„Kalter Krieg auf der Aschenbahn“
Forschungsprojekt zur Doping-Geschichte

Münster -

Nein, es wurden eben nicht die Namen ominöser Hintermänner genannt, auch keine von kleinen oder großen Sportbetrügern, es wurden keine Skandale, politische gar, dargestellt an diesem Dienstagabend in der Villa ten Hompel in Münster. Obwohl der Titel der Veranstaltung „Sport im Kalten Krieg – Doping in Deutschland von 1950 bis zur Wiedervereinigung“ eben das versprechen mochte: Einblicke zu geben in die vermeintlich staatlich verordnete Leistungsoptimierung bei Athleten zur Unterstützung der nationalen Befindlichkeiten. Sport beinhaltet ja auch immer eine politische Komponente.

Dienstag, 09.04.2013, 20:04 Uhr

Nun, Dr. Michael Krüger , Professor für Sportwissenschaften an der WWU Münster und Direktor des Instituts für Sportwissenschaften (IfS), sowie Marcel Reinold , Doktorand am IfS, stellten ihre Forschungsergebnisse durchaus pointiert, aber keineswegs als so spektakulär dar, dass sich die Zuhörer in die sport-kriminogenen Zonen der beiden politischen Systeme hinabgezogen fühlten. Im „ Kalten Krieg auf der Aschenbahn “ ging es mitunter subtiler zu.

Kernaussagen des Vortrags: Dem „Staatsdoping“ in der DDR stand in der BRD ein eher „privat organisiertes“ Doping gegenüber. „Wie war das im Westen?“, fragte Krüger in die Runde. „War da nichts? Doch da war etwas“, gab Krüger die Antwort auf die selbst gestellte Frage.

Aspekte wie ein gegenteiliges Sportverständnis in Ost und West – hier Doping begünstigende „Umstände“, dort der Sport als ein das politisches System unterstützendes Element inklusive eines „staatlich gelenkten Dopingsystems“ – standen im Raum und wurden facettenreich analysiert. Fragen von Moral und Ethik – in Ost und West unterschiedlich interpretiert – wurden zugrunde gelegt, ebenso gesellschaftliche Veränderungen, in denen Doping problematisiert wurde. „Totalisierung des Sports“ und dessen „Medialisierung“ wurden in einen Kontext gestellt, dem der „Kalte Krieg“ Rahmenbedingungen verpasste.

Krüger und Reinold stellten einen Zeitstrahl vor, auf dem Doping, Leistungssport und politisch-gesellschaftliche Entwicklungen korrelierten. Jahrzehnte nach dem Kalten Krieg gilt Doping immer noch als schwierigstes Problem. Der Blick zurück ändert daran nichts. Am Dienstag ab es spannende Eindrücke, die dieses Phänomen einzuordnen helfen.

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