Reiten: Turnier des RV Seppenrade
Nur Brinkmann-Hengst Caillon missachtet die Abstandsregeln

Seppenrade -

Soweit man davon in dieser schwierigen Zeit überhaupt sprechen kann, ist es ein vielversprechender Auftakt beim Turnier des RV Seppenrade in der Bauerschaft Ondrup gewesen. Lediglich ein Pferd war auf Kollisionskurs.

Freitag, 03.07.2020, 21:45 Uhr
Ex-Nationenpreisreiter Frank Merschformann (RV Osterwick), hier auf Colestus Cambridge, gewann am Freitag mit Celest eine L-Springpferdeprüfung.
Ex-Nationenpreisreiter Frank Merschformann (RV Osterwick), hier auf Colestus Cambridge, gewann am Freitag mit Celest eine L-Springpferdeprüfung. Foto: flo

Zu den rührendsten Momenten auf Turnieren zählen jene nach der Siegerehrung in, sagen wir, Reiterwettbewerben. Wenn die Jüngsten, nachdem man ihren Pferden bunte Schleifen angesteckt hat, zur gemeinsamen Galopprunde bei schmissiger Musik ansetzen. Das ist dann bisweilen ein etwas wildes Durcheinander, was den Charme des Augenblicks aber nur verstärkt. Die Zuschauer, meistens Geschwister, Mama, Papa und die Großeltern, sie johlen, pfeifen, applaudieren. Für die Kleinen, die Wangen leicht gerötet, muss sich das anfühlen, als hätten sie soeben ein S-Springen gewonnen.

In Ondrup johlt, pfeift und applaudiert am Freitag praktisch niemand. Es gibt keine Zuschauer, keine bunten Schleifen, keine Galopprunden. Klingt deprimierend, „ist es ein Stück weit auch“, wie Lena Höckenkamp einräumt. Und doch sei es ein guter Tag für Pferd und Reiter, fügt die Geschäftsführerin des RV Seppenrade an: „Weil wir, anders als die meisten Sportler, überhaupt wieder Wettbewerbe anbieten dürfen.“ Ein kleiner, aber wichtiger Schritt zurück in Richtung Normalität sei das.

Reiter und Veranstalter zufrieden

Auch hätten sich alle Anwesenden – Reiter, Pfleger, Helfer – an Tag eins des Turniers „vorbildlich verhalten“. Trotz der immer noch erheblichen Einschränkungen „gab es weder am Einlass noch sonst wo auch nur ein einziges böses Wort. Niemand hat die Abstandsregeln verletzt.“

Na ja, niemand außer Caillon. Der Hengst, sechs Jahre, räumte den Aussprung der zweifachen Kombination in der abschließenden M*- Springpferdeprüfung ab. Nichts Dramatisches, sein Reiter, Marius Brinkmann , wird es eh verschmerzen. Auf Boas belegte er hinter Siegerin Sandra ter Bahne (RV Borken) und Cascare den zweiten Rang, zuvor hatte der Mann vom RV Lüdinghausen mit dem fürs Bundeschampionat qualifizierten Don Alfonso denselben Wettkampf der Fünfjährigen gewonnen.

Endlich wieder ihrem Beruf nachgehen zu können, ist für Profireiter wie Brinkmann essenziell. Gefallen am Turnier in der unmittelbaren Nachbarschaft findet der Westruper aber auch deshalb, „weil ich dort jene Pferde präsentieren und vermarkten kann, die im Alltag mitunter zu kurz kommen“. Wieso er in allen vier Prüfungen, an denen er am Freitag teilnahm, platziert war? „Na ja“, scherzt der 27-Jährige, „wir hatten ja reichlich Zeit zum Trainieren.“

Am Samstag und Sonntag geht es in der Bauerschaft jeweils ab 7 Uhr weiter. Sportlicher Höhepunkt ist das Zwei-Sterne-M-Springen am Schlusstag gegen 17.30 Uhr.

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