Serie: Fußball im Altkreis ab 1946
SV Herbern wähnt sich als erster Meister

Lüdinghausen -

Jetzt, da nirgendwo mehr gekickt werden darf, ist der Blick in die Vergangenheit umso reizvoller. Besonders interessant: Wie sich die Spieler im Raum Lüdinghausen zu behelfen wussten, als es noch keine Schienbeinschoner gab.

Freitag, 03.04.2020, 18:15 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 18:50 Uhr
Herbern gewinnt 1948 die Kreismeisterschaft.
Herbern gewinnt 1948 die Kreismeisterschaft. Foto: SVH

„Der Ball muss fliegen! Der Leib sich biegen! Die Seele siegen!“ Pathos pur bietet der erste Aufruf zur Rückkehr des Fußballs. Nein, nicht in Corona-Zeiten. Geschrieben hat sie Fußball-Obmann Paul Hülsmann 1946, als die Kicker nach dem Grauen des Krieges zurück auf die Spielfelder kehrten. Der Fußballkreis Lüdinghausen wurde geboren. Seine Geschichte endete vor fünf Jahren und wird in den nächsten Wochen noch einmal erzählt.

Der Ball muss fliegen! Wo heute in Netzen auf jeden Trainingsgast ein modernes Spielgerät wartet, war frühereineLederkugel im Einsatz. Ja, genau ein Ball musste etwa in Seppenrade für Training und Spiel von Senioren und Junioren reichen. Schuhe wurden über Mannschaftsgrenzen hinweg ausgeliehen. Statt Schienbeinschützer steckten die Kicker die „Stadt Gottes“, eine Zeitschrift der katholischen Kirche , in die Strümpfe. Zu Auswärtsspielen schwangen sich viele aufs Rad. Glück hatten Teams, wenn ein Unternehmer einen Lkw bereitstellte und das Team auf der Ladefläche mitfahren durfte.

Erst die Ernte, dann das Vergnügen

Von Strukturen kann 1946 nicht die Rede sein. Der Spielbetrieb muss sich neu erfinden. Und hinter den Alltagsproblemen anstellen. Die erste Saison startet im Oktober 1946. Erst wird die Ernte eingefahren, dann kommt die schönste Nebensache der Welt zu ihrem Recht. Zuvor müssen die Organisatoren sich mit den britischen Besatzern einigen. Vereine werden neu angemeldet und müssen nachweisen, dass eine Entnazifizierung durchgeführt wurde. Im Winter wird der Ball gestoppt, es gibt neue Spielklassen.

Das Saisonfinale passt zum Durcheinander: Die Sportgerichte entscheiden gegen den SV Herbern, der sich in zwei Entscheidungsspielen gegen Union Lüdinghausen durchgesetzt hat und sich einen Sommer lang als Bezirksligist wähnt. Doch kassieren die Sportrichter den Titel. Der BV Selm darf Spiele nachholen und besiegt im September 1947 den SV Herbern mit 3:2. Erst jetzt ist die Premierensaison beendet.

Kreis konkurriert mit DJK

Der Fußballkreis Lüdinghausen erhält Konkurrenz vom DJK-Sportverband, der ebenfalls Ligen bildet. Spiele gegeneinander von Teams, die den konkurrierenden Verbänden angehören, sind strikt verboten. Grundlage für den Zusammenschluss ist der Kreis Lüdinghausen, der bis zur kommunalen Neuordnung existiert. Er umfasst im Norden Senden mit Venne und Ottmarsbocholt. Neben der Kreisstadt liegt im Osten Seppenrade. In Richtung Vest grenzt Olfen den Kreis ab. Selm, Bork, Cappenberg und Altlünen bringen mit Werne eine ganz andere Mentalität ein. Stockum bietet mit dem Gersteinwerk Arbeit, Bockum-Hövel wird von der Zeche Radbod geprägt. Walstedde und Drensteinfurt sind im Osten zu finden. Daneben liegen Davensberg, Ascheberg und Herbern. Im Zentrum sind Capelle, Süd- und Nordkirchen zu finden.

1946 bis 1949

 

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