Münsters Vereine: DJK GW Marathon
GW Marathon: Viel Verkehr – aber keine Busse

Münster -

Die Stadt Münster bietet derzeit Platz für knapp 200 Sportvereine. Sie richten ihre Angebote an alle Jahrgänge, Vorlieben und Schuhgrößen. An dieser Stelle wollen wir in loser Folge den Scheinwerfer auf die einzelnen Vereine richten und einen Blick werfen auf die Besonderheiten, die kleinen und großen Geschichten rund um die Clubs, auf deren Vergangenheit und natürlich auf die Zukunft. Los geht es mit GW Marathon.

Montag, 23.05.2016, 17:05 Uhr

Hedwig Liekefedt, Vorsitzende des DJK GW Marathon Münster, steht hier zwischen den extravaganten Trainerhäuschen des Marathonplatzes.
Hedwig Liekefedt, Vorsitzende der DJK GW Marathon Münster, steht hier zwischen den extravaganten Trainerhäuschen des Marathonplatzes. Foto: Ansgar Griebel

Vor den Bushaltestellen herrscht reger Verkehr , vor allem zum Feierabend hin beginnt hier an der Wienburg eine waschechte Rushhour – nur auf den Bus wartet man vergeblich. Der hält hier schon lange nicht mehr, weder am Nienkamp noch fünf Meter weiter an der Joseph-König-Straße : Beide Wartehäuschen haben ihre besten Zeiten längst hinter sich und sind nicht mehr im (öffentlichen) Dienst. Dafür bieten sie an diesem Freitagnachmittag einen herrlichen Blick auf etwa 70 junge Fußballerinnen und Fußballer, die hier auf dem akkurat geviertelten Fußballplatz von GW Marathon Münster dem Ball nachjagen.

GW Marathon Münster

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  • GW Marathon Münster Foto: Ansgar Griebel
  • Foto: Ansgar Griebel
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  • Nur so geht‘s: Der Platz wird gevierteilt und per Stundenplan den Teams für die Trainingseinheiten zugeteilt.

    Foto: Ansgar Griebel
  • Hier ist Zusammenrücken gefragt: Fußball, Leichtathletik und die Schiedsrichter in ihrer Marathon-WG.

    Foto: Ansgar Griebel
  • Noch ist es eine grüne Wiese, 2020 sollen hier neue Plätze entstehen: Hinter dem Vereinsheim liegt die „Sportentwicklungsstätte“.

    Foto: Ansgar Griebel

Besser als in diesem Moment lässt sich der Alltag des Sportvereins im Stadtteil Uppenberg kaum beschreiben. Der Verein brummt, zählt derzeit 650 Mitglieder, darunter allein 400 Fußballer – rund 65 Prozent aller Grünweißen sind noch nicht volljährig. So jung die Mitglieder sind, so alt ist die Hardware, mit der sich der Verein am täglichen Leben hält: Wenige Meter hinter den ausgedienten Haltestellen steht die aus zweiter Hand erworbene Würstchenbude.

Auf der anderen Seite der Wienburgstraße erhebt sich ein dunkelgrauer Großcontainer aus dem Staub: Das Vereinsheim, Gerüchten zufolge aus den Altbeständen einer Frankfurter Justizvollzugsanstalt nach Münster emeritiert, bietet Platz für vier Umkleidekabinen, karg möbliert mit Bänken aus dem Hansa-Berufs-Kolleg.

„Es funktioniert“, sagt die Club-Vorsitzende Hedwig Liekefedt . Sie wolle nicht klagen, sagt sie weiter. So richtig zufrieden ist sie aber auch nicht – kann sie nicht sein. „Das Vereinsheim ist 2010 als Provisorium errichtet worden“, erinnert sich Liekefedt – und die Hütte hat seither bemerkenswerte Standfestigkeit gezeigt, wie es so in der Natur von unverwüstlichen Provisorien liegt.

