Fußball: Kreisliga A 2 Ahaus/Coesfeld
Zuhause angekommen – Fortuna Seppenrade holt Tammo Harder

Seppenrade -

Tammo Harder, bei Schalke 04 ausgebildet, später in Liga drei bei Borussia Dortmund 2 unter David Wagner ein Torgarant, kehrt zu seinem Heimatverein Fortuna Seppenrade zurück. Bei der Vita freiwillig in der A-Liga kicken? Mag abwegig klingen – und ist doch nur folgerichtig.

Freitag, 10.07.2020, 17:30 Uhr
Auf Fotos lachen könne er nicht, erklärt Tammo Harder. Trotzdem, versichert der 26-Jährige glaubhaft, freue er sich sehr über die Rückkehr zu seinem Herzensverein.
Auf Fotos lachen könne er nicht, erklärt Tammo Harder. Trotzdem, versichert der 26-Jährige glaubhaft, freue er sich sehr über die Rückkehr zu seinem Herzensverein. Foto: flo

Dies könnte die Story eines ehemaligen Profis sein, der den Jungs auf dem Dorf jetzt mal zeigt, wo‘s langgeht. Oder die eines Mannes, der damit hadert, dass er es nicht auf die ganz große Sportbühne geschafft hat. Tatsächlich ist es: die Geschichte von Tammo Harder – einem Jungen aus dem Rosendorf, der als Achtjähriger die Fortuna verließ, seither allerhand Positives wie Negatives erlebt hat und nun, mit 26, vor allem deshalb in der Kreisliga  A anheuert, um mit den alten Kumpels in der Heimat zu kicken. Um Spaß zu haben.

Die Freude an seinem Beruf, sie habe schon etwas gelitten in den vergangenen vier Jahren, räumt der Heimkehrer ein. Noch 2016 schienen für ihn viele Türen offen. Drei Jahre hatte er, unter David Wagner , Tore am Fließband für die BVB-Reserve in Liga drei geschossen. Was auch Jürgen Klopp, dem damaligen Dortmunder Chefcoach, nicht verborgen blieb, der ihn für ein Bundesligaspiel in den Kader berief. Wieso es dann anschließend bei Holstein Kiel , beim 1. FC Saarbrücken, beim SC Wiedenbrück und zuletzt beim SV Lippstadt weniger nach Plan lief, damit mag sich Harder gar nicht lange aufhalten. Er sieht das pragmatisch: „Das war ein Kapitel, jetzt folgt ein neues.“

Vertrauen wichtig

Zumindest hat es – und damit lässt sich der Bogen prima zu seinem Herzensverein spannen – mit Vertrauen zu tun. Wagner, davor Norbert Elgert (Chef der „Knappenschmiede“), später Karsten Neitzel (Kurzzeit-Coach in Kiel): Sie alle hatten Harder volle Rückendeckung gegeben. Harder zahlte zurück. Mit Leistung, mit Toren. Dirk Lottner (FCS) und Markus Anfang (Holstein) waren nicht ganz so überzeugt von den Fähigkeiten des Offensiv-Allrounders, prompt folgte der Karriereknick.

In Seppenrade haben sie immer an „ihren“ Tammo geglaubt. Als der eine Weile vereinslos war, hielt er sich an der Reckelsumer Straße fit, kickte bei Freizeitturnieren am Hüwel mit, war Zaungast bei Auftritten der Ersten. Das mit der Fortuna-Familie, die keinen im Stich lässt, muss man in seinem Falle wörtlich nehmen. Bruder Jannis spielt ebenfalls beim A-Ligisten, Cousin Mike Mühlberger in der Reserve, Mutter Claudia ist Co-Trainerin der Damen.

Verpflichtung „Teamarbeit“

Kein Wunder, dass die Schwarz-Gelben „immer mein erster Ansprechpartner“ waren – trotz diverser Angebote betuchter Klubs aus der Nachbarschaft. Den spektakulären Deal eingefädelt hat Fortuna-Vize Helmut Nottenkämper, der den Ball indes zurückspielt: „Das war Teamarbeit.“ Der Vorstand, die sportliche Leitung, der Trainer, der künftige Arbeitgeber (Harder lässt sich ab Anfang August zum Speditionskaufmann ausbilden): Sie alle hätten ihren Teil zur Verpflichtung beigetragen.

Und? Titelambitionen mit einem solchen Hochkaräter? Obmann Max Kemmann hakt sofort ein: „Wir wollen dem Jungen doch nicht gleich diesen Rucksack mitgeben. Einer allein ist noch nie Meister geworden.“ Mahmoud Abdul-Latif freut sich derweil über „Tammos unfassbare Qualität und seine Abgezocktheit vor dem Kasten. Das wird der sehr jungen und daher manchmal noch naiven Truppe helfen.“ Einen Freibrief stellt der Coach dem prominenten Mann trotzdem nicht aus: „Den würde er als ausgesprochener Teamplayer ja gar nicht wollen.“ Harder, aufgeräumt, sitzt daneben, nickt. Es scheint tatsächlich so, als sei da einer angekommen.

Zur Person

Tammo Harder hat in 71 Drittligaspielen für die BVB-Reserve und Kiel 22 Mal genetzt. Hinzu kommen 58 Einsätze (sieben Tore) in der Regionalliga (Dortmund, Saarbrücken, Wiedenbrück, Lippstadt). Mit Schalkes A-Jugend wurde er 2012 an der Seite von Max Meyer und Sead Kolanisac Deutscher Meister. Sieben Mal trug Harder den Adler auf der Brust (U 19/U 20), dabei gelang ihm ein Treffer. (flo)

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