Lokalsport Münster
Die Stimme von Bern

Freitag, 29.10.2010, 23:10 Uhr

Münster - Vor genau 85 Jahren, am 1. November 1925, wurde in Deutschland erstmals ein Fußballspiel im Rundfunk übertragen. Ausgerechnet die „Westdeutsche Funkstunde“ in Münster, konnte sich mit der Reportage vom Meisterschaftsspiel des SC Preußen Münster gegen Arminia Bielefeld in die Annalen der Rundfunkgeschichte eintragen. Die westfälische Rundfunkstation war seit dem 10. Oktober 1924 „auf Sendung“. Wegen der Besetzung des Rheinlandes nach dem Ersten Weltkrieg war Münster als provisorischer Standort gewählt worden. Sender und Studioräume lagen auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke am Albersloher Weg.

Es war für die wenigen Mitarbeiter ein schwieriges Unterfangen, ein attraktives Programm auf die Beine zu stellen. Und so war jeder kreative Kopf herzlich willkommen. Bernhard Ernst kam im Frühjahr 1925 zur „Westdeutschen Funkstunde“. Nach dem Schulbesuch in Münster hatte er studiert und war 1922 promoviert worden. Im Sender übernahm er bald die Nachrichtenabteilung. Doch der Sportjournalist hatte weitergehende Ambitionen; er gehörte zu den Verfechtern eines aktuellen und lebendigen Rundfunks.

Gestützt auf seine Erfahrungen, die er mit einer Reportage von einer Ruderregatta gesammelt hatte, plante Ernst nun die Übertragung eines Fußballspiels. Dafür bot sich das für Anfang November angesetzte Ligaspiel zwischen den Traditionsvereinen SC Preußen Münster und Arminia Bielefeld an. Sorgfältig wurde das Rundfunkereignis vorbereitet. Dazu gehörte die Verlegung eines Übertragungskabels vom „Funkhaus“ zum Preußen-Stadion, hinzu kam noch eine Meldeleitung für das technische Personal. Und um die Publikumsreaktionen einzufangen, wurde ein Mikrofon hinter einem der beiden Fußballtore aufgestellt.

Tausende von Zuschauern säumten die Tribünen, als die Begegnung am 1. November 1925 gegen 14.30 Uhr angepfiffen wurde. Als Ernst nun die ersten Sätze in sein Mikrofon sprach, stellte der Kon­trolltechniker fest, dass keines seiner Worte über den Sender ging. Die Kommentarleitung war tot. Geistesgegenwärtig drückte er dem überraschten Reporter den Telefonhörer der Meldeleitung in die Hand.

Tastsächlich schaffte es Ernst, die fast zweistündige Sendung erfolgreich zu Ende zu sprechen. Dagegen gab es für die einheimische Fußballmannschaft keinen Grund zur Freude: die „Preußen“ hatten mit 0:5 Toren verloren. In einem Zeitungsbericht hieß es anschließend, dass sie „wieder einmal weit unter Form“ gespielt hätten.

Für den Rundfunk erwies die Fußballübertragung aus Münster als wegweisend: nicht nur die technische Machbarkeit war unter Beweis gestellt worden, auch bei den Hörern stieß die Sendung auf eine positive Resonanz, und der erst 26 Jahre alte Reporter wurde für seinen engagierten Einsatz gelobt.

Nach dieser gelungenen Premiere gehörten Fußballreportagen bald zum festen Bestandteil der Rundfunkprogramme; das ab 1926 alljährlich übertragene Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft war einer der Höhepunkte. Und die Berichterstatter, darunter auch Bernhard Ernst, erlangten eine große Popularität.

Nach der Verlegung des Rundfunkstandortes von Münster nach Köln Ende 1926 blieb Ernst Leiter der Nachrichten- und Sportabteilung. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er auch für das Fernsehen. Ihm wurde die Ehre zuteil, das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorf-Stadion zu kommentieren. Da die Sendung aus technischen Gründen nicht aufgezeichnet werden konnte, ist diese historische Leistung Ernsts heute weitgehend vergessen. Populär wurde dagegen der Torjubel des Hörfunkreporters Herbert Zimmermann, dessen Reportage nachträglich an die Filmaufnahmen gekoppelt wurde.

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