Direkt neben dem grauen Container wartet ein nagelneuer Leichtbau aus Holz auf seine Eröffnung. Hier beziehen in der zweiten Jahreshälfte 50 Flüchtlinge ihre temporäre Unterkunft. Hinter dem Flüchtlingsheim bückt sich eine flache, weiße Container-Konstruktion in die wunderschöne Parklandschaft: eine Kindertageseinrichtung. Eine Containeridylle dokumentiert, dass das pralle Leben am Wienburgpark angekommen ist.

Wir hatten auch schon Gäste, die sich über uns als ,Container-Verein‘ lustig gemacht haben.

Hedwig Liekefedt

Der neue Marathon-Platz – übrigens gerade einmal sechs Jahre alt und damit die große Ausnahme von der ansonsten eher archaischen Ausstattung – ist auch sportliches Zentrum für das Pascal- und das Schillergymnasium, die Realschule im Kreuzviertel, das Sportinternat und mehrere Grundschulen. „Was wir hier aufbauen wollen, ist ein Viertel-Bewegungszentrum“, beschreibt Liekefedt ihre Vision, die zum Teil schon auf einem guten Weg ist – die aber vor allem Geduld und Durchhaltevermögen von allen Beteiligten fordert.

Ausbau im Jahr 2020

2020 soll der Ausbau der Wiesen jenseits der Barackensiedlung zu ernstzunehmenden Sportplätzen beginnen. Dieser Platz ist derzeit als „Sportentwicklungsstätte“ ausgewiesen und soll noch in diesem Jahr zumindest als Wiese auch bespielt werden können. Ein perfektes Feld zumindest für die rund 180 Scheibensportler, die nach Fußball inzwischen die zweitgrößte Abteilung bei GW Marathon stellen. Eine überschaubare Taekwondo-Abteilung und eine kleine, aber feine Leichtathletikabteilung unter Trainer Jörg Riethues und mit Anbindung an die LG Brillux komplettieren das Vereinsangebot.

Kein Handball mehr bei Marathon

Handball wird an dieser Stelle allerdings nicht mehr gespielt: Der Verein, der als Wiege des münsterischen Handballs gilt, hat seine einstige Kernsportart 2006 in einem nicht immer harmonischen Trennungsprozess an den ehemaligen Fusionspartner Westfalia Kinderhaus abgegeben.

1949 wurde die DJK GW Marathon Münster als Nachfolgeverein von Adler Münster gegründet, mit einem klaren Fokus auf Handball und in den ersten Jahren sogar mit striktem Fußballverbot. Im neuen Jahrtausend fusionierte die Handballabteilung mangels Masse mit Westfalia Kinderhaus – 2006 folgte dann die eigentlich undenkbare Trennung von Marathon und seinen Handballern, die aber in Kinderhaus eine sehr gute neue Heimat gefunden haben.

Marathons junge Fußballabteilung war zu diesem Zeitpunkt längst aus den Schühchen der Minikicker entwachsen und blühte. 2015 musste sogar kurzfristig ein Aufnahmestopp eingeführt werden. Der Platz, einst in der grünen Lunge Münsters am Stadtrand gelegen, ist durch das Wachstum Münsters mehr und mehr ins Viertelzentrum gerückt.

Fußball seit 2001

2001 war eine Truppe von jungen Fußballerinnen vom darniederliegenden BSV Münster an den Wienburgpark gewechselt – und lockte schnell die gleichaltrigen Jungs als Schaulustige an den Platz. Werner Szybalski, Mann der ersten Stunde bei GW, erinnert sich an bohrende Fragen der Jungs: „Mädchen sind doof, warum dürfen wir hier nicht spielen?“ Das war schnell geklärt: Erstens seien Mädchen nicht doof, zweitens dürfen selbstverständlich auch Jungs spielen.

Zurzeit schickt GW 15 Teams in den Ligabetrieb, zwei Minikickertruppen stehen parat sowie fünf Freizeittruppen. Der Platz auf dem Platz ist ein rares Gut geworden: Die ersten Herren-Mannschaft, Tabellenneunter der Kreisliga B 1, muss zum Training an den Arnheimweg nach Gievenbeck ausweichen. Dahin fahren zur Not auch Busse – allerdings weder vom Nienkamp noch von der Joseph-König-Straße.

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