Leichtathletik: Jahresabschluss
Lena Malkus zahlt den hohen Preis des Erfolgs

Münster -

2016 war nicht das Jahr von Münsters Top-Weitspringerin Lena Malkus. Im Gegenteil: „Seuchenjahr“ umschreibt die vergangenen elf Monate recht treffend. Für die 23-Jährige jedoch kein Grund, Trübsal zu blasen. Im Gegenteil: Lena nimmt den Frust als Ansporn für ein Comeback in 2017.

Freitag, 25.11.2016, 18:11 Uhr

Zuversicht ist ihre Tugend: Lena Malkus, hier auf dem münsterischen Domplatz, hat ihr „Seuchenjahr“ hinter sich gebracht.
Zuversicht ist ihre Tugend: Lena Malkus, hier auf dem münsterischen Domplatz, hat ihr „Seuchenjahr“ hinter sich gebracht. Foto: Jürgen Beckgerd

Entspannung ist vielleicht etwas zu viel gesagt, zumindest ist das Lächeln wieder zurückgekehrt in das Gesicht von Lena Malkus . Die Leichtathletin vom SC Preußen Münster sitzt ganz gelöst bei einem Kaffee, gut gelaunt, die langen Haare streicht sie beiläufig aus der Stirn. Grauer Pullover, dunkle Jeans, dunkelblauer Mantel. Schick, nicht extravagant. Die 23-Jährige geht als „gestandene Persönlichkeit“ durch. Dezent wirkt sie an diesem kühlen Herbsttag, 100 Prozent normal. Eigentlich wie immer.

Und doch ist es anders, als es war. Damals, als sie alles gewann in ihrer Disziplin: Gold bei den ersten Olympischen Jugendspielen in Singapur, Gold auch bei der U-23-Europameisterschaft in Tampere, Silber bei U-20-WM in Barcelona. Im vergangenen Jahr wurde sie Deutsche Meisterin im Weitsprung mit 6,74 Metern vor atemberaubender Zuschauerkulisse in Nürnberg . Sie war die Seriensiegerin, Führende der Weltrangliste.

Kampf um den Anschluss

Heute kämpft sie um den Anschluss an die nationale Spitze. Sie hat gelitten, gezweifelt, hat eine andere Sicht auf die Dinge bekommen, seitdem sie vor einem Jahr erkrankte. Beim Urlaub auf Bali hatte sie sich einen Virus zugezogen, der sie nicht mehr losließ. Die Magen- und Darminfektion war hartnäckig: Trainingsausfall, diverse Muskelverletzungen, wieder Trainingsausfall. „Es war ein Scheiß-Jahr“, sagt sie. Sie hat einen hohen Preis zahlen müssen für ihre sportliche Leidenschaft; sie stürzte von ganz oben und schlug hart auf.

Nach dem Titelgewinn 2015 in Nürnberg war die Hoffnung groß, noch weiter zu springen und im Sportleben neue Ziele zu erreichen. 2016 war gespickt mit Veranstaltungshöhepunkten: Die DM in Kassel sollte Sprungbrett werden für die EM in Amsterdam und natürlich Olympia in Rio. Groß war der Druck, der auf Lena Malkus lastete, auch weil die nationale Konkurrenz so groß wie kaum einmal zuvor war.

Zu viel Druck?

Vielleicht hatte sich die Münsteranerin zu viel Druck auferlegt, vielleicht kam der auch von außen – die Erwartungen waren hoch. „Es kam ja eine Verletzung nach der anderen, dann das Gefühl von Panik, wenn ich gerade mal schmerzfrei war: schaffst du das?“, fragte sie sich. Sie schaffte es nicht. Die DM setzte sie als Achte mit 6,02 Metern und damit 92 Zentimeter unter ihrer Bestleistung in den Sand. Ein Ko.-Schlag. EM und Olympia waren kein Thema mehr.

„Ich hatte ja jahrelang die positiven Seiten des Sports erlebt. Fortan machte ich mir Gedanken: Was ist das für ein Preis, den du zahlen musst?“ – Nicht nur einer, der die mentale Stärke meint. „Wenn man aus der Förderung rutscht, kann es finanziell eng werden“, sagt sie. Sie ist jetzt im B-Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Lena Malkus „rettete“ sich, entwickelte Distanz zum Sport. Sie widmete sich ihrer Bachelor-Arbeit in Psychologie, erfuhr Rückendeckung durch Familie und Freunde und „ganz viel von meinen Trainern“, Elke und Frank Bartschat. Und sie nahm „Kampf“ in ihr Vokabular auf. „Es ist eine Kopfsache, sich wieder auf den Sport einzulassen“, sagt sie. Als angehende Psychologin kennt sie die mentalen Prozesse: „Ein zweischneidiges Schwert ist das“. Sie hat angefangen, „anders über den Sport zu denken. Ich habe viel hinterfragt, von welchen Faktoren der Erfolg abhängt.“

Nun steht sie vor der neuen Hallensaison. Der Weg zur Besserung ist gemündet in dem der Gesundung. Mentale Stärke, physische Kraft: „Das muss ich mir hart erarbeiten", sagt sie „und dann warte ich ab, wofür das alles gut war“. Sie will sich wieder einlassen: „Ich bin keine, die aufgibt, und ich will nicht mit diesem Scheiß-Jahr abschließen.“ Und: „Wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat, fällt es schwer, sich mit weniger abzufinden“. Klingt wie ein Versprechen und so, als sei schon bald wieder mit ihr zu rechnen.

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