Münster
Kein Blick zurück im Zorn

Mittwoch, 30.12.2009, 17:12 Uhr

Münster - Es ist kein Blick zurück im Zorn. Damals, im Herbst 2002, endet die Profikarriere des Christian Wegmann im Radsport. Es ist ein positiver Dopingtest, der zum Schlussstrich führt. Bei der Hessenrundfahrt wird der damals 27-Jährige positiv auf Koffein getestet. Im Symphoniekonzert der leistungssteigernden Präparate ist das so viel wie der einmalige leise Klang einer Triangel. Ein paar Monate später wird Koffein von der Dopingliste gestrichen, doch da hat Wegmann schon einen neuen Weg eingeschlagen. „Leicht war das nicht. Ob ich mein Studium auch direkt nach dem Abitur so geschafft hätte, weiß ich nicht.“ Einen größeren Grundehrgeiz habe er. Nun ist Christian Wegmann auf der nächsten Zielgerade angekommen, im April steht das Examen für den angehenden Arzt an, Orthopädie und Unfallchirurgie haben es ihm angetan.

Doch Wegmann ist weiter ein seltsamer Gefangener seines Sports. Täglich schaut er auf die einschlägigen Radsportseiten im Internet, sein früheres Arbeitsgerät hat er dagegen seit Jahren nicht mehr richtig angefasst. Im Keller stehen dennoch einige edle Zweiräder, er kennt sie in- und auswendig, im Schrank sind alle gewonnenen Führungs- und Wertungstrikots der sechsjährigen Berufsfahrer-Karriere gesammelt. Kontrastprogramm? „Zum x-ten Mal habe ich mit dem Joggen begonnen. Aber alibimäßig einmal in der Woche 40 Kilometer auf dem Rad zu fahren, das kann ich nicht.“

Dennoch wagte und schaffte er einen schwierigen Spagat. Im Winter studierte Wegmann an der WWU Medizin, im Sommer war er die letzten drei Jahre als Sportlicher Leiter bei der inzwischen aufgelösten Equipe Gerolsteiner im Einsatz. Gerolsteiner-Macher Hans-Michael Holczer hatte Wegmann noch im Jahr 2003 am ausgestreckten Arm verhungern lassen, als der Münsteraner nach dem „Koffein-Vorfall“ einen neuen Rennstall suchte. „Er war wohl noch sauer, weil ich ihm davor mal abgesagt hatte und zu Saeco gewechselt war. Aber wer weiß, wofür es gut war.“ Ein paar Jahre später stellt Holczer Wegmann ein.

Der Weltverband hatte Christian Wegmann nach der positiven Dopingprobe nicht gesperrt, sondern mit einer Strafe über 2000 Franken belegt und verwarnt. „Doch ich hätte ganz von vorne anfangen müssen mit 27 Jahren. In der Weltrangliste stand ich auf Platz 350, vielleicht wäre es noch 100 Plätze nach oben gegangen. Außerdem hatte ich nie das Talent wie mein Bruder Fabian.“ Die Wegmann-Brüder machten dann bei Gerolsteiner gemeinsame Sache, der eine als sportlicher Leiter, der andere als Fahrer.

Also, was ist geblieben außer zwölf Siegen zwischen 1997 und 2002, dem dritten Rang bei der Deutschland-Tour von 1999? Die Leidenschaft für den puren Sport ist nicht erloschen, aber Wegmann sieht auch die Schattenseite, das gewaltige Dopingproblem. Wegmann kennt die Gefahren. Man sei anfällig in diesem System, sagt Wegmann: „Wenn man auf dem Treppchen steht und vor einem sind zwei, bei denen man was vermutet, dann denkt man schon, bin ich bescheuert, dass ich nicht mitmache.“ Mitmachen beim Doping? Es kam nicht in Frage, trotz der positiven Kontrolle erklärt Wegmann, dass er ein sauberer Fahrer gewesen ist. Die Enttäuschung über die zuletzt überführten Gerolsteiner-Fahrer nage an ihm: „Da waren Leute dabei, die das Maul aufgerissen haben, die haben eine besondere schauspielerische Leistung gezeigt. Die hat man als Mensch gemocht.“

Was bleibt? „Der Reiz, den dieser Sport besitzt, der ist geblieben“, sagt er, und: „Ich habe fast alle Pokale entsorgt, aber der von der Sportlerwahl der Westfälischen Nachrichten aus dem Jahr 1999 bleibt.“ Immerhin.

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