Schachturnier gegen Legende
Günter Schäfer spielt beim Simultan-Turnier gegen Schach-Weltmeister Anatoli Karpow – und gewinnt

Münster/Schwetzingen -

„Eine Zeit lang am Brett überleben“ wollte er eigentlich nur, erzählt Schachspieler Günter Schäfer hinterher mit einem Schmunzeln. Hierfür hatte er sich verschiedene Strategien im Vorfeld überlegt. Denn niemand anderes als die Schach-Legende und der mehrmalige Weltmeister Anatoli Karpow war kürzlich sein Gegner bei einem Simultanschach-Turnier im baden-württembergischen Schwetzingen. Die Rechnung des Münsteraners ging nicht auf – im Gegenteil.

Samstag, 13.04.2013, 05:04 Uhr

Sein sportliches Vorbild Anatoli Karpow (r.) sensationell bezwungen hat Günter Schäfer (M.) beim Simultanschach. Dieses Kunststück gelang unter anderem dem Fußball-Bundesligatrainer Hans Meyer (Hintergrund, l.) nicht.
Sein sportliches Vorbild Anatoli Karpow (r.) sensationell bezwungen hat Günter Schäfer (M.) beim Simultanschach. Dieses Kunststück gelang unter anderem dem Fußball-Bundesligatrainer Hans Meyer (Hintergrund, l.) nicht. Foto: Marlies Schäfer

Nach viereinhalb Stunden Spielzeit und 32 Zügen warf unerwartet der prominente und vermeintlich übermächtige Brettstratege aus Russland das Handtuch. David hatte Goliath besiegt! Der gebürtige Borghorster war aber trotzdem beeindruckt vom fairen Sportsmann Karpow : „Für mich war seine frühzeitige Aufgabe bemerkenswert, da er auch hätte weiterspielen und auf einen Fehler von mir spekulieren können“, so Schäfer .

Nach einem vorentscheidenden Bauerngewinn des Herausforderers nahm die Partie nämlich die überraschende Wende: Im Verlauf der Partie verschlechterte sich die Position des russischen Großmeisters stetig. Zuvor noch wäre Günter Schäfer nach eigenem Bekunden schon mit einem Remis zufrieden gewesen, hatte sich aber nicht getraut, seinem Gegenüber dieses anzubieten. „Natürlich war ich recht erfreut, als ich sah, welche Möglichkeiten sich im Spiel auf einmal für mich eröffneten.“

Da die anderen 24 Teilnehmer - unter ihnen auch der ehemalige Fußball-Bundesliga-trainer Hans Meyer - zu sehr in ihre eigenen Partien vertieft waren, blieb der Überraschungserfolg von Günter Schäfer zunächst fast unbemerkt. Der 72-Jährige verließ direkt im Anschluss vorübergehend die Stätte seines Triumphs, weil er schlicht „großen Hunger und Durst“ verspürte. Er war jedenfalls recht zufrieden mit sich: „Wie ich gespielt habe, war schon ganz ordentlich. Damit kann man leben…“, lautete sein Fazit.

Günter Schäfer erlebte Anatoli Karpow als bescheiden auftretenden und freundlichen Menschen, „der zu jedem seiner Gegner Augenkontakt aufnahm“. Fasziniert hat den Münsteraner auch die Disziplin, mit der der 61-Jährige hochkonzentriert Entscheidungen innerhalb von einer Minute bei jedem Spiel fällte, um sich dann dem nächsten Brett zuzuwenden. In einem Kreis an Tischen sitzend saßen die 25 Teilnehmer aufgereiht, damit Karpow, der mit Weiß spielte und jeweils den ersten Zug machen durfte, nur kurze Wege zurücklegen musste. Eine Minute pro Zug hatte Karpow Zeit, seine Gegner mussten bis zu seiner Rückkehr an ihren Brettern gezogen haben.

Nach insgesamt sieben Stunden endete der Auftritt des berühmten Schachgroßmeisters Anatoli Karpow, der in dieser Saison in der deutschen Bundesliga für den SV 1930 Hockenheim antritt, im Schwetzinger „Palais Hirsch“. Seine Bilanz: 20 Siege, vier Remis und eine Niederlage. Nur dem Münsteraner, der für die 1. Mannschaft von Schach Nienberge 2003 in der Verbandsliga antritt, gelang das Kunststück, Anatoli Karpow zu bezwingen.
Wer kann schon von sich behaupten, gegen das eigene sportliche Vorbild gewonnen zu haben? Günter Schäfer nun schon. Für ihn war es „eine ehrenvolle Angelegenheit“ gegen den russischen Ausnahmespieler, der sich in seiner erfolgreichsten Zeit zwischen 1975 bis Mitte der 90er Jahre viele geschichtsträchtige Duelle mit anderen Größen wie beispielsweise Bobby Fischer, Boris Spasski und Garri Kasparow lieferte, einmal spielen zu dürfen.

Günter Schäfer, der als Bundesbahnbeamter gearbeitet hat, spielt seit etwa 60 Jahren Schach. Ansporn für ihn, das Spiel zu erlernen, waren berühmte Partien, die damals wöchentlich in der Zeitung abgedruckt wurden. Die Kombination des sportlichen Kräftemessens mit einem Gegenspieler gepaart mit dem „kunstvollen Tun“ des Spiels macht für Schäfer die besondere Faszination beim Schach aus.

Von seinem Sohn Markus hatte der Münsteraner die Teilnahme beim Simultanschach in Schwetzingen zu Weihnachten geschenkt bekommen. Sein Filius ist in der deutschen Schachszene wahrlich auch kein Unbekannter: Er ist amtierender Präsident der Bundesliga und ehemaliger Spieler sowie Ehrenmitglied des SK Münster 32.

Als Preis für seinen Sensationserfolg bekam Günter Schäfer eine DVD mit allen Partien der deutschen Schach-Bundesliga von 1980 bis 2010 überreicht. Also, viel Anschauungsmaterial zu theoretischen Weiterbildung - aber hat Günter Schäfer das eigentlich noch nötig…?

Schwetzingen 2013 048

(Foto: Marlies Schäfer)

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1600433?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F62183%2F1797473%2F1797483%2F
Münster vor dem Klimanotstand
Künftig  sollen in Münster regelmäßig Berichte über die Auswirkungen der CO²-Emissionen verfasst werden.
Nachrichten-Ticker