Fußball: Ehrendivision
Amsterdams Boss plädiert für Abbruch

Enschede -

Uneinigkeit in den Niederlanden hinsichtlich einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Fußball-Ehrendivision: Während der KNVB noch auf Gespräche setzt, haben einige Clubchefs bereits ihre Meinung verkündet und plädieren für eine Absage.

Montag, 06.04.2020, 15:10 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 11:36 Uhr

Die Vereine in der niederländischen Fußball-Ehrendivision, darunter der FC Twente aus Enschede, diskutieren mit dem Verband KNVB , ob und wie es mit der Saison in der Liga weitergehen soll. Bereits in der vergangenen Woche berieten alle Parteien über die Optionen, die ihnen noch verbleiben. Für diese Woche ist ein Gespräch angesetzt.

Nach der ersten Telefonkonferenz äußerte sich zunächst der KNVB, der klar machte, dass er die angebrochene Saison auf Weisung des Europäischen Fußballverbandes zuende spielen lassen möchte. „Die UEFA hat eine klare Ansage gemacht: Versucht, die Liga zu beenden. Dafür habt ihr bis zum 3. August Zeit“, berichtete KNVB-Manager Eric Gudde und brachte damit einen neuen Termin ins Spiel. Um die verbliebenen Partien bis zu diesem Datum austragen zu können, müsste der Spielbetrieb spätestens in der zweiten Juni-Hälfte wieder aufgenommen werden.

Der Verband bat die Erstliga-Vereine, sich zunächst öffentlich nicht zu den Gesprächsinhalten zu äußern – doch dieser Aufruf wurde nicht befolgt. Ajax Amsterdams Manager Marc Overmars machte in der Zeitung De Telegraaf schon kurz danach klar, dass er vom KNVB-Plan, die Saison zu Ende zu bringen, gar nichts hält. „Die Ehrendivision ist tot. Da ist kein Leben, kein Spaß mehr drin“, wurde er deutlich. Overmars sprach sich eindeutig für einen Abbruch der Saison, die ohnehin bis Anfang Juni ausgesetzt ist, aus und schloss nicht aus, dass er die Ajax-Mannschaft nicht antreten lassen würde, wenn die Partien in den kommenden Wochen und Monaten neu angesetzt werden. Unterstützung für seine Sichtweise bekam er von PSV Eindhoven und AZ Alkmaar, den beiden anderen Top-Clubs, die aktuell mit Ajax als Trio an der Tabellenspitze stehen.

Auch Twente-Boss Paul van der Kraan sah es ähnlich: „Wenn man mich persönlich fragt, bin ich für den Abbruch“, erklärte er, schob allerdings nach: „Als Verantwortlicher in einem Wirtschaftsunternehmen muss man seine persönliche Meinung aber manchmal übergehen und auf das große Ganze schauen.“ Während die Top-Clubs einen Abbruch der Spielzeit finanziell wohl verkraften könnten, sieht es bei den kleineren Vereinen der Liga, die auf die TV- und Sponsoreneinnahmen stärker angewiesen sind, anders aus. „Ich finde, dass wir uns erst anschauen müssen, was für Konsequenzen folgen könnten“, meinte van der Kraan zur Entscheidung, ob es mit der Ehrendivision weitergeht.

Was die UEFA von dem Ajax-Vorstoß zum Saisonabbruch hält, ist klar. Präsident Aleksander Ceferin ärgerte sich bereits in der vergangenen Woche maßlos über die Entscheidung des belgischen Verbandes, die ausstehenden Partien in seinem Land abzusagen und den FC Brügge zum Meister zu erklären. „Die Belgier und andere, die jetzt vielleicht darüber nachdenken, riskieren ihre Teilnahme am Europapokal in der nächsten Saison“, drohte er im ZDF auch in Richtung der Niederlande für den Fall eines Saisonabbruchs.

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