Fußball: Altkreis-Serie
Mit das Größte in der Historie des SV Herbern

Lüdinghausen -

Der SV Herbern setzt Mitte der 1970er-Jahre zum Höhenflug an, gleich zwei Mal steigen die Blau-Gelben in die Landesliga auf. Auf Dauer stoppen kann sie nicht mal ein bekanntes „Kopfballungeheuer“. Umjubelter Held 1979 ist ein Junge aus dem Dorf.

Mittwoch, 22.07.2020, 17:40 Uhr
Der SVH 1979: Franz Christ, Frank Bertram, Alfons Reckers, Bernd Haverkamp, Theo Homann, Herbert Börste, Heinz Reher, Günter Büscher, Walter Strunk (o.v.l.), Dieter Aschwer, Bernd Vieth, Bernd Krampe, Josef Reher, Alfons Sennekamp, Hans-Georg Baartz, Raimund Wesseling, Ingo Krampe und Ludger Bomholt (u.v.l.).
Der SVH 1979: Franz Christ, Frank Bertram, Alfons Reckers, Bernd Haverkamp, Theo Homann, Herbert Börste, Heinz Reher, Günter Büscher, Walter Strunk (o.v.l.), Dieter Aschwer, Bernd Vieth, Bernd Krampe, Josef Reher, Alfons Sennekamp, Hans-Georg Baartz, Raimund Wesseling, Ingo Krampe und Ludger Bomholt (u.v.l.). Foto: SVH

Horst Hrubesch hat viele Sternstunden erlebt, mit dem HSV beispielsweise den Gewinn des Landesmeister-Europapokals bejubelt. Und doch kann der bodenständige Hobbyangler sich an den 24. Mai 1975 erinnern. Es ist sein letztes Spiel als Amateur. Mit seinen Toren macht das „Kopfballungeheuer“ den dritten Aufstieg des SC Westtünnen in Folge perfekt. Seit diesem Tag beobachten die Fußballer und Fans des SV Herbern den Werdegang des Hammer Jungen genau. Denn sie sind Leidtragende der besonderen Fähigkeiten von Hrubesch, der das entscheidende Spiel um Bezirksliga-Meisterschaft und Landesliga-Aufstieg für Westtünnen, für die Elf von Trainer Werner „Beinhart“ Lorant und gegen den SV Herbern entscheidet.

Unterkriegen lassen sich die Blau-Gelben von der 0:3-Schlappe vor 3800 Zuschauern nicht. Angetrieben von Dachdeckermeister und SVH-Vereinswirt Walter Strunk, wächst das Team aus Herberner Jungs weiter. Es wird veredelt durch Westfalenauswahlspieler Günter Büscher, Edeltechniker Jürgen Weinandy und Torjäger Bernd „Pape“ Haverkamp. Die Einheit auf dem Platz wird von Spielerfrauen und Freundinnen unterstützt, die einen Kegelclub gründen. Alles rückt nach der Niederlage noch enger zusammen und erntet zwölf Monate später den Erfolg: Der SV Herbern steigt 1976 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Landesliga auf, damals die vierthöchste Spielklasse. Während der Saison werfen Christ, Reher, Storksberger, Börste und Co. mit dem Hammer SV und dem SV Erle zwei Verbandsligisten aus dem Pokal-Wettbewerb. Auch wenn sich weitere Erfolge anschließen: Die Saison 75/76 gehört zum Besten, was die SVH-Vereinshistorie zu bieten hat.

Krampe macht’s

Und es wird nicht langweilig im Dorf. Nach zwei Jahren steigen die Blau-Gelben wieder ab, um mit einem neuen Drama den zweiten Aufstieg perfekt zu machen. Wieder kommt der Rivale aus Hamm. Dieses Mal schließen die Herberner, für die nun Ex-Bundesligaspieler Theo Homann aus Werne im Mittelfeld zaubert, und Arminia Hamm die Saison punktgleich ab. Am 10. Juni sind es in Stockum aber nicht die klingenden Namen, die Herbern in den Freudentaumel stürzen. Es ist ein Junge aus dem Dorf, der seine Torjägerqualitäten bei der A-Jugend nachgewiesen hat, seit dem 1. Mai bei den Senioren spielen darf, und in der 92. Minute das entscheidende 2:1 erzielt: Ingo Krampe trifft den Ball bei einem Gestocher im Strafraum so, dass er über die Linie trudelt.

Fast hätte sich auch Fortuna Seppenrade in die Meisterliste der Staffel Hellweg eingetragen. 1978 war der VfL Altenbögge ganze zwei Punkte besser als das Team aus dem Rosendorf. Als „Vize“ schnuppert Davaria Davensberg ein zweites Mal an der Kreismeisterschaft. In zwei Entscheidungsspielen setzt sich 1977 aber BW Alstedde durch. Es ist auf Kreisebene eine Zeit mit zwei ersten Kreisklassen, die Gruppensieger treten gegeneinander an. Kurios: Union Lüdinghausen 1 setzt sich 1976 im „Finale“ gegen Fortuna Seppenrade 2 mit 2:0 und 4:0 durch.

Daten, Fakten

Meister: Bezirksliga: SV Herbern (1976/1979), BV Selm (1977), Kreis Lüdinghausen: PSV Bork (1975), Union Lüdinghausen (1976), BW Alstedde (1977), Westfalia Wethmar (1978), SF Werne (1979).Kurios: Die Herberner Meister laufen zu den Spielen immer noch durchs Dorf, Umkleiden und Duschen sind am Vereinslokal „Zum Altenhamm“, gespielt wird „die Rulle hoch“ an der Werner Straße. Im benachbarten Capelle ziehen sich die Gastgeber auf der Kegelbahn um, in Hiddingsel geht es in das Nebenzimmer einer Wirtschaft.Namen: 1978 endet die Ära Anton Beckensträter. 1949 hat er die Regie im Fußballkreis Lüdinghausen übernommen, knapp 30 Jahre später gibt er die Verantwortung an Werner Kretschmer weiter. Der Nordkirchener bleibt bis 2013 Vorsitzender.Drama neben dem Platz: Wie sehr Fußball nur Nebensache ist, erfahren die Menschen im Januar 1976. Rudi Daniel, Trainer von GW Selm, stirbt an den Folgen eines tragischen Unglücks. Beim Versuch, einen brennenden Tannenbaum aus der Wohnung zu tragen, wird er schwer verletzt. Der 50-Jährige unterrichtet Sport am Gymnasium in Bergkamen. Von den 112 Bundesligaspielen seines Sohns Jörg, einem Torwart, bekommt Rudi Daniel nichts mehr mit.

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