Fußball: Vor 50 Jahren hebt der DFB das Spielverbot für Frauen auf
„Eine super Zeit“ in Metelen

Metelen -

Der organisierte Frauenfußball in Deutschland ist erst 50 Jahre alt. 1970 hob der DFB das Spielverbot für die Damen auf. Beim FC Matellia Metelen wurde flugs eine Mannschaft gegründet. Zwei Spielerinnen der ersten Stunde erinnern sich an die Zeit, in der der deutsche Frauenfußball laufen lernte.

Freitag, 30.10.2020, 12:30 Uhr
Ulrike Schulze Lohoff (l.) und Antonia „Toni“ Stücker schwärmen noch heute von der Zeit, als der deutsche Frauenfußball laufen lernte.
Ulrike Schulze Lohoff (l.) und Antonia „Toni“ Stücker schwärmen noch heute von der Zeit, als der deutsche Frauenfußball laufen lernte. Foto: Marc Brenzel

Am 31. Oktober 1970 beschloss der Deutsche Fußballbund ( DFB ) im Rahmen seines Bundestags in Travemünde das seit 1955 geltende Verbot des Frauenfußballs aufzuheben. Damit wurde das erste Kapitel einer Erfolgsgeschichte geschrieben, die ihre Höhepunkte in zwei Weltmeister- und acht Europameisterschaftstiteln sowie einem Olympiasieg fand.

Der FC Matellia Metelen war 1970 einer der ersten Vereine in der Region, bei dem ein Frauenteam gegründet wurde. Zu den Spielerinnen der ersten Stunde gehörten unter anderem Ulrike Schulze Lohoff und Toni Stücker. Beide waren Teil der Gründungsmannschaft, die von Berni Wolf und Heiner Pieper trainiert wurde. „Für junge Mädchen gab es ja damals nicht viele Sportangebote. Als wir erfuhren, dass der DFB das Verbot des Frauenfußballs aufgehoben hat, standen wir in den Startlöchern“, weiß Stücker noch ganz genau.

Berni Wolf kam da genau richtig, um den Damen das Fußballspielen beizubringen. „Große Vorkenntniss – außer ein bisschen Rumgekicke auf dem Rasenplatz – gab es eigentlich nicht. Aber wir wollten unbedingt. Das war für uns alle mehr als nur eine Modeerscheinung“, so Schulze Lohoff, die damals noch Roters hieß.

Praktisch eine ganze Mädchen-Clique meldete sich bei der Matellia an, die sich damit als moderner Verein aufstellte. Denn Frauenfußball war im Münsterland trotz der Aufhebung des Verbotes immer etwas Gewagtes.

27 Spielerinnen umfasste der Kader in der ersten Saison, vorwiegend unter 18 Jahre alt. Mit Mitte 20 schon die älteste im Team war Torfrau Maria Dauwe, die aus Horstmar kam.

„Wir hatten einen enormen Ehrgeiz und brauchten nicht großartig motiviert zu werden“, so Schulze Lohoff. Entsprechend flott machten die Mädchen und jungen Frauen Fortschritte. Das weckte das Interesse der lokalen Presse, die schrieb: „Konditionstraining und Gymnastik werden beim Training groß geschrieben. Als Wichtigstes kommen dann Balltechnik und Torwarttraining hinzu. Hier zeigt sich, dass Einige einen ganz schönen Schuss haben, den zu halten, einiges Können verlangt. Aber auch in der Ballführung, in der Abgabe, in den Flanken und Pässen wird Talent deutlich. Dass das Ganze spielerischer, leichter, fast eleganter ist als bei den Herren, liegt in der Natur der Sache.“

Und auch der Coach hatte seinen Spaß und diktierte dem Journalisten in den Block: „Die Mädchen haben Ehrgeiz und tun wirklich alles. Das macht dann auch Freude.“

Das erste Spiel überhaupt bestritten die Metelenerinnen gegen den Nachbarverein ASC Schöppingen und gewannen mit 2:1. Weitere Erfolge gegen die Teams aus Gescher, Legden, Ottenstein, Asbeck, Emsdetten, Horstmar oder Langenhorst/Welbergen schlossen sich in den nächsten Monaten und Jahren an. Und so gab es in der Gaststätte Pieper, dem Vereinslokal der Fußballerinnen, oft etwas zu feiern. Da wurde regelmäßig das Mannschaftslied „Es zogen drei Mannschaften‘ wohl über den Rhein“ gesungen.

Feiern war das eine, Leistung bringen das andere. „Mit Berni konnte man Spaß haben, wenn Spaß angesagt war. Aber Fußball war Fußball, und im Training hat er uns richtig rangenommen. Harte Einheiten waren keine Seltenheit“, dreht Schulze Lohoff das Rad der Zeit zurück.

Die richtige Einstellung, Siege und Erfolge brachten den Matellia-Damen um Spielführerin Dorle Wessendorf den Respekt ein. Wenn im Stadion an der Ochtruper Straße die Punktspiele ausgetragen wurden, fanden sich dort regelmäßig Zuschauer ein.

„Unsere Frauenmannschaft Anfang der 70er Jahre – das war eine super Zeit, die schönste unserer Jugend“, schwärmen Stücker und Schulze Lohoff von den Tagen, in der der deutsche Frauenfußball laufen lernte.

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