Reiten: Krise
„Müssen hoffentlich kein Tier veräußern“ – RV Lüdinghausen und Co. in Sorge

Lüdinghausen -

Erst die Pandemie, jetzt auch noch die Geschichte mit dem Herpesvirus: Die Reitvereine in der Region haben schwer zu kämpfen. Geschäftsführerin Marlies Brinkmann hofft, dass der RV Lüdinghausen mit einem blauen Auge davonkommt.

Donnerstag, 01.04.2021, 18:33 Uhr aktualisiert: 01.04.2021, 18:40 Uhr
Aktuell – wie so vieles – in Elvert undenkbar: der Erwerb des Reitabzeichens.
Aktuell – wie so vieles – in Elvert undenkbar: der Erwerb des Reitabzeichens. Foto: flo

Als bereitete Corona den hiesigen Reitvereinen nicht schon genug Kopfzerbrechen. Nein, es musste auch noch das Herpesvirus sein, das sich von Valencia aus über den halben Kontinent ausgebreitet hat. Wobei der Erreger an sich nicht das Problem sei, wie Marlies Brinkmann weiß, „den tragen 80 Prozent der Pferde in sich“. Zu schaffen mache dem RV Lüdinghausen und seiner Geschäftsführerin „der Ausbruch dieser besonders aggressiven Form“. Geradeerst war ein kleines bisschen Leben auf die Anlage in Elvert zurückgekehrt, da gab es die nächsten Einschränkungen. So wurden auswärtige Reiter und deren Pferde in der Folge konsequent abgewiesen.

Was, um die Gesundheit der eigenen Tiere zu schützen, unbedingt nachvollziehbar ist. Nur bedeutet weniger Betrieb immer auch: weniger Einnahmen. Die Vereine sind finanziell eh gebeutelt genug. Keine Abnahme von Reitabzeichen; Unterricht in Einzel-Slots à 20 Minuten im Freien; Hallennutzung nur bei 200 Quadratmetern Fläche je Mensch und Tier; Longieren für Anfänger: derzeit ausgesetzt. Auf der anderen Seite müssen die Schulpferde – fünf an der Zahl in Elvert – bewegt, verpflegt und medizinisch versorgt werden.

Überbrückungshilfen

Noch gehe es wirtschaftlich nicht ans Eingemachte, beruhigt Brinkmann. Aber: „Ewig können wir uns das nicht leisten.“ Für November und Dezember hat der RV Lüdinghausen Überbrückungshilfen vom Land erhalten. Auch stehe die Reiterliche Vereinigung den Vereinen mit Rat und Tat zu Seite, etwa im Zuge der „Kein-Schulpferd-weniger“-Kampagne. Der Verband pocht darauf, dass der Staat Kurzarbeitergeld für den Erhalt der Vierbeiner ausschüttet. Deshalb ist die Geschäftsführerin vorsichtig optimistisch, keines der Schulpferde veräußern zu müssen. Sie wisse aber von privaten Betrieben, in denen genau das bereits passiert sei.

Ob die Zahl der Mitglieder während der Pandemie geschrumpft sei? „Natürlich gibt es Eltern, die sagen: Wenn es für die Kinder keine Angebote gibt, dann schenken wir uns die Beiträge.“ Das seien aber – bislang – Einzelfälle. Vor Corona wurden die hiesigen Vereine vom Nachwuchs förmlich überrannt. „Wollen wir hoffen, dass das enorme Interesse am Reitsport die Krise überdauert“, so Brinkmann.

Und was ist – die Lüdinghauser eröffnen traditionell den Wettbewerbsreigen – mit dem Turnier an Christi Himmelfahrt (13. bis 16. Mai)? „Natürlich schauen wir, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Andererseits hat der Sommer 2020 gezeigt, dass man mit entsprechenden Hygienekonzepten das Ansteckungsrisiko minimieren kann.“ So werde das Programm einerseits gestrafft und andererseits an vier statt an drei Tagen geritten. Zudem fänden keine Dressur- und Springprüfungen parallel statt.

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