Fußball: Kultklub
Nagel im Kopf – wieso Nils Hönicke in der Lohrheide kickt

Lüdinghausen -

Nils Hönicke, in jungen Jahren beim SC Union Lüdinghausen ausgebildet, kickt seit einem halben bei seinem Herzensverein SG Wattenscheid 09 in der Oberliga. Wieso er das tut, lässt sich rational kaum erklären. Es muss wohl Liebe sein.

Samstag, 30.01.2021, 06:54 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 13:24 Uhr
In seinem Element: SG-Mittelfeldmann Nils Hönicke (r.).
In seinem Element: SG-Mittelfeldmann Nils Hönicke (r.). Foto: SG Wattenscheid 09

In puncto Wohnen ist für Nils Hönicke Münster die Nummer eins. Um nichts in der Welt würde er seine Bleibe im schönen Kreuzviertel aufgeben. Wenn es um den Fußball geht, sieht das indes ganz anders aus. „Da kriegt man den Pott nicht aus mir raus“, lacht der gebürtige Gelsenkirchener. Nirgendwo sonst bewege diese Sportart die Leute so sehr wie im Ruhrgebiet. „Frag’ mal einen Schalke-Fan“, schlägt Hönicke vor.

Oder einen Anhänger der SG Wattenscheid 09 . Die hat es dem 27-Jährigen nicht erst seit der Saison 2016/17 angetan, als er das erste Mal für den Kultklub kickte, damals noch in der Regionalliga. Bereits in seiner Kindheit sei er regelmäßiger Tribünengast in der Lohrheide gewesen. Lange nachdenken musste er insofern nicht, als ihn sein bester Kumpel Norman Jakubowski im Frühjahr 2020 zu einem weiteren Engagement im Bochumer Stadtteil überreden wollte.

Lustiges Telefonat

Das Telefonat sei ziemlich lustig gewesen, erinnert sich der Mittelfeldmann. Hönicke: „Gibt es einen Trainer?“ Jakubowski: „Noch nicht.“ Hönicke: „Welche Spieler haben schon zugesagt?“ Jakubowski: „Ich. Du wärst der Zweite.“ Hönicke: „Gibt es ein Budget?“ Jakubowski: „Nein, der Verein ist gerade in der Insolvenz.“ Dass Hönicke an dem Punkt nicht etwa auflegte, sondern allen Ernstes seine Zugabe gab, lässt sich nur so erklären: „Die Fans und Verantwortlichen in Wattenscheid haben – wie ich – einen Nagel im Kopf.“ Es klingt wie eine Liebeserklärung.

Anders ist ja auch nicht zu verstehen, wieso er sein Engagement bei Westfalia Kinderhaus nach nur zwei Einsätzen beendete. Beim damaligen Landesligisten könne man „einen guten Groschen“ verdienen – nicht unerheblich für einen Lehramtsstudenten (Sport/Erziehungswissenschaften). Wenn man überdies viermal in der Woche den „Feierabendstau auf der A 43“ in Kauf nimmt, dann muss es tatsächlich eine ganz besondere Beziehung sein. Es gibt diesen wunderbaren TV-Clip aus „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“, Hönicke mittendrin. Oberliga-Derby zwischen Wattenscheid und Herne, Flutlicht, Dauerregen, ein hart umkämpfter 3:1-Heimsieg. „Die pure Magie“, findet der Mann, der in jungen Jahren am Westfalenring geflemmt hat, „das findet man kein zweites Mal.“ Nicht bei RW Ahlen, wo er mit Anfang 20 an der Schwelle zum Profitum stand, nicht in Rhynern, Rheine, Kinderhaus.

Auch nicht bei Union Lüdinghausen, wenngleich das „’ne geile Combo in der D-Jugend war“. Lucas Morzonek, Eric Sabe, Eric Rottstegge: „Die konnten schon damals alle prima zocken.“ Er sei gern und regelmäßig in der Steverstadt, wo Hönicke zur Schule gegangen ist, wo die Familie lebt, wo Vater Ralf Union-Abteilungsleiter war. Aber Fußball spielen? Da gibt’s für ihn nur eine Adresse.

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