Fußball: BV Selm wird vor fast genau 60 Jahren Westfalenmeister
Nie war ein Altkreis-Team besser

Lüdinghausen -

Westfalenmeister: Das ist schon was. Diesen Erfolg erreichte der BV Selm am 8. Mai 1960 im Spiel gegen den SSV Hagen. Das entscheidende Tor erzielte Manfred Zakrezewski. Der ging bei der Aktion benommen zu Boden, ein Schlag des Hagener Keepers.

Dienstag, 26.05.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 28.05.2020, 16:07 Uhr
Westfalenmeister 1960: Fußballobmann Walter Dülberg, Gregor Strassel, Manfred Zakrzewski, Josef Entrup, Friedbert Würz, Heinz Sohnius (o. v. l.) sowie Bruno Klingenberg, Paul Jagusch, Günter Seeliger, Karl Mocek, Hermann Prott und Helmut Jagusch (u. v. l.).
Westfalenmeister 1960: Fußballobmann Walter Dülberg, Gregor Strassel, Manfred Zakrzewski, Josef Entrup, Friedbert Würz, Heinz Sohnius (o. v. l.) sowie Bruno Klingenberg, Paul Jagusch, Günter Seeliger, Karl Mocek, Hermann Prott und Helmut Jagusch (u. v. l.). Foto: BV Selm

Die lange Flanke segelt in den Strafraum. Manfred Zakrezewski ist mit dem Kopf eher am Ball als der Hagener Torhüter. Das Spielgerät liegt Sekundenbruchteile später im Tor. Den Jubel der Kollegen über die 2:1-Führung nimmt der Angreifer von BV Selm am 8. Mai 1960 in Dortmund nur durch einen Nebel der Benommenheit wahr. Denn Hagens Keeper hat ihn mit der Faust am Kopf erwischt. Für ihn ist es um 16.20 Uhr ein leichter Niederschlag, Gegner SSV Hagen liegt 25 Minuten später am Boden: BV Selm ist Westfalenmeister. Der größte Erfolg, den je eine Elf in den Altkreis geholt hat, ist perfekt.

Zwei Verbandsligen sind die höchsten Spielklassen in Fußball-Westfalen. Im ersten Schritt setzen die Selmer sich in Gruppe eins durch. Mit einem juristischen Intermezzo: Weil Zuschauer nach dem Spiel gegen Arminia Bielefeld mit Steinen in Schnellbällen geworfen haben sollen, erhält der BV eine Platzsperre. Das Spiel gegen Buer-Hassel in Datteln geht 1:4 verloren.

Doch die Verbandsspruchkammer kassiert die Platzsperre, setzt die Partie neu an – Selm gewinnt 5:0. Mit einem 4:1 gegen Datteln macht der BV den Gruppensieg perfekt. Drei Tage später setzt Selm sich vor 4000 Zuschauern mit 3:0 gegen Hagen, Meister der Gruppe zwei, durch. Vor 9000 Zuschauern gleicht Hagen mit 3:1 aus. Die Entscheidung fällt am 8. Mai in Dortmund. An Sondertraining ist nicht zu denken. Zwei Drittel des Teams arbeiten auf der Zeche im Schichtdienst, auch nachts. Da Vorstand und Geschäftsleitung der Zeche Achenbach gut miteinander auskommen, gibt es hin und wieder Freischichten, die später rausgeholt werden müssen. Im Endspiel dominiert der SSV, geht in Führung, hat Chancen zum 2:0, doch gelingt Strassel der Ausgleich. Zakrezewski bringt Selm in Führung. Als Jagusch Keeper Mocek das Leder aus den Händen köpft und ein SSVer das Geschenk nicht annimmt, ist die größte Gefahr gebannt. Die BVer jubeln vor 8000 Zuschauern – vor der Dortmunder Flora stehen fast alle Busse, die im südlichen Kreis Lüdinghausen zugelassen sind. In der Endrunde um die Westdeutsche Meisterschaft besiegen die Selmer den SV Baesweiler mit 3:1, ziehen aber gegen TB Osterfeld mit 0:1 den Kürzeren.

Zwei heimische Vereine melden sich mit Kreismeisterschaften zurück, 1960 der SV Herbern, 1964 der VfL Senden. Eine Lobby scheint ihr Kreis nicht zu haben. Die Mannschaften werden zu Grenzgängern. Die umliegenden Bezirksligen Münster, Hellweg, Dortmund und Recklinghausen werden mit LH-Vertretern aufgefüllt. Spannende Derbys entfallen. Und die Halbwertszeit in den höheren Ligen ist oft kurz.

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