Wolbeckerin Anja Berger hat den Sprung geschafft
Vom Bolzplatz in die Bundesliga

Münster -

Auf Wolbecker Bolzplätzen begann, was im Tor des Fußball-Bundesligisten SGS Essen noch lange kein Ende gefunden hat: Anja Berger ist Torfrau in Deutschlands Eliteliga und träumt von einer internationalen Karriere. Zunächst geht es jedoch für 90 Minuten zurück in die Heimat. Berger ist mit ihrem Team im Testspieleinsatz in Hiltrup.

Donnerstag, 13.02.2014, 16:02 Uhr

Anja Berger, aus Wolbeck stammende Torhüterin des Frauen-Bundesligisten SGS Essen, bestreitet mit der SGS am Samstag in Hiltrup ein Testspiel gegen Zweitligist Werder Bremen.
Anja Berger, aus Wolbeck stammende Torhüterin des Frauen-Bundesligisten SGS Essen, bestreitet mit der SGS am Samstag in Hiltrup ein Testspiel gegen Zweitligist Werder Bremen. Foto: imago

Als Anja Berger vor 15 Jahren in Begleitung ihrer Eltern zum Bolzplatz nach Wolbeck spazierte, hielt es sie kaum an der Hand von Mama oder Papa. „Bevor sie den Jungs den Ball wegschnappt, lassen wir sie lieber Fußball spielen“, erinnert sich die heute 21-Jährige an die Worte ihrer Mutter. Die meldete ihre Tochter postwendend beim VfL Wolbeck an. Es war eine weichenstellende Entscheidung, wie sich einige Jahre später herausstellen sollte. Heute ist Berger Torhüterin beim Frauen-Bundesligisten SGS Essen.

Wenn sie am Samstag mit ihrer Mannschaft nach Hiltrup kommt, um ab 16 Uhr im Stadion Ost ein Testspiel gegen Zweitligist Werder Bremen zu bestreiten, dann schließt sich für die junge Torfrau der Kreis. „Es ist allein schon deshalb eine Ehre, weil hier meine Heimat ist.“ Keine Frage – die Rückkehr zurück zu ihren Wurzeln ist auch eine höchst emotionale Angelegenheit.

Natürlich lassen sich Gefühle nicht unterdrücken, wenn man weiß, dass viele Freunde am Samstag am Spielfeldrand stehen werden. Doch zumindest für 90 Minuten muss die gebürtige Wolbeckerin diese ausblenden. Sie muss cool bleiben. Denn das Spiel gegen Werder bietet ihr eine große Chance. „Die Torhüterin, die am Samstag in Hiltrup zwischen den Pfosten steht, wird auch eine Woche später im Bundesliga-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen unser Tor hüten“, sagt der 21-Jährige. Vieles spricht dafür, dass sie es sein wird, die in Hiltrup auflaufen wird.

Als sie im Sommer vergangenen Jahres nach Essen wechselte, tat sie das aus zweierlei Gründen. Da ihr voriger Verein FSV Gütersloh 2000 gerade aus der Bundesliga abgestiegen war, kam das Angebot aus Essen gerade recht. Auch deshalb, weil sie am Universitäts-Klinikum Essen eine Ausbildung zur Physiotherapeutin absolviert. „Ich wollte gerne in der ersten Liga bleiben. Es hätte mir das Herz gebrochen, wenn das nicht geklappt hätte.“ Somit schlug Berger mit dem Wechsel nach Essen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Allerdings war ihr bewusst, dass sie sich als Neuankömmling im vergangenen Sommer hinten anstellen musste, weil Lisa Weiß, zugleich die Nummer drei der Nationalmannschaft, gesetzt war. Doch als sich die Stammtorhüterin Ende des Jahres eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte, schlug Bergers Stunde. Im Nachholspiel bei Turbine Potsdam stand die reaktionsschnelle Torfrau erstmals im Essener Aufgebot. Obwohl das vom ehemaligen Aachener Profi Markus Högner trainierte Team sich beim Champions-League-Sieger von 2010 mit 0:4 geschlagen geben musste, gehörte Berger dennoch zu den Aktivposten. „Es reicht mit aber nicht, nur in einem Spiel zu glänzen. Vielmehr möchte ich die Leistung bestätigen“, sagt die ehrgeizige 21-Jährige, deren Vertrag noch bis zum 30. Juni läuft.

In der Winterpause hatte sie reichlich dazu Gelegenheit, etwa beim Hallenmasters 2014 in Magdeburg. Nun will sie einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter nehmen. „Im Moment fokussiere ich mich nur auf den Tag. Aber irgendwann einmal möchte ich auch international spielen“, verkündet sie. Möglicherweise wird im kommenden Jahr vieles leichter. Wenn alles glatt läuft, wird sie ihre Ausbildung im September beenden. Um sich anschließend vielleicht ganz auf den Fußball zu konzentrieren. Denn das letzte Kapitel ihrer Laufbahn hat das Mädchen vom Wolbecker Bolzplatz längst noch nicht geschrieben.

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