Motorsport: Rückblick
Mit einem Wort: bescheiden – Christian Hülshorsts verlorenes Jahr

Lüdinghausen -

Am Vatertag dröhnen für gewöhnlich auf dem Westfalenring die Motoren. Immer mit dabei: Christian Hülshorst. Nur 2020 blieb es mucksmäuschenstill. Und auch sonst kann der Mann vom AMSC Lüdinghausen dem Jahr wenig abgewinnen.

Freitag, 18.12.2020, 18:43 Uhr aktualisiert: 18.12.2020, 19:06 Uhr
Keine Rennen, kein Podium: 2020 war für Christian Hülshorst (hier ein Archivbild vom alljährlichen Grasbahnrennen auf dem Westfalenring) ein eher trübes Jahr.
Keine Rennen, kein Podium: 2020 war für Christian Hülshorst (hier ein Archivbild vom alljährlichen Grasbahnrennen auf dem Westfalenring) ein eher trübes Jahr. Foto: mib

Wollte Christian Hülshorst das Jahr 2020 in einem Wort zusammenfassen, welches wäre das? „Bescheiden“. Wobei: Ihm fielen da schon noch drastischere Formulierungen ein, „aber die will man lieber nicht in der Zeitung lesen“.

Zwar ist der Stahlschuhdrifter nicht der einzige coronageplagte Sportler im Altkreis. Während aber viele bis März und dann noch mal im Sommer ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung nachgehen durften, ging bei Hülshorst: nichts. Er erinnere sich noch gut an den Beginn der Pandemie: „Die Maschine war bereits eingeladen, wir wollten gerade los zum Training in Wagenfeld.“

Das Motorrad ging dann unbenutzt zurück in die Garage. Das Training: wegen der Ansteckungsgefahr abgesagt – wie auch der Rest der Saisonvorbereitung und, tja, die Saison. Nicht ein einziges Rennen hat der Mann, der seit einem Vierteljahrhundert praktisch jedes Wochenende zwischen Frühling und Herbst auf den Sand- und Grasbahnen des Kontinents verbringt, bestritten.

Was er stattdessen gemacht hat? Wie alle auf der Couch gelegen und bis zum Abwinken Netflix geschaut? „Nee“, lacht der Mann vom AMSC Lüdinghausen, „ich hab’ was für meine Fitness getan.“ Auch auf zwei Rädern, nur ohne Motor. Zwei Mal sei er dann doch beim Speedway-Training gewesen. Aber im Grunde nur, „um für mich festzustellen: Ich kann’s noch.“ Wenn der komplette Rennkalender zusammengestrichen ist, „fragst du dich schon, wofür du üben sollst“.

An einem Wettbewerb hätte der Steverstädter sogar teilnehmen dürfen, dem EM-Finale im September nahe Bordeaux, für das „Hülse“ als Nachrücker qualifiziert war. „Aber für dieses eine Rennen, ohne Vorbereitung, nach Südfrankreich zu fahren: Da war mir der Aufwand zu groß. Zumal just zu dem Zeitpunkt die Infektionszahlen in der Region wieder steil nach oben gegangen sind.“

Dass sich die dick eingepackten Piloten auf der Bahn mit dem Virus anstecken, scheint nahezu ausgeschlossen. „Aber im Fahrerlager kommt man sich schon in die Quere“, weiß der Routinier. Von den Fans ganz zu schweigen. „Die tragen ja nicht nur zur besonderen Atmosphäre bei, sondern finanzieren die Rennen ganz wesentlich.“ Das Heimrennen am Westfalenring „vor 1000 bis 1500 Zuschauern auszurichten, wäre wirtschaftlich kaum darstellbar“.

Wie es 2021 weitergeht? „Die ersten Events sind traditionell um Ostern rum. Mal schauen, ob wir dann schon wieder vor Publikum starten dürfen.“ Freie Wochenenden daheim mit der Familie seien ja ganz nett. Aber: „Wir tun das doch alle, weil uns der Motorsport so am Herzen liegt.“

AMSC-Jugend robust

Während sich Christian Hülshorst um das Vereinsleben beim AMSC Lüdinghausen sorgt, das 2020 praktisch zum Erliegen gekommen sei, scheint der Nachwuchs die Krise ganz gut zu meistern. „Die Zahl der Aktiven hat sich von zehn auf 17 erhöht“, freut sich AMSC-Jugend-Vize Tim Helmbrecht. Dafür hätten seine Mitstreiter und er „kräftig die Werbetrommel gerührt“. Auch trainiert wurde, wenn auch mit viel Aufwand und unter Ausschluss der Öffentlichkeit, einige Male. Nur Kart-Slalom-Turniere gab es keine. „Blüht uns das 2021 ein zweites Mal, gehen die Anmeldezahlen vielleicht wieder runter“, fürchtet Helmbrecht. (flo)

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