Fußball: Weniger Unparteiische
Paulo Goncalves: „Tendenz geht nach unten“

Kreis Coesfeld -

Die Zahlen sind alarmierend, vor dem jüngsten Lockdown gab es nurmehr 190 Unparteiische im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld. Es gibt aber noch andere Dinge, die den obersten Schiedsrichter auf Kreisebene, Paulo Goncalves, umtreiben.

Sonntag, 08.11.2020, 18:03 Uhr
Oft geht es auf dem Platz hoch her. Für die Unparteiischen ist das kein leichter Job.
Oft geht es auf dem Platz hoch her. Für die Unparteiischen ist das kein leichter Job. Foto: flo

Die Schiedsrichter stehen beim Fußball (zu) oft im Mittelpunkt. Über die aktuelle Situation der Unparteiischen unterhielt sich unser Redaktionsmitglied Jürgen Primus mit Paulo Goncalves , dem Vorsitzenden des Schiedsrichterkreises Ahaus/Coesfeld.

 

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Schiedsrichter von 300 auf 220 stark rückläufig. Wie ist es aktuell um das Schiedsrichterwesen im Kreis bestellt?

Goncalves: Derzeit haben wir 210 Schiedsrichter, davon sind 190 aktiv. Von Beginn der Saison bis zur erneuten Corona-bedingten Unterbrechung haben unsere Schiedsrichter 1485 Spiele gepfiffen. Die Zahl der Schiris ist weiter rückläufig – wenn auch nicht mehr so dramatisch wie 2019. Trotzdem können wir es augenblicklich nicht mit neuen Referees auffangen. Die Tendenz geht klar nach unten.

Es können nicht alle Spiele besetzt werden, einige Schiedsrichter müssen zwei Spiele direkt hintereinander leiten. Haben Sie keine Angst, die jungen Schiedsrichter zu überfordern?

Goncalves: Wir haben viele Schiedsrichter, die gerne zwei Spiele an einem Tag pfeifen möchten. Das ist absolut freiwillig. Es sind in den allermeisten Fällen Spiele in den unteren Klassen. Schiedsrichter, die nachmittags ein Kreisliga-A-Spiel oder höher haben, sind nicht so oft darunter. Die sollen schließlich fit das klassenhohe Spiel leiten. Es sind aber nicht nur junge Unparteiische, die zwei Spiele leiten sondern eher ältere.

Vor einem Jahr gab es massive Angriffe auf das Schiedsrichtergespann beim Pokalfinale der A-Jugendlichen zwischen Vreden und Stadtlohn. Hat es danach ähnliche Vorfälle gegeben? Oder haben Vereine, Teams und Verantwortliche daraus gelernt?

Goncalves: Das Pokalspiel war ein rabenschwarzer Tag in unserem Kreis. Zum Glück hat es sich nicht wiederholt. Es kommt leider noch vor, dass die Schiedsrichter-Kollegen beschimpft werden, mehr aber durch Zuschauer. Aber auch das hat nachgelassen – wahrscheinlich auch bedingt durch den Corona-Lockdown. Die Vereine haben aber durchaus daraus gelernt. Besonders die beiden direkt betroffenen. Ich persönlich nehme aber wahr, dass auch andere Vereine sich Mühe geben, den Schiedsrichtern den Aufenthalt zu erleichtern. Dafür ein dickes Dankeschön!

 

Lesen Sie das komplette Interview in der Printausgabe am Montag.

Fortuna und Union im Minus

Im Fußballkreis Ahaus/Coesfeld gibt es nicht viele Klubs, die ihr Soll an Unparteiischen erfüllen. Je mehr Teams sie stellen, desto höher ist die Zahl der geforderten Referees. Fehlen Schiedsrichter, werden die Vereine entsprechend zur Kasse gebeten. Im abgelaufenen Quartal musste Fortuna Seppenrade 281,25 Euro berappen, Union Lüdinghausen war mit 450 Euro dabei. SuS Olfen führt das Ranking mit einer Strafzahlung von satten 787,50 Euro an. Es gibt aber auch positive Beispiele: Da der Goncalves-Klub DJK Stadtlohn mehr Spielleiter in seinen Reihen hat als nötig, erhält er regelmäßig einen Bonus aus der Kreiskasse. (flo)

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