Badminton: Corona-Krise
Von wegen Kurzarbeit – Christoph Schnaase hat gut zu tun

Lüdinghausen -

Die Corona-Pandemie hat bereits viele hundert Übungsleiter im Land den Job gekostet. Christoph Schnaase hingegen, Einzel-Bundestrainer am Stützpunkt Mülheim und Coach des Erstligisten Union Lüdinghausen, kann sich über einen Mangel an Arbeit kaum beklagen. Im Gegenteil.

Donnerstag, 16.04.2020, 17:32 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 18:04 Uhr
Das Coachen von Angesicht zu Angesicht – hier instruiert Christoph Schnaase Yvonne Li – ist derzeit nur sehr eingeschränkt möglich.
Das Coachen von Angesicht zu Angesicht – hier instruiert Christoph Schnaase Yvonne Li – ist derzeit nur sehr eingeschränkt möglich. Foto: flo

Kürzlich hat Diemo Ruhnow, Badminton-Bundestrainer in den Disziplinen Doppel und Mixed, in einem Podcast berichtet, in Zeiten von Corona falle nicht etwa weniger Arbeit an, sondern mehr. Was insofern überrascht, da die meisten Menschen (WN-Lokalsportredakteure eingeschlossen) ja schon froh wären, dürften sie das bisherige Pensum erfüllen. Und doch kann Christoph Schnaase dem Kollegen aus Saarbrücken nur beipflichten. „Diese krasse Situation stellt uns und die Nationalspieler vor besondere Herausforderungen. Wenn wir den Betrieb an den Bundesstützpunkten in irgendeiner Form aufrechterhalten wollen, müssen wir bestimmte Trainingsinhalte ganz neu denken“, erklärt der Lüdinghauser.

DBV-Web-Seminar

Einzige Zeitersparnis für den Einzel-Bundestrainer und Coach des örtlichen Bundesligisten: Ein Teil der Fahrten nach Mülheim, wo auch die Unionisten Yvonne Li und Kai Schäfer untergebracht sind, entfällt. Stichwort Home-Office. Videos mit Lerninhalten erstellen, mit den Spielern skypen, Trainingskonzepte für die eigenen vier Wände ausarbeiten, Web-Seminare halten (just am heutigen Freitag, 17 Uhr, eines im Auftrag des DBV zum Thema „Beinarbeit und Bewegungswahrnehmung auf kleinem Raum“): Schnaase hat gut zu tun.

Das alles ersetze nicht die Praxisarbeit in der Halle, räumt der Lüdinghauser ein. Und ja, auch er vermisse die direkte Ansprache von Angesicht zu Angesicht. Aber: „Man kann den Einschränkungen auch Positives abgewinnen.“ Nämlich? „Badminton ist ein hochkomplexer Sport, in den etwa Elemente des Bodenturnens hineinspielen. Sobald man auf dem Court steht, muss man hundert Dinge gleichzeitig beachten. Daheim in der Wohnung kann man sich dagegen auf bestimmte Basics konzentrieren, etwa die Ausgangsstellung. Im Trainingsalltag leiden solche Dinge. Dabei sind sie enorm wichtig und können jeden dauerhaft voranbringen.“ Die nötige Eigenmotivation brächten sämtliche Athleten mit, allen voran Schäfer: „Kai ist da kaum zu bremsen, er taucht ganz tief in die Materie ein.“

Job aktuell nicht in Gefahr

Dass die Auswahlspieler – wie er – die Krise akzeptierten und bestmöglich zu meistern versuchten, rechnet Schnaase ihnen hoch an: „Die hängen alle in der Luft. Niemand weiß, wann der nächste Wettkampf ansteht.“ Ob er sich selbst keine Sorgen mache, da andernorts Honorar- und Landestrainer um ihren Job bangen oder ihn bereits verloren haben? „Doch, schon. Zum Glück gibt es von Seiten des DBV bislang keine Einschnitte. Und die Krise ist ja, irgendwann, hoffentlich vorbei.“

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