40 000 Fans und drei Polizisten
50 Jahre Bundesliga: Am 24.8.1963 gastierte der HSV in Münster

Münster -

Preußen Münster war 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga. Zwei Zeitzeugen berichten.

Freitag, 23.08.2013, 18:38 Uhr aktualisiert: 24.08.2013, 11:51 Uhr

Es war etwa eine Stunde gespielt, als Falk Dörr ernsthaft ins Grübeln kam. „Da kam der Ball reingesegelt, ich glaube von Manfred Pohlschmidt, und ich dachte ,was machst du jetzt damit´, denn der war nicht einfach.“ Dörr entschied sich für die spektakuläre Variante und hämmerte das Leder volley und unhaltbar für Torhüter Horst Schnoor ins Hamburger Tor. 1:0 für die Preußen, es war der erste Treffer der Preußen im ersten Jahr der ersten Liga. „Ich glaube, es war die 59. Minute“, sagt der Torschütze, der Kicker schreibt von der 72.. Aber was sind schon 13 Minuten auf eine Distanz von 50 Jahren? Denn genau an diesem Samstag vor 50 Jahren, am 24. August 1963, wurde der erste Spieltag der Fußball-Bundesliga angepfiffen – unter anderem in Münster , wo der schon damals ruhmreiche Hamburger SV zu Gast war. Punkt 17 Uhr tauschte Preußen-Kapitän Helmut Tybussek den Wimpel mit HSV-Spielführer Dieter Seeler, dem inzwischen verstorbenen Bruder von „Uns Uwe“.

„Ich erinnere mich noch gut. Fast 40 000 waren im Stadion und es hat geregnet“, sagt der linke Halbstürmer Falk Dörr. Auf der Laufbahn des Preußenstadions herrschte absoluter Stillstand. „Man konnte die Laufbahn nicht sehen, die Zuschauer standen überall. Der Linienrichter hatte vielleicht einen Meter Platz. So was gäbe es heute gar nicht mehr.“ Die Partie endete damals 1:1 Unentschieden, weil Gert Dörfel kurz vor Schluss den Ausgleich für den HSV erzielte. Im Anschluss gab es viel Lob für die Preußen, „auch von Uwe Seeler“, erinnert sich Dörr. „Da waren wir noch sehr zuversichtlich, das wir eine gute Saison spielen.“ Bei seinem Treffer „war aber auch viel Glück dabei“. Es war das Glück des Tüchtigen, das die Preußen im Saisonverlauf schnell verlassen sollte. Nach dem 30. Spieltag stand Preußen Münster als Absteiger fest – und kam nie wieder.

Dörr und Tybussek blieben ihrem SCP aber innig verbunden. Viele Jahre lang trafen sich die Bundesliga-Preußen mindestens einmal im Jahr. Torhüter Herbert Eiteljörge hielt die Truppe wie damals auf dem Platz in all den Jahren zusammen. Inzwischen werden die Treffen seltener. Falk Dörr und seine Gattin fahren jedoch jedes Jahr gemeinsam mit Dagmar Drewes und dessen Ehefrau in den Wanderurlaub – und natürlich regelmäßig ins Preußenstadion. „Seit ich nicht mehr selber Trainer bin, bin ich bei den Heimspielen wieder dabei“, sagt Dörr, der auch noch als Ü-50er selbst am Ball war.

An diesem Samstag sitzt Dörr wie so oft bei Preußen-Heimspielen auf der Tribüne und drückt seinen Preußen die Daumen. Helmut Tybussek nutzt Fernsehen, Radio und Tageszeitung als Informationsquellen. An der Hammer Straße war der Kapitän der 63er-Elf zuletzt im Aufstiegsjahr 2011. „Man wird ja nicht jünger“, sagt der inzwischen 77-Jährige. „Ach, das war schon eine tolle Zeit. Und wir hätten auch nicht absteigen müssen. Nach der Hinserie lagen wir ja noch auf einem Mittelfeldplatz“, erinnert sich der Linksverteidiger, der seit vielen Jahren in Everswinkel wohnt.

Auch bei Tybussek hinterließ das „erste Mal“ einen bleibenden Eindruck. Wenn er Vergleiche zur Gegenwart zieht, war früher manches besser. „Gegen Hamburg war die Bude rappelvoll und doch brauchten wir nur drei Polizisten. Heute sind 300 am Platz, manchmal ja sogar noch mehr.“ Die Liebe zum SCP hat sich Tybussek über 50 Jahre bewahrt. „Ich bin mit ganzem Herzen Preuße und wünsche der jetzigen Mannschaft nur das Beste.“

Preußen Münster:Eiteljörge – Voß, Tybussek – Drewes, Bockisch, Lungwitz – Pohlschmidt, Dörr – Kiß, Rummel, Lulka – Trainer: Schneider

Hamburger SV:Schnoor – Krug, Kurbjuhn – Giesemann, Stapelfeldt, D. Seeler – Wulf, Kreuz – Boyens, U. Seeler, G. Dörfel – Trainer: Wilke

Zwei Fragen an: Torschütze Falk Dörr

50 Jahre sind schnell vergangen, aber am Fußball nicht spurlos vorbei, oder?

Dörr: Das stimmt. Das Spiel ist viel schneller und athletischer geworden. Damals hatte man noch Zeit den Ball anzunehmen, ohne dass man sofort attackiert wurde.

Früher war also gar nicht alles besser?

Dörr:  Nein, aber das Spiel ist auch unfairer geworden. Damals wurde auch schon mal gefoult, aber dann war es üblich, dem Gegner kurz auf die Schulter zu klopfen und sich zu entschuldigen. Und das ganze Drumherum ist auch nicht so meine Sache. Dieses „Steht auf, wenn ihr Preußen seid“, das brauche ich eigentlich gar nicht. Ich komme, um mir das Spiel anzusehen.

Zwei Fragen an: Kapitän Helmut Tybussek

Wie nahe sind Sie heute noch am Fußball?

Tybussek: So nahe, wie es mir möglich ist. Wir alten Preußen-Kämpen haben uns immer regelmäßig getroffen. Und dann bin ich ja auch noch Mitglied im Bund Deutscher Fußball-Lehrer. Da habe ich im letzten Jahr noch mit Otto Rehhagel und Karl-Heinz Feldkamp an einem Tisch gesessen.

Worüber wurde geredet?

Tybussek: Na ja, wir haben festgestellt, dass wir in unserer Generation Spieler zum Anfassen waren. Die Profis von heute sind ja mehr Gladiatoren. Bei uns kam es vor, dass wir mit den Fans auch mal ein Bierchen getrunken haben. Wir Preußen waren in der Stadt sehr bekannt, das haben wir auch genossen.

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