Badminton: Bundesliga
Chancengleichheit an der Uni – Krise hat für Yvonne Li auch ihr Gutes

Lüdinghausen -

Zwei DM-Titel im Februar, das Olympia-Ticket quasi in der Tasche: 2020 schien das Jahr der Yvonne Li zu werden. Dann kam das Virus. Wie es ihr seither ergangen ist – und wieso sich alle Union-Fans freuen dürfen – verrät Lüdinghausens Nummer eins im großen WN-Interview.

Freitag, 08.05.2020, 17:45 Uhr aktualisiert: 11.05.2020, 16:26 Uhr
Ihr bis dato letztes internationales Match bestritt Yvonne Li am 19. Februar bei den Spain Masters in Barcelona.
Ihr bis dato letztes internationales Match bestritt Yvonne Li am 19. Februar bei den Spain Masters in Barcelona. Foto: flo

Während die übrigen Nationalspieler in den vergangenen Wochen im Netz dauerpräsent waren, stolz auf Facebook ihre Erfolge bei Kaffeetassen- oder Klopapier-Challenges posteten und in Web-Seminaren alternative Trainingsformen in Corona-Zeiten diskutierten, war es um die beste deutsche Badminton-Spielerin Yvonne Li zuletzt auffallend still geworden. Kein Grund, sich um ihren Gemütszustand Sorgen zu machen, beteuert die Nummer eins des Erstligisten Union Lüdinghausen im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Florian Levenig.

 

Mit der Absage der German Open waren Sie – früher als fast alle anderen Sportler – über Nacht zum Nichtstun verdammt. Sind Sie danach in ein mentales Loch gefallen?

Li: Dass die German Open gecancelt wurden, war für mich schon ein Schock. Heute weiß man, dass es wohl die richtige Entscheidung war. Damals aber konnten nicht alle den Entschluss nachvollziehen. Für mich war die Absage doppelt bitter, da das Turnier ja praktisch vor meiner Haustür stattgefunden hätte.

Sie trainieren am Bundesstützpunkt in Mülheim – wenn man Sie denn lässt. Für eine Weile war der Hallenbesuch untersagt. Gerade für Sie – eine Wettkämpferin durch und durch, die sich auch zum Spaß gern mit anderen misst – muss das enorm frustrierend gewesen sein.

Li: Stimmt schon. Die Eigenmotivation hat anfangs etwas gelitten. Zum Glück darf ein Teil der Kader-Athleten inzwischen wieder in die Halle.

Wie muss man sich das vorstellen?

Li: Wir agieren in Kleinstgruppen von selten mehr als vier Leuten. Die größte Einschränkung ist derzeit, dass man nicht allein gegen zwei Leute – eine gängige Trainingsform, um das Tempo zu erhöhen – spielen darf.

Nehmen Sie auch Positives aus der Krise mit?

Li: Der größte Vorteil ist, dass ich mehr Zeit fürs Studium (Wirtschaftsingenieurwesen –d. Red.) habe. Und dass an der Uni Corona-bedingt Chancengleichheit herrscht. Vor der Zwangspause musste ich aufgrund der vielen Turniere online nachbereiten, was die Kommilitonen direkt im Hörsaal vermittelt bekommen haben. Aktuell lernen alle in den eigenen vier Wänden.

Olympia-Bewerber richten Form- und Trainingssteuerung auf den berühmten Tag X aus – der nun um zwölf Monate verschoben wurde. Ist Ihr persönlicher Vierjahresplan damit Makulatur?

Li: Da sämtliche Tokio-Kandidaten damit klarkommen müssen, ist das nicht das große Problem. Man kann es auch so sehen: Ich habe ein Jahr mehr Zeit, um mich im weltweiten Vergleich weiter zu verbessern.

Während in anderen Sportarten wieder über offizielle Wettbewerbe nachgedacht wird, hat der Badminton-Weltverband bis in den Juli hinein praktisch alles abgesagt. Wann sind Sie international wieder im Einsatz?

Li: Gute Frage. Darüber befindet ja nicht nur die BWF. Entscheidend ist letztlich, wann die Reisebeschränkungen gelockert werden.

Die Bundesliga könnte den Betrieb im Juni theoretisch wieder aufnehmen.

Li: Mag sein. Aber wir reden hier nicht nur vom Final-Four und den Playoffs, sondern auch von den letzten beiden Rückrundenspieltagen. Logistisch wie terminlich ist das aus meiner Sicht kaum machbar. Im Übrigen: Muss man in einem Jahr, in dem selbst Olympia ausfällt, wirklich einen Deutschen Meister küren?

Zur neuen Saison: Sie sollen – da Ihnen in der Beletage die Gegner ausgehen – mit einem Wechsel in die dänische Profiliga geliebäugelt haben.

Li: Es gab Gespräche, ja. Die haben sich aber letztlich zerschlagen. Ich bleibe in Lüdinghausen.

Seit 2015 bei Union

Yvonne Li steht seit fünf Jahren in Diensten des SC Union, mit dem sie 2016 die Vizemeisterschaft feierte und vor zwölf Monaten erstmals das Final Four erreichte. In der aktuell unterbrochenen Runde kam die 21-Jährige 16 Mal (Einzel/Doppel) zum Einsatz. 15 Mal verließ sie den Court als Siegerin.

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