Golflehrer will den Sport attraktiver machen
Henningsen entwickelt Schläger für Anfänger

Münster -

Ivo Henningsen macht sich Gedanken, wie man seinen Sport attraktiver machen kann. Der Golflehrer hat einen Schläger entwickelt, der Anfängern den Einstieg erleichtert. Talent, sagt er, sei gar nicht entscheidend.

Mittwoch, 16.09.2015, 23:09 Uhr

Auf die Neigung kommt es an: Beim Golflehrer Ivo Henningsen und bei der Schlagfläche des Schlägers.
Auf die Neigung kommt es an: Beim Golflehrer Ivo Henningsen und bei der Schlagfläche des Schlägers. Foto: Jürgen Peperhowe

Er hat weder das Rad neu erfunden, noch glaubt er an eine Weltsensation. Ivo Henningsen hat sich einfach nur Gedanken gemacht, wie man der Schwindsucht unter Golfern beikommen kann. „Es geht bergab mit unserer Sportart, da braucht sich niemand etwas vorzumachen.“ Die Mitgliederzahlen warten schon länger auf steigende Tendenz, mit dem Nachwuchs sieht es gar nicht gut aus. Für den Golflehrer aus Münster das Alarmzeichen, dieser Entwicklung möglichst rasch Einhalt zu gebieten. Schließlich geht es auch um seinen Arbeitsplatz.

Dynamik vermitteln

Und wie geht das am besten? „Indem man den Einsteigern vom ersten Tag an die Dynamik vermittelt.“ Konkreter? „Mit einem neuen Schläger , der speziell für Anfänger konzipiert ist.“

Es ist eine Kombination aus dem, was es schon gibt. Der Schaft kommt vom Eisen sechs, die Hülse vom Driver, nur der Loft (die Schlagflächenneigung) beträgt 21 Grad – und nicht zehn Grad. All das ergibt einen Driver, der kürzer, leichter und handlicher ist. Zudem garantiert er das frühe Erfolgserlebnis, ohne das ein Golfer kaum auskommt. Weil er die Kugel leichter weiter fliegen lässt.

Ehepaar müht sich

Nebenan auf der Driving-Range müht sich ein Ehepaar mit dem Abschlag. „Wir sind blutige Anfänger.“ Das ist nicht zu übersehen. Zumeist rollt der Ball, ab und an fliegt er leicht durch die Luft und landet irgendwo in der Botanik. „Testen Sie doch mal diesen Schläger.“ – „So einen brauche ich noch. Was kostet der?“ – „Schlagen Sie erst mal ein paar Bälle.“ Anfangs kein großer Unterschied zu vorher. Aber plötzlich hat der Mann den Bogen raus und darf der fliegenden Kugel länger nachschauen. „Jetzt bist du dran, Barbara.“ Seine Frau übernimmt und macht ihre Sache auch ganz gut. Und wie ist der Eindruck? „Wirklich nicht schlecht dieser Schläger.“ Kostenpunkt: 169 Euro, wird in China gefertigt.

Golf wird seit 600 Jahren (oder länger) gespielt, erfunden von den Holländern (oder Schotten). Und seit dieser Zeit gibt es nur einen Wunsch unter den Golfern: „Das Ding muss fliegen.“

Talent? Nicht entscheidend

Am besten: möglichst hoch, ganz lange und sehr weit. Wenn das klappt, dann ist der Spieler zufrieden. Um das zu schaffen, übt er intensiv. Weil das ohnehin das Geheimnis ist, wenn man Henningsen glauben kann. „Talent ist nicht entscheidend, das gibt es sowieso kaum.“ Fleißige Arbeit mit einem guten Trainer – das bringt es im Golf.

Henningsen muss es wissen. Er hat selbst eine Karriere hinter sich, die so normal nicht ist. „Vom Tellerwäscher auf Mallorca zum Profi und Golftrainer auf dem Kreuzfahrtschiff.“ Aus Korea stammt der Mann, der in Lüdenscheid geboren, später adoptiert und damit Deutscher wurde. Die Familie zog durch die Republik und landete in Münster. In Coerde und Kinderhaus („den sozialen Brennpunkten“) hat Henningsen gewohnt, war IT-Berater für mittelständische Unternehmen. Das Golfen integrativ und sozial verträglich einzusetzen, ist ihm ein Anliegen. Inzwischen leitet er Golfseminare und steht als Trainer parat. Und er ist allem Neuen gegenüber aufgeschlossen, wenn es dem Sport nur hilft. In Köln hat er jetzt ein Projekt durchgeführt, bei dem man für fünf Euro schnuppern durfte und hinterher noch ein Kölsch und eine Bratwurst bekam. Eine Maßnahme, die so manchen dieser Sportart näher brachte.

Putter erfunden

Im Winter wollte er an der Gartenstraße in Münster die Insassen der JVA mit Golf ablenken, da scheiterte er an der Gefängnisverwaltung. Er bleibt weiter am Ball, das hat er versprochen und inzwischen den kleinsten Putter der Welt erfunden. Das ist ein gebogenes Eisen, das mit Magneten an ein Eisen sechs gepappt wird. „Der Putter für die Hosentasche.“ Ist noch ein Prototyp, könnte aber auch in Serie gehen. Weil Henningsen weiß: „Der Handicap-Hunter jagt immer den Fortschritt.“

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