Fußballer Nico Haverkamp kickt in Neuenkirchen
Den großen Sprung verpasst, aber: Glücklich auch ohne Profitum

Münster/Neuenkirchen -

Dass Talent vererbbar ist, lässt sich hier in Albachten gut beobachten. „Mein Sohn konnte den Ball schon schießen, als er anfing zu laufen“, sagt Nico Haverkamp über seinen Spross Levi. Dass der Steppke gut mit der Kugel umgehen kann, ist kein Zufall. Immerhin hat sein Vater einst in der A-Jugend-Bundesliga gespielt.

Samstag, 08.04.2017, 12:04 Uhr

In die Wiege gelegt: Opa spielte Fußball, Papa Nico in der Oberliga und natürlich ist auch Levi schon am Ball.
In die Wiege gelegt: Opa spielte Fußball, Papa Nico in der Oberliga und natürlich ist auch Levi schon am Ball. Foto: Sohrab Dabir

„Fußball hat mich mein ganzes Leben begleitet. Das wird es auch weiterhin“, sagt Haverkamp . Der 29-Jährige wurde von seinem Vater gefördert, seit er vier Jahre alt war. Alles fing bei Concordia Albachten an. Dort spielte er, bis eines Tages ein Angebot von Preußen Münster ins Haus flatterte. „Der Verein wollte mich für die C-Jugend verpflichten“, blickt Haverkamp zurück. Da er damals jedoch noch nicht mit vielen Spielanteilen rechnen konnte, parkte ihn der SCP für ein Jahr bei Wacker Mecklenbeck. Danach ging‘s aber im Nachwuchsbereich der Adlerträger weiter.

Mit seinen Leistungen machte der Verteidiger weiter auf sich aufmerksam. RW Ahlen klopfte an. Der damalige Zweitligist verpflichtete den damals 15-Jährigen für die U 17. „Ich fühlte mich ziemlich geehrt“, erzählt der heutige zweifache Vater. Mit der A-Jugend schnupperte Haverkamp zwei Jahre Bundesliga-Erfahrung. Mit prominenten Nebenleuten namens Marco Reus und Kevin Großkreutz .

„Kevin war genauso wie heute“, so Haverkamp schmunzelnd. Kneipentouren gab es mit dem Ur-Dortmunder auch. Durch die Jüdefelderstraße in Münsters Kuhviertel sei die Truppe hin und wieder am Wochenende gezogen. „Und der BVB war für ihn schon immer das Wichtigste.“

Getrennte Wege

Anders als Großkreutz schaffte es Haverkamp jedoch nicht ins Profigeschäft. Dorthin, wo das ganz große Geld wartet. „Es war schon immer mein Traum, Fußballer zu werden“, so Haverkamp. Dass es am Ende doch nicht reichte, mache ihn jedoch nicht zu einem unglücklichen Menschen. „Im Gegenteil“, betont er, „heute könnte ich mir nicht mehr vorstellen, ein Leben als Profi zu führen. Ich bin sehr zufrieden, so wie es ist.“ Als Sozialpädagoge arbeitet er an einer Offenen Ganztagsschule in Münster. „Das würde ich nicht missen wollen“, sagt er über seinen Job.

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Nico Haverkamp mit seinem Sohn Levi. Foto: Sohrab Dabir

Dass es am Ende nicht gereicht hat für den ganz großen Wurf, könne an seinem Wechsel 2006 von Ahlen zu den SF Lotte, damals Oberligist, gelegen haben. „Das war im Nachhinein ein Fehler“, gibt er zu. „Im ersten Jahr habe ich noch viel gespielt, danach war ich außen vor.“ Er habe zwar immerhin gutes Geld verdient. „Ich bin aber nicht glücklich gewesen. Ich bin Fußballer und will immer kicken.“

Also suchte sich Haverkamp einen Verein in der Nähe. Über seine Station bei Davaria Davensberg sagt Haverkamp: „Da wusste ich, dass der Traum vom Profi ausgeträumt war.“

Probetraining bei den Bayern

Eine kleine Chance ergab sich mit 22 noch mal. Haverkamp, mittlerweile bei seinem jetzigen Verein SuS Neuenkirchen gelandet, wurde zu einem Probetraining bei Bayern München II eingeladen. „Hermann Hummels, der Vater von Mats, hatte mich mal bei einem Spiel gesichtet und mich wohl für gut befunden“, blickt er zurück.

Unter Andries Jonker, dem jetzigem Coach von VfL Wolfsburg, durfte er sich eine Woche lang beweisen. „Das war eine ziemlich coole Erfahrung. Wir wurden wie Profis behandelt, uns wurde alles abgenommen. Ich hätte den Schritt gerne gewagt.“ Seine Familie begleitete ihn nach München. Letztlich blieb es beim Traum.

Trainerlaufbahn anvisiert

Beim Oberligisten Neuenkirchen spielt Haverkamp nun in seinem achten Jahr. Auch von diversen Verletzungen wie etwa einem Kreuzbandriss vor zwei Jahren hat sich der Innenverteidiger nicht aus der Bahn werfen lassen. „Irgendwann will ich meinen Trainerschein machen“, so sein Plan.

Und nebenbei genießt er das Leben in Albachten mit seiner Frau und den beiden Kindern. Sohn Levi würde er jederzeit unterstützen, wenn dieser Profifußballer werden will, sagt er. So wie auch sein Vater ihn damals unterstützt hat.

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