Tennis: BG-Coach kreativ
Kein Einkommen, keine Klagen – Markus Hellenkemper denkt positiv

Lüdinghausen -

Markus Hellenkemper ist seit dem Winter Coach beim TC BG Lüdinghausen. Das heißt: Er

war

Dienstag, 07.04.2020, 18:16 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 17:30 Uhr
Mit Schläger und Bällen hantiert Markus Hellenkemper in der Halle und auf den Sandplätzen des TC BG Lüdinghausen am liebsten.
Mit Schläger und Bällen hantiert Markus Hellenkemper in der Halle und auf den Sandplätzen des TC BG Lüdinghausen am liebsten. Foto: Kleineidam

Markus Hellenkemper könnte klagen. Schließlich ist er als hauptberuflicher Tennistrainer in besonderem Maße von der Coronavirus-Pandemie betroffen. „Ich habe seit dem 13. März null Einkommen“, sagt der 58-Jährige, der mit seiner Tennisschule „Matchball“ auch bei BG Lüdinghausen tätig ist. Doch unterkriegen lässt er sich davon nicht. „Das ist mein Naturell, ich bin immer optimistisch“, sagt Hellenkemper. „Es muss schon richtig was kommen, bis es mich umhaut.“

Selbstständiger Trainer ist der gebürtige Münsteraner seit 1996. Ursprünglich war er Programmierer. Jahrelang arbeitete er in der Blindenhörbücherei in Münster. Dass ein neues Kapitel in seinem Berufsleben folgte, lag an einem neuen Chef. „Mit dem kam ich nicht klar“, sagt Hellenkemper.

Trainer seit 1995

1995 erwarb er beim hiesigen Verband (WTV) in Kamen die C-Trainer-Lizenz. Der erste Job ließ nicht lange auf sich warten. „In Gievenbeck wurde ein neuer Verein gegründet, und der suchte einen Trainer“, erinnert sich Hellenkemper. Nach einem Probetraining mit zwei jungen Frauen hatte er „von jetzt auf gleich 30 Trainingsstunden pro Woche“.

Anfang 1996 erhielt Hellenkemper einen Anruf von einem Tennisschulleiter aus Münster. Dieser wollte sich beruflich anders orientieren und die Schule verkaufen. Hellenkemper nahm das Angebot an und übernahm auch den Namen: „Matchball“. Seine ersten Vereine, mit denen er kooperierte, waren der TC Drensteinfurt und die DJK GW Amelsbüren. „Weil ich es nicht allein machen konnte, brauchte ich erste Honorartrainer.“

Seit 1998 ist Markus Hellenkemper im Besitz der B-Lizenz. „Gievenbeck und Amelsbüren sind irgendwann abgesprungen, aber es kamen immer wieder Anfragen neuer Vereine.“ Seit „zig Jahren“ habe er den gleichen Stamm. Dazu zählen neben dem TC Drensteinfurt der TSV Ostenfelde, der SC Hoetmar, Saxonia Münster, der TSV Angelmodde – und Blau-Gold. In Lüdinghausen hat Hellenkemper, der Anfang der 2000er Jahre auch Coach beim Hochschulsport in Münster war, mit Beginn der Wintersaison das Vereinstraining von Nils Karwatzki übernommen.

Teils weite Fahrten

Üblicherweise gibt er persönlich rund 30 Trainingsstunden pro Woche und legt dafür geschätzt 600 Kilometer zurück. Denn seit 2013 wohnt er in Sassenberg. „Das sind je nach Verein mindestens 45 Kilometer pro Weg“, sagt der 58-Jährige. Für seine Tennisschule arbeiten zwei hauptamtliche Honorartrainer (Adrian Popovici und seine Tochter Anne-Marie) sowie drei, vier Aushilfen. Allein in Drensteinfurt betreut das Team mehr als 80 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

In Stewwert ist Hellenkemper aber nicht nur als Coach aktiv, sondern auch als Spieler und im Vorstand. Früher schlug er für Havixbeck und Sassenberg auf, aktuell gehört er den Herren 40 des TCD an. Mit den damaligen Herren 30 kämpfte er zwei Saisons in der Westfalenliga, der höchsten Klasse auf Verbandsebene, um Spiel, Satz und Sieg.

Während seine zweite Frau Katja Jugendwartin beim VfL Sassenberg ist, engagiert sich Markus Hellenkemper beim TCD seit einem Jahr in gleicher Funktion. Im Vorstand sei er aber „bestimmt schon seit zwölf Jahren“. Etabliert hat sich beim TCD auch das Camp der Tennisschule „Matchball“ in den Sommerferien.

Duschen streichen statt Bälle schlagen

 

Wenn der Trainer bei all diesen Aufgaben mal frei hatte, dann sonntags. Das hat sich am Freitag, den 13., wegen der Ausbreitung des Coronavirus geändert. „Das Datum passt ganz gut. An dem Tag habe ich das letzte Training gegeben“, sagt Hellenkemper. Er habe gleich Kontakt zu den Vereinen und deren Jugendwarten aufgenommen. „Die meisten Klubs haben die Einheiten sofort gestoppt.“

Von der Politik im Stich gelassen fühlt sich der Selbstständige übrigens nicht: „Ich bin superzufrieden, wie die Bundes- und Landesregierung die Krise managen. Sie machen einen guten Job“. In Drensteinfurt kümmert sich der Sassenberger bis zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs um das Hallenmanagement und erledigt Renovierungsarbeiten wie das Streichen der Duschen.

Um fit zu bleiben, jogge er im Moment viel. Schließlich will er am 2. August am Feldmark-Triathlon in Sassenberg teilnehmen. „Ich bin ganz gut im Training und hoffe, dass das Event stattfindet“, sagt Hellenkemper. Falls nicht, hätte er vielleicht doch einen kleinen Grund zu klagen.

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