Leichtathletik: Blick zurück auf eine turbulente Saison
Das Jahr der Lena Malkus

Münster -

Weitspringerin vom SC Preußen ist erfolgreich wie nie zuvor – jetzt richtet sie den Blick auf die EM 2014

Freitag, 25.10.2013, 16:10 Uhr

Hat viel vor und ein erfolgreiches Jahr hinter sich: Lena Malkus vom SC Preußen Münster
Hat viel vor und ein erfolgreiches Jahr hinter sich: Lena Malkus vom SC Preußen Münster Foto: Wilfried Hiegemann

Es ist dieser „Tunnelblick“, das Ausknipsen aller störender Außenreize – ganz so, als habe man mit der Welt nichts mehr zu tun. Lena Malkus braucht dieses Nichts um sich herum, um alles zu erreichen. „Andere brauchen Gerummel, ich schalte ab“, sagt sie.

Abschalten, um voll da zu sein: Dieses Rezept ging in diesem Jahr richtig auf. Gold bei den U-23-Europameisterschaften im finnischen Tampere , WM-Teilnahme in Moskau , Fünfte der deutschen Hallen-Meisterschaften (die DM ließ sie zugunsten der EM sausen): Es war das Jahr der Weitspringerin vom SC Preußen .

„Tampere war das Größte“, sagt die 20-Jährige. Gold, Bestweite und WM-Qualifikation machte sie im allerletzten Sprung dieser kontinentalen U23-Titelkämpfe klar. Die Siegesweite von 6,76 Metern war die Fahrkarte nach Moskau, wo sie zwar mit für sie vergleichsweise unspektakulären 6,49 m das Finale verpasst, die Weltmeisterschaftsteilnahme aber trotzdem als riesigen persönlichen Erfolg verbuchen kann.

Erfolg, das weiß die Psychologie-Studentin im dritten Semester, ist nicht im Dauer-Abonnement zu buchen. An der Uni – die WWU ist Partnerhochschule des Spitzensports – kann sie als Top-Athletin auf Flexibilität in der Termingestaltung hoffen. Ein kleines Privileg.

Die Sommersaison ist vorüber, in der Halle geht es nun fast nur noch um Grundlagentraining als Vorbereitung auf die nächste, von den Europameisterschaften in Zürich dominierten, Saison. In der Halle geht sie fremd: Die Sprints über 200 Meter haben es ihr angetan. 24,31 sek ist ihre Hallen-Bestzeit. „Ganz gut, aber ausbaufähig“, urteilt sie selbst.

Im Sommer hatte sie mit Trainerin Elke Bartschat an der Anlaufgeschwindigkeit gearbeitet. Eine komplizierte Angelegenheit in einer technische Sportart. „Das ist etwas Anderes als nur geradeaus zu laufen“, sagt Lena Malkus.

In diesem Jahr ist sie mit recht großer Konstanz um die 6,50 m weit gesprungen, im Jahr davor waren es rund 20 Zentimeter weniger. Seit April 2008 ist sie in der Trainingsgruppe von Elke und Frank Bartschat. Dass ihre Trainer auf eigene Initiative zur EM nach Moskau gereist waren, rechnet die Athletin ihnen hoch an. „Unglaublich hilfreich war das,“ erinnert sie sich.

Sie ist im Top-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit Blick auf Olympia in Rio 2016 und im B-Kader. Für Lena Malkus ist das „eine Art von Vertrauen. Man merkt, man wird wahrgenommen.“

Das gilt auch auf einer anderen Ebene: „Etwa zwölf oder 15mal“ wurde sie auf Doping getestet. „In diesem Jahr sogar im Vereins-Trainingslager. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.“ Dass sie quasi rund um die Uhr erreichbar sein muss, wie es die Nationale Anti-Doping-Agentur vorschreibt, muss sie akzeptieren. Das geht zu Lasten der Lebensqualität; Spontaneität geht verloren. Leistung bedingt Verzicht, das weiß sie aber auch. Dass andere Nationen nicht oder viel zu selten testen: „Darüber mag ich nicht nachdenken, ansonsten müsste ich mich fragen, was mache ich hier überhaupt?“

Zürich 2014 ist das Ziel – nicht einfach zu erreichen. Da sind an die zehn deutsche Athletinnen, die für ein EM-Ticket infrage kommen“, sagt die Münsteranerin, die zusammen mit Sosthene Moguenara (TV Wattenscheid) und Malaika Mihambo (Kurpfalz) in den Top 30 der Weltbestenliste auftaucht.

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