Viele Trainingsstunden führen dazu, dass die Gedanken schon mal abschweifen. „Eigentlich kommt einem fast immer eine gute Idee“, berichtet der Dauerläufer. Zum Training fahre er inzwischen häufiger nach Flaesheim oder in die Borkenberge. Denn vor der Haustür ist ihm naturgemäß alles bekannt. So lange wie möglich will Berndstrotmann sein gewaltiges Pensum noch weiterführen. „Man merkt das zunehmende Alter schon. Wenn ich drei, vier Stunden gelaufen bin, muss ich mich erst einmal zwei Tage erholen“, beschreibt er.

2006 hat Berndstrotmann den Lauftreff Lüdinghausen mitgegründet. Die Gruppe begann im kleinen Kreis, hat mittlerweile 75 Mitglieder. Die wenigsten wagen sich aber auf ähnliche Distanzen wie Karl Bernd­strotmann. Der ist sich gleichwohl sicher: „Viel mehr Läufer würden das schaffen, wenn sie sich trauen. Das ist vor allem Kopfsache.“

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