Lokalsport Münster
Der letzte Schrei

Mittwoch, 13.07.2011, 18:07 Uhr

Münster - Anfang Juni feierte der BSV Fortuna Münster seine Frauen-Fußball-Mannschaft - zum ersten Mal in einer ansonsten wenig erfreulichen Saison und möglicherweise für lange Zeit auch zum letzten Mal. Die Spielerinnen um Trainer Ralf Laukötter hatten soeben mit 3:0 das Kreispokalfinale gewonnen und verabschiedeten sich versöhnlich aus einer Spielzeit, die mit dem Abstieg aus der Verbandsliga zuvor nicht gerade wunschgemäß verlaufen war. Gleichzeitig wurde auch der Trainer verabschiedet.

Nur die wenigsten ahnten zu diesem Zeitpunkt, dass dieser Abschied weitaus größere Dimensionen annehmen sollte: Der BSV Fortuna Münster, seit 24 Jahren zunächst als Abteilung des BSV Roxel , später BSV Münster und jetzt als Fortuna das Aushängeschild des münsterischen Frauenfußballs in der Verbands- und Westfalenliga, ist dabei, seine Erstvertretung aufzulösen - und wird seinen neuen Platz in der Landesliga nicht wahrnehmen. „Das steht zu 95 Prozent fest“, lässt Clubchef Norbert Krevert wenig Raum für Spekulationen.

Trainer Ralf Laukötter war nicht der einzige Abgang, den das Team zu verkraften hatte, große Teile der Mannschaft sollten folgen. Julia Faupel, Carolin Schröder, Laura Glenzki und Uta Möller studieren im Ausland;

Lena Hausen und Natascha Borghoff laborieren an Knieverletzungen und sind bis in die Wintermonate auf Eis gelegt, Vlora Donaldson engagiert sich höchstpersönlich in der Nachwuchsarbeit und sieht Mutterfreuden entgegen - die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen. Solange, bis nur noch drei, vier Spielerinnen aus dem Kader der Erstvertretung übrig blieben, die sich jetzt ebenfalls um eine neue sportliche Heimat bemühen. „Alle hatten gute Gründe zu gehen, keine ging im Groll“, beschreibt Krevert das schleichende Ende der ersten Mannschaft. Mitte Juni stoppte der Vorstand seine Bemühungen, neue Spielerinnen zu akquirieren. „Das war ohnehin sehr schwierig, weil wir selber nicht wussten, wohin der Weg geht.“ Nun ist klar, dass er in eine Sackgasse führte.

Für den BSV endet damit ein Stück Fußballgeschichte, aber es rollt auch eine kleine Last von den Schultern der Macher, denn die finanzielle Belastung durch den Spielbetrieb in der Verbandsliga war alles andere als ein Selbstläufer und während all der Jahre mitunter mühsam erstritten. „Da fällt mir ein dicker Brocken von den Schultern. Für uns war das Jahr für Jahr ein großer Kraftakt“, weiß Krevert durchaus auch die positiven Aspekte der schwierigen Entscheidung zu würdigen. In der Spielzeit 2012/2013 soll ein Neuanfang in der Bezirksliga angestrebt werden. Vor allem mit den Akteurinnen aus dem jetzigen Reservekader, von denen „schon jetzt sieben, acht Spielerinnen Bezirksliga spielen könnten“, so Krevert.

Der große Boom im Frauen- und vor allem Mädchenfußball, nicht zuletzt noch einmal beschleunigt durch die WM im eigenen Lande, ist am BSV weitestgehend, wenn auch knapp vorbeigegangen. Krevert hat dafür eine naheliegende Erklärung: „Wir stecken hier in Hiltrup Süd zwischen dem TuS Hiltrup und GW Amelsbüren. Das sind zwei Vereine mit ganz hervorragender Jugendarbeit, da haben wir als kleiner Verein keine Chance.“ Im Nachwuchsbereich will die Fortuna künftig vermehrt auf die Kooperation mit dem ESV Münster setzen, der in Münsters Süden seinen eigenen Einzugsbereich hat.

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