Tischtennis: Vom Holzbrett zum Mahagonischläger
Andere Zählweise, anderer Ball

steinfurt -

Beim Sportmaterial haben Forschung und Entwicklung immense Fortschritte gemacht, die den Athleten heutiger Tage das Schwitzen angenehmer machen oder das Radfahren bequemer und schneller. Die WN wollen in einer Serie darstellen, wie sich das Material – egal ob beim Fußball, im Radsport oder bei der Leichtathletik – in verschiedenen Sportarten verändert hat, damit der Sportler schneller wird, weniger schwitzt oder bessere Aufschläge setzen kann.

Freitag, 22.01.2021, 16:23 Uhr
Mark Beuing (l.), mittlerweile bei Arminia Ochtrup im Einsatz, und Christoph Heckmann vom TB Burgsteinfurt in ihrer typischen Haltung beim Aufschlag eines Doppels.
Mark Beuing (l.), mittlerweile bei Arminia Ochtrup im Einsatz, und Christoph Heckmann vom TB Burgsteinfurt in ihrer typischen Haltung beim Aufschlag eines Doppels.

Es waren mal 21 Punkte, die ein Spieler benötigte, um einen Satz im Tischtennis zu gewinnen. Mittlerweile sind es nur noch elf. Der Abstand von zwei Punkten, um einen Satz siegreich für sich zu verbuchen, ist allerdings geblieben. Doch nicht nur in der Zählweise hat sich beim Tischtennis im Laufe der Jahre einiges verändert. Rein äußerlich hat sich ebenfalls eine Menge getan, beispielsweise bei den Schlägern, bei den Schuhen und Trikots, die, um es kurz zu machen, wie bei fast allen Sportlern aus Polyester bestehen, atmungsaktiv sind und nicht mehr am Spieler kleben.

„Bei den Tischen hat sich am wenigsten getan“, erläutert Sascha Beuing , der seit 30 Jahren Tischtennis spielt – zu besten Zeiten mit dem TB Burgsteinfurt in der Regionalliga – und in Münster vor sechs Jahren das Sportgeschäft „Sportprofi Münsterland“ von Werner Skrobanek übernommen hat. „Früher waren die Tische 22 Millimeter stark, heute sind es zum Teil schon 28. Festgelegt ist nur das Absprungverhalten von 23 Zentimetern“, erklärt Beuing. Geblieben sind laut ITTF (International Table Tennis Federation) die Maße (2,74 lang, 1,52 breit, 0,76 hoch) und die Höhe des Netzes mit 15,25 Zentimetern. Als Farben sind grün und blau zugelassen.

Ein wenig anders sieht es beim Schuhwerk der Spieler aus. Durch die schnellen und oftmals ruckartigen Bewegungen sollten sie nicht nur stabil sein, sondern auch rutschfest und möglichst leicht. „Als ich anfing, hatten die Schuhe eine Vollgummisohle und waren aus Leinen – ohne Dämpfung – und sahen aus wie ein Pantoffel. Heutige Schuhe wiegen nur noch 200 bis 250 Gramm, früher waren es 400. Heutige haben eine Dämpfung und sind aus reißfestem Material“, erinnert sich der 40-Jährige.

Bei den Bällen ist der Trend weg vom Zelluloid zum Plastik gegangen. Seit 2014 ist er international Pflicht. Hintergrund: Die Zelluloidbälle waren leicht entflammbar und wurden als Gefahrgut eingestuft. „Es hat doch jeder jüngere Spieler mal ausprobiert, einen Ball anzuzünden. Durch das Gas darin gab es einen richtigen Knall“, hat auch Beuing seine Experimente mit der weißen Kugel gemacht.

Zudem ist der Ball gewachsen, von 38 Millimeter Umfang auf 40 (seit 2018). „Der Kleinere war eine richtige Rakete“, sagt Beuing. Nach einem guten Aufschlag konnte man mit einem einzigen harten Topspin den Ballwechsel beenden, zumal nach der alten Aufschlagregel, als der Ball noch „verdeckt“ werden konnte. Die neuen Plastikbälle, so erklärt es der Profi, haben ein anderes Schnitt- und Absprungverhalten und machen den Ball unberechenbarer. „Gefühlt“ seien sie auch härter.

Knifflig wird es beim Schläger und den Belägen. Nicht unerheblich ist die Wahl des Holzes (siehe Kasten), Beläge kann man ständig austauschen. „Es gab vor 30 Jahren fünf Firmen, die fünf schnelle und fünf langsame Beläge herstellten. Heute gibt es zig Firmen, die 200 Beläge produzieren“, haben sich laut Beuing auch hier die Zeiten gravierend geändert. Sriver (seit 1967), Tackiness oder Tenergy von Butterfly, Donic Vario oder Stiga – die Auswahl ist im Vergleich zu den Zeiten eines Eberhard Schöler unfassbar groß und bietet je nach Art des Spiels sehr individuelle Möglichkeiten. Nicht zu vernachlässigen ist dabei allerdings auch die Bedeutung des Schwamms, der sich unter dem farbigen Belag (heute schwarz und rot, früher einfarbig) befindet. „Ein weicher Schwamm macht den Belag langsam, ein harter macht ihn schnell“, erklärt Sascha Beuing.

Darüber hinaus gibt es auch Beläge mit Noppen. „In den höheren Ligen wird kaum noch damit gespielt“, sagt Reinhard Rothe (BW Greven, früher TuS Laer). Der Brite Carl Prean sei der einzige Europäer gewesen, der in der Bundesliga (Jülich, Grenzau, Saarbrücken) mit Noppen erfolgreich gespielt habe. Der Schwede Mattias Falck benutzt seit seiner Jugend auf der Vorhand einen Belag mit kurzen Noppen und auf der Rückhand einen normalen – und wurde damit 2019 sogar Vize-Weltmeister im Einzel.

„Noppen sind kein reiner Abwehrbelag“, sagt Rahul Nelson (TTC Münster, früher TuS Laer). „Aber sie nehmen weniger Rotation an. Der Plastikball, mit dem jetzt gespielt wird, nimmt generell nicht mehr so viel Rotation an. Dadurch ist die Vielfalt im Tischtennis verloren gegangen“, ergänzt Nelson.

Zahlreiche Änderungen hat auch der Aufschlag erfahren: Der Ball muss heute während der gesamten Aufschlagsphase für den Gegner sichtbar sein und der Schiedsrichter muss dies beurteilen können (seit 2002). Aus dem geöffneten Handteller (seit 1967) mit der Hand über Niveau des Tisches muss der Ball senkrecht mindestens 16 Zentimeter hochgeworfen werden. Sogenannte Knipsaufschläge, mit denen die USA 1937 die Weltmeisterschaft gewannen, weil sie ihren Aufschlägen Fingerspin gaben sind verboten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7779677?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35351%2F
Nachrichten-Ticker