Rhythmische Sportgymnastik: Gaumeisterschaften bei der TG
Disziplin, Haltung, Spannung als A und O

Münster -

Die Rhythmische Sportgymnastik steht selten im Fokus der Öffentlichkeit. Bei der TG Münster hat die Sportart allerdings ihre Nische. Nun fanden dort die Gaumeisterschaften statt. Auch dort zeigte sich: Spannung und Haltung sind die wichtigsten Aspekte.

Mittwoch, 04.02.2015, 00:02 Uhr

Die Haltung stimmt, der Erfolg stellt sich ein: Emma Stegat (TG Münster) sicherte sich die Gaumeisterschaft und freut sich nun auf die Westfälischen Titelkämpfe.
Die Haltung stimmt, der Erfolg stellt sich ein: Emma Stegat (TG Münster) sicherte sich die Gaumeisterschaft und freut sich nun auf die Westfälischen Titelkämpfe. Foto: Peter Leßmann

Die Rhythmische Sportgymnastik ist eine Disziplin, die in der Nische zu Hause ist. Laut Deutschem Turner-Bund (DTB) nehmen in Deutschland rund 10 000 Aktive an Wettkämpfen teil. Im Fernsehen findet die Mischung aus Turnen und Tanz abseits der Olympischen Sommerspiele nur Erwähnung, wenn Sport-Kommentatoren sie zur Abgrenzung in wenig wohlmeinender Absicht in die Nähe der Fantasiesportart „Hallen-Halma“ rücken. In Münster fanden jetzt die Gaumeisterschaften in Rhythmischer Sportgymnastik statt.

Zu beobachten waren in der Turnhalle an der Lotharingerstraße bei dem Qualifikationsturnier des Turngaus Münsterland ausnahmslos junge Mädchen, davon 19 in den Farben des Gastgebers TG Münster im Alter von acht bis 17 Jahren. Mit den sogenannten „Handgeräten“ Seil, Ball, Reifen, Keule und Band vollführten die Sportlerinnen ihre turnerisch anspruchsvollen Tänze, sie sprangen, hüpften und wedelten umher – immer unter Spannung, und immer mit Haltung.

Begleitet wurden sie dabei von wechselnden Musikstücken, die oft unverkennbar osteuropäischen Ursprungs waren. Russland ist die Heimat der Rhythmischen Sportgymnastik. „Dort ist es Nationalsport, vieles ist davon geprägt“, sagt Janina Schlarmann , Trainerin der Turngemeinde. „Die Mädchen schauen sich einiges von den russischen Top-Gymnastinnen ab.“ Auch einige der rund 60 Zuschauer in der Halle stammen aus dem Mutterland der Sportgymnastik und frönen ihrer Leidenschaft in Deutschland weiter. Die Kampfrichter, die die Auftritte in den Kategorien Ausdruck und Schwierigkeit bewerten, stellt der Westfälische Turner-Bund. Vor ihrem jeweiligen Auftritt geben sie ihre Tänze und Figuren zu Protokoll – an dieser Ankündigung werden sie dann gemessen. Die Musik spielt dabei eine wichtige Rolle für die Aufführungen der Turnerinnen. „Sie muss zum Mädchen passen und zum Gerät“, erklärt Schlarmann, „der Rhythmus ist das A und O.“ Während der Vorführungen und auch danach besonders wichtig sind Disziplin und Haltung: So stolzieren die Mädchen der Reihe nach mit durchgedrücktem Rücken und festem Blick zur Siegerehrung.

Emma Stegat ist eine der vier Titelträgerinnen der TG, sie hat sich am Samstag als Erste in der Jugendklasse für die Westfälischen Meisterschaften qualifiziert. Ist sie auch dort erfolgreich, darf sie an den Norddeutschen Meisterschaften teilnehmen – ihr großes Ziel in diesem Jahr. Dafür trainiert sie rund elf Stunden in der Woche. Die 13-Jährige hat zunächst geturnt, ehe sie im Alter von sechs Jahren zur Rhythmischen Sportgymnastik kam. „Mich reizt vor allem die Kombination aus Musik und Tanz“, sagt Stegat. „Es hält ziemlich fit.“

Die vielen Sprünge und der strenge Ballettstil sind anspruchsvoll – auch für den Körper. Entzündungen oder Bänderverletzungen sind ein Risiko. „Wer sich richtig bewegt und eine gute Körperspannung hat, verletzt sich selten“, sagt Schlarmann. Problematisch sei eher der Verschleiß von Rücken und Hüfte. Die Tänzerinnen erreichen ihren Leistungshöhepunkt folglich schon in jungen Jahren, mit Anfang 20 nehmen nur wenige noch an Wettkämpfen teil. Stegat sagt, dass sie sich schnell an die Trainingsanforderungen gewöhnt hat. Teamsportarten wie Handball oder Fußball kamen für sie nie in Frage. „Das ist so unelegant“, sagt Stegat.

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