Lokalsport Münster
Immer noch in ihrem Element

Freitag, 01.01.2010, 15:01 Uhr

Münster - Der Schmerz wirkt nach, sechs Jahre, nachdem es richtig weh getan hat. Ina Hüging braucht einen Moment, um sich auf die Entscheidung aus dem Jahr 2003 noch einmal einzulassen. „Das knabbert immer noch“, sagt sie und schluckt. „Manchmal frage ich mich, was wäre gewesen?“ Die ehemalige Top-Schwimmerin der SGS Münster lässt die Antwort offen. Sie kennt sie nicht.

In der kommenden Woche wird Ina Hüging 30 Jahre alt. Sie hat ihre aktive AthletenZeit hinter sich gelassen, ein zweites Standbein aufgebaut, geht ihrem neuen Beruf mit Freude nach. Die Münsteranerin konnte ihre ehemalige Profession auf anderem Gebiet weiterführen. Nicht so ruhmreich, nicht so aufregend wie als Kaderathletin des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), als die sie quer durch die Welt reisen konnte, aber immerhin. Sie war bei der Weltmeisterschaft im australischen Perth, 2000 bei Olympia in Sydney, sie hat Weltcup-Rennen in Rio und Hongkong bestritten, bekam die „Holzmedaille“ (sagt sie selbst) bei der Europameisterschaft in Helsinki. Und sie erlitt 2001 drei Bandscheibenvorfälle. Wer täglich Kilometer „abreißt“ und im Becken Kacheln zählt, dessen Körper macht vielleicht irgendwann nicht mehr mit. Ina Hügings Rücken hielt den Belastungen nicht mehr stand: Brust und Delfin - die permanente Bogenspannung schlug auf den Rücken durch. Die Bandscheibenschäden waren auch durch langen, zähen Kampf nicht wegzutrainieren.

Heute ist sie „froh, dass ich in meinem Metier bleiben durfte.“ Ina Hüging hat sich als gelernte Bürokauffrau, Fitnesstrainerin und Sport-Fachwirtin nicht auf ihre sportlichen Meriten verlassen, nicht verlassen dürfen. Als DSV-Kader war sie in der Sportschule der Bundeswehr beruflich abgesichert, aber eben nur als Kadermitglied. Der ihr damals angebotene Drei-Jahres-Vertrag war mit dem verletzungsbedingten Ausscheiden hinfällig. Ina Hüging war als 17-Jährige „zum Bund“ gekommen. „Vor der Schule war Training, nach der Schule war noch mal Training. Wo sollte die Zeit für eine Ausbildung herkommen?“ fragt sie. Bürokauffrau hat sie an der Abendschule gelernt, die Fitnesstrainer-Ausbildung und den Sportfachwirt hat sie dann später „gebaut“. 2004 unternahm sie einen allerletzten Versuch, ihrer sportlichen Karriere doch noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen. Bei der Deutschen Meisterschaft schwamm sie ganz knapp am Endlauf vorbei. Das war´s.

In der privaten Schwimmschule „Aquamaris“ hat sie ihre berufliche Existenz verankert. Anfragen, einen Trainer-Job im Verein zu übernehmen, gab es zwar. „Aber das Trainerdasein ist sehr schnelllebig. Und der enorme zeitliche Aufwand nur schwer mit Freund und Familie unter einen Hut zu bringen.“ Da ist ihr Beruf, ihre Berufung, in der Schwimmschule schon mehr: „Ich kann den Kindern etwas Notwendiges beibringen. Es ist so wichtig, dass die Kleinen schwimmen lernen“, weiß Ina Hüging.

Obwohl ihre sportliche Karriere so abrupt abbrach: Sport-Fan ist Ina Hüging geblieben. Ein kritischer Fan: „Mit den neuen Anzügen ist der Sport zu einer Materialschlacht verkommen. Diese Leistungsexplosionen - ich kann´s schon nicht mehr hören, das ist doch inflationär.“ 2010 werden die Hightech-Pellen verboten. „Gut so, die alten Zeiten kommen vielleicht wieder.“

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