Volleyball: Regionalliga NRW
Die verlorene Zeit – Yaglioglu in Sorge um Union-Talente

Lüdinghausen -

Trainer-Urgestein Suha Yaglioglu – lange beim ASV Senden, jetzt für Union Lüdinghausen tätig – hat alles erlebt im Sport. Dachte er jedenfalls. Dann kam das Virus. Der Mann leidet. Noch dramatischer sei der Corona-Stopp für seine Schützlinge.

Freitag, 22.01.2021, 18:17 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 18:20 Uhr
Viel mehr als nur ein Job: Volleyball ist für Union-Coach Suha Yaglioglu die Aufgabe seines Lebens.
Viel mehr als nur ein Job: Volleyball ist für Union-Coach Suha Yaglioglu die Aufgabe seines Lebens. Foto: chrb

Als Suha Yaglioglu vor einem halben Jahr als Coach bei den Volleyballerinnen des SC Union Lüdinghausen anheuerte, da war er voller Elan. Talente entwickeln: Das ist schließlich genau sein Ding. Beim benachbarten ASV Senden hat der diplomierte Sportlehrer gute 20 Jahre Spielerinnen geformt, die es später in die erste Liga, in die Nationalmannschaft oder auf die ganz große Beach-Bühne schafften.

Könnte doch ebenso gut bei Union funktionieren, meint Yalioglu. Für den Anfang lautete sein Auftrag: die stark verjüngte erste Mannschaft nach dem Abschied gleich mehrerer Leistungsträgerinnen in der Regionalliga zu halten. „Und da waren wir auf dem richtigen Weg“, so der 63-Jährige. Am 24. Oktober feierten seine Schützlinge beim 3:1 in Düsseldorf den ersten Saisonsieg. Der Beginn einer furiosen Aufholjagd? Eher der Anfang vom (vorläufigen) Ende. Sieben Tage später erfasste die zweite Welle den gesamten Amateursport.

Für die Spielerinnen der ersten und die noch jüngeren der dritten Mannschaft (U 16/Bezirksliga) sei das durchaus dramatisch, wie der Coach ausführt: „Das ist das Alter, in dem man die Basis legt. In dem Technik und Taktik zunehmend wichtiger werden. Das nachzuholen, ist nicht ganz so einfach, wie man sich das als Laie vorstellt. Insofern ist es für die Mädchen eine verlorene Zeit.“

Natürlich gehen sie auch in Lüdinghausen mit der Mode. Yaglioglu gibt den Mädchen individualisierte Übungspläne an die Hand, eine im Dezember eigens verpflichtete Fitnesstrainerin aus Paderborn macht den Spielerinnen der Damen-Teams je eine Stunde in der Woche via Zoom Beine. Alles schön und gut. „Aber ohne Ball, zumal in einer Mannschaftssportart, ist das kein wirklicher Ersatz“, klagt der Chefcoach.

Nun könnte Yaglioglu gegen den Volleyballentzug ankämpfen, indem er sich Spiele des Zweitligisten TSV Bayer Leverkusen (das Unterhaus ist nicht vom Lockdown betroffen) anschaut, den sein Sohn Tigin mit großem Erfolg coacht. „Aber selbst mit einem negativen Testergebnis käme ich da gar nicht in die Halle“, so der „sehr stolze“ Papa. Die eigenen vier Wände verlässt Yaglioglu senior nur in den seltensten Fällen: „Ich nehme Corona sehr ernst, schließlich zähle ich zur Risikogruppe.“

Die Lust am Volleyball lasse er sich vom Virus indes nicht nehmen. Das habe schon eine schwere Erkrankung 2019 nicht geschafft: „Ich mache das ja nicht nur, weil es mein Job ist. Trainer zu sein, war für mich in all den Jahren immer auch ein großer Spaß.“

WDM an Pfingsten?

Dirk Havermeier, Volleyball-Abteilungsleiter des SC Union Lüdinghausen, hat sich abgewöhnt, „in die Glaskugel zu schauen. Schließlich treffen ja nicht wir die Entscheidung, wann es wieder in die Halle geht.“ Da für WVV-Chef Hubert Martens die Saison aber noch nicht offiziell vorbei sei, bleibt auch Havermeier vorsichtig optimistisch. Über Pfingsten will Union die Westdeutsche Meisterschaft der bis 14-Jährigen ausrichten. Wobei den Unionisten nicht nur Corona zu schaffen macht. Den bevorzugten Veranstaltungsort, die Realschule, benötigen an dem betreffenden Wochenende möglicherweise Tischtennisspieler und Basketballer, die Leistungssporthalle dürfte bis dahin kaum fertig sein.Dass sich die Kinder und Jugendlichen im Zuge der Pandemie von Union abwenden könnten, befürchtet Havermeier – noch – nicht: „Irgendwann sollte es schon weitergehen. Aber bisher sind mir so gut wie keine Abmeldungen bekannt.“ Der Zusatzbeitrag, den die Volleyballerinnen an den Verein entrichten, sei gestrichen, solange der Spielbetrieb ruht. Außerdem „gab es als kleines Dankeschön ein Präsent für die Trainer und die vielen Helfer, die uns in der Krise bislang die Treue halten“. (flo)

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