Lokalsport Münster
Von der Zufallsbekanntschaft zur Tormaschine

Montag, 18.10.2010, 18:10 Uhr

Münster - Als Costa Fetsch , Trainer des Fußball-Bezirksligisten Wacker Mecklenbeck , in seiner Spieltagsanalyse nach dem 3:2-Derbysieg gegen Borussia Münster vor allem die Unberechenbarkeit seiner Mannschaft als Erfolgsgarant anführte, lag er nur zum Teil richtig. Denn der Wacker-Mann der letzten Wochen heißt Bernd Wilpsbäumer und ist derart berechenbar, dass es den gegnerischen Abwehrreihen vor und nach dem Spiel den Schlaf rauben dürfte. Wilpsbäumer trifft und trifft und trifft - da helfen auch die Warnungen der gegnerischen Trainer nichts. Gegen Borussia langte Wilpsbäumer gleich drei Mal zu und erzielte die Saisontreffer elf bis 13.

Der 25-Jährige hat aktuell einen sensationellen Schnitt von 1,3 Treffern pro Partie. „Natürlich sieht das gut aus und ich kann es mir selber nicht richtig erklären“, sagt der Knipser. „Aber eigentlich sind wir als Mannschaft überhaupt nicht zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen.“ Wilpsbäumer sieht sich als ein Puzzle-Teil des Gesamtkunstwerks Wacker, das mit 23 Gegentreffern so viele Tore kassiert hat wie kaum ein anderes Team in der Liga und deswegen auch nur auf Rang neun der Tabelle rangiert. „Wir haben so viele gute Fußballer in der Mannschaft, da ist das einfach zu wenig.“ Wacker spiele derzeit einen offensiven Fußball, der Stürmer besser aussehen lasse als die Kollegen in der Defensive. „Vorne profitiere ich davon, aber hinten haben sie es dafür umso schwerer“, sagt der Lehramtsstudent in den Fächern Mathe und Sport. „Dass ich da plötzlich im Mittelpunkt stehe, obwohl die Mannschaft in der Tabelle unter Wert steht, ist schon komisch“, so Wilpsbäumer, der „lieber ein paar Tore weniger und dafür ein paar Punkte mehr“ hätte.

„Er hat einfach einen Lauf“, beschreibt Fetsch das Tor-Geheimnis seines Torjägers. „Im Strafraum ist er einfach eine Bombe“, so Fetsch. Da wird nicht lange gefackelt, sondern sofort gezündet - und das „eiskalt“. Gegen die Borussia habe Wilpsbäumer dabei sogar eine Hundertprozentige liegen lassen, wunderte sich Fetsch. „Unüblich“, konstatiert der Trainer, der normalerweise an der Anzahl der Treffer auch die Zahl der Chancen ablesen kann. „Seine Quote ist sensationell“, stellt der Trainer erfreut fest. 13 von 20 Wacker-Toren gehen auf das Konto des neuen Torjägers, der zu Saisonbeginn von Borussia Emsdetten 2 an die Egelshove wechselte.

„Da war der Zufall am Werk“, erinnert sich Fetsch, „Bernd hat bei uns angerufen und wir hatten das Glück, das alles gut zusammenpasste.“ Wilpsbäumer fühlte sich bei Wacker vom ersten TrainingsTreffer an wohl. Pünktlich zu Saisonbeginn saß auch die Feinabstimmung - und die Tormaschine stand unter Dampf. „Aber es sind nicht nur die Tore, sondern das gesamte Umfeld, bei Wacker passt einfach alles“, bestätigt der Torschütze vom Dienst, dass auch ohne Prämien der Fußball Spaß machen kann. „Darauf kam es mir nicht an. Ich habe in Emsdetten 17 Jahre lang ohne Geld gespielt. Auch da ging es nur über die Identifikation zum Verein.“ Dass sich die bei Wacker inzwischen auch in der Torjägerliste ablesen lasse, sei ein schöner Nebeneffekt - mehr nicht.

Auch Fetsch legt Wert auf die Feststellung, dass die wertvollen Absch(l)üsse Wilpsbäumers fast immer das Ende einer konzertierten Wacker-Aktion sind, an der häufig beispielsweise auch Mariusz Ambrozuk beteiligt ist, der seinen Platz in der Spitze für Wilpsbäumer räumte und jetzt als Vorbereiter glänzt. „In der öffentlichen Wahrnehmung fällt Mariusz jetzt natürlich nicht mehr so auf wie vorher als Torschütze. Aber er ist noch genauso wichtig.“ Das kann Vollstrecker Wilpsbäumer nur bestätigen: „Ich bekomme super Zuspiele. Da habe ich es leicht.“

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