24-Stunden-Schwimmen
Teenager Anna Hülsmann und 48.000 Meter nur Wasser

Dienstag, 01.02.2011, 18:02 Uhr

Münster / Coesfeld - Man schaut unweigerlich als Erstes auf die Finger. Nein, dort sind keine Schwimmhäute . Der zweite Blick gilt den Füßen. Normale Schuhe. Also auch dort alles so, wie es sein soll. Die Beantwortung dieser grundlegenden Fragen hilft nicht wirklich dabei, dem Rätsel auf die Spur zu kommen, wie ein 14-jähriges Mädchen es schafft, 48 000 Meter zu schwimmen - nein, nicht im Jahr, sondern binnen 24 Stunden.

Anna Hülsmann aus Münster hat dies beim 24-Stunden-Schwimmen der Triathlon-Abteilung der DJK Coesfeld geschafft. „Geplant war das sicher nicht“, sagt Hülsmann, die für die Triathlon-Abteilung von W+F Münster startet. Auch ihr Schwimm-Trainer Patrick Dirksmeier reagiert mit Ungläubigkeit und Verblüffung: „Wenn man ein 14-jähriges Mädchen zu so einem Wettkampf schickt, dann rechnet man nicht damit, dass am Ende so etwas dabei rumkommt.“

Zwei bis drei Mal die Woche trainiert Hülsmann und spult dabei jeweils ein Pensum von gut drei Kilometern ab. In etwa ist das die Leistung, die sie auch in Coesfeld abgerufen hat. Eben nur annähernd 16 Mal hintereinander. „Anna ist ziemlich ausdauernd und nicht so leicht platt zu kriegen“, sagt Dirksmeier. „Was aber viel wichtiger ist, ist ihre Lockerheit - die geht ins Wasser ohne eine Spur Verbissenheit und übertriebenen Ehrgeiz.“

Das Rennen in Coesfeld startete um 15 Uhr nachmittags und endete am Folgetag um die gleiche Zeit. Nach dem Startschuss spulte Hülsmann ihr Pensum herunter, wie ein Uhrwerk. „Wenn man so viel schwimmt, dann muss man irgendwann den Kopf ausschalten“, sagt Hülsmann. „Nicht auf die Uhr gucken, einfach nur die Bahnen ziehen.“ Am Ende jeder Stunde legte die Schwimmerin eine kurze Pause ein, wurde von ihren Eltern mit Nudeln, Müsliriegeln und Eistee versorgt.

Zwischen ein und vier Uhr nachts gönnte sie sich dann eine Pause. „Wir hatten oben im Foyer der Schwimmhalle eine Liege aufgestellt, da habe ich mich zum Schlafen draufgelegt“, berichtet Hülsmann. „Dann wieder ins Wasser zu steigen, hat schon eine kurze Überwindung gekostet.“

16 Teams und acht Einzelstarter waren bei dem Rennen in Coesfeld am Start. 168 Teilnehmer im Alter von neun bis 54 Jahren, von denen die 14-Jährige mit Abstand die meisten Kilometer zurücklegte. Ihre ärgste Konkurrentin verlor nachts den Anschluss und stieg mit 2500 Metern Rückstand aus dem Becken. Hülsmann schwamm ein kluges Rennen, gegen sich, gegen die Uhr und gegen die Konkurrenz und konnte es sich am Ende sogar erlauben, auf den letzten Metern das zu tun, was man in der Leichtathletik gemeinhin „austrudeln“ nennt. Knapp über 1000 Meter in der letzten Stunde reichten zum Gesamtsieg. Insgesamt 48 Kilometer, was 1920 Bahnen entspricht, zählten die Wettkampfrichter.

Mit sechs Jahren begann Hülsmann bei der SGS Münster und wechselte als Zehnjährige zu den Triathleten von Wasser und Freizeit. „Ich mag die Abwechslung am Triathlonsport.“ Trotzdem ist und bleibt Wasser wohl ihr Element. Kurzfristig möchte die Münsteranerin beim Nordenia-Ultra­schwimmen auf der Acht-Kilometer-Strecke angreifen. Und langfristig? „Ich könnte mir vorstellen, mal den Ärmelkanal zu durchschwimmen.“ Auch ohne Schwimmhäute und Flossen sind ihr diese gut 32 Kilometer zwischen Calais und Dover unbedingt zuzutrauen.

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