Reiten: Vielseitigkeits-EM
Erster großer Titel als Solistin: Ingrid Klimke triumphiert erstmals bei Championat

Münster/ Strzegom -

Den Titel „Reitmeister“ trägt Ingrid Klimke schon seit dem Januar 2012. Nun darf sich die Münsteranerin auch Europameisterin nennen. Im polnischen Strzegom ließ sie der Konkurrenz das Nachsehen und jubelte nach der EM der Vielseitigkeitsreiter über ihren ersten großen Einzeltriumph bei einem Championat. Und damit nicht genug...

Sonntag, 20.08.2017, 19:01 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 20.08.2017, 18:56 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 20.08.2017, 19:01 Uhr
Nicht nur im Gelände zeigten Ingrid Klimke und Hale Bob eine starke Leistung. Auch im Viereck passte es für das Duo.
Nicht nur im Gelände zeigten Ingrid Klimke und Hale Bob eine starke Leistung. Auch im Viereck passte es für das Duo. Foto: dpa

Neben Gold als Solistin fügte sie ihrer stattlichen Medaillensammlung mit Team-Silber eine weitere Plakette hinzu. „Ich bin super glücklich. Es hätte nicht besser laufen können“, sagte Klimke, die nach der erfolgreichen Abschlussrunde mit Hale Bob Tränen in den Augen hatte.

Schon am Freitag im Dressur-Viereck hatte Klimke mit Hale Bob ein starkes Ergebnis abgeliefert, mit 30,30 Punkten war nur ihre Teamkollegin Bettina Hoy (Rheine) im Sattel von Seigneuer Medicott mit dem Traumergebnis von 24,60 besser. Doch als die 54-Jährige im Gelände gestürzt war und dabei wie ihr Pferd unverletzt blieb, war der Weg frei für Klimke.

Die Pflicht, nun auch für die Equipe liefern zu müssen, schüttelte sie ab, mit Hale Bob erwischte sie einen Geländeritt von Allerfeinsten. Acht Sekunden blieb sie unter der Idealzeit – und vor allem fehlerfrei. „Es war vorher viel passiert, daher war es im Gelände nicht einfach. Der Druck, für das Team eine gute Leistung zu bringen, war da. Einen Flüchtigkeitsfehler durfte wir uns nicht erlauben.

Aber der Ritt hat sich total leicht angefühlt, Hale Bob ging eine traumhafte Runde“, erklärte Klimke. Dabei konnte sich die 49-Jährige gar einen kleinen, vom Bundestrainer Hans Melzer angeordneten Umweg zum achten Hindernis leisten, so gut war das Duo auf dem anspruchsvollen Kurs unterwegs.

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Reiterliche Extraklasse

Wie heißt es so schön: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Dieses Sprichwort trifft es auch bei Ingrid Klimke perfekt. Eine gefühlte Ewigkeit ist die Münsteranerin erfolgreich im Sattel unterwegs, ist dekoriert mit Olympischem Gold und WM- wie EM-Titeln. Ihre Erfolge feierte sie aber „nur“ als Teil der deutschen Vielseitigkeits-Equipe, ein Einzelsieg bei einem Championat blieb ihr bis zum Sonntag verwehrt – obwohl sie schon einige Mal aussichtsreich ins abschließende Springen gegangen war.

Nun hat es endlich geklappt mit dem ersehnten Einzeltitel, der auch Ausdruck ihrer Beharrlichkeit und Energie ist. Zudem ist es die Bestätigung ihrer reiterlichen Extraklasse, die sich jetzt auch endlich mit einem großen Solosieg belegen lässt – auch wenn es eines Beweises kau mehr bedurft hätte.

von Henner Henning

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Klimke hatte nach zwei Dritteln des Wettbewerbs die Führung übernommen, das erste Einzelgold ihrer Karriere war zum Greifen nahe. Auch wenn Michael Jung , der bei den letzten drei Europameisterschaften jeweils solo sowie im Teamgewann, mit Rocana. die Schwedin Sara Algotsson Ostholt mit Reality und die Britin Nicola Wilson mit Bulana nur auf einen Fehler der Münsteranerin lauerten. Doch nachdem die spätere drittplatzierte Wilson sowie der doppelte Silber-Reiter Jung im Parcours vorgelegt hatten, behielt Klimke die Nerven.

14 Dinge, die Sie über Ingrid Klimke wissen müssen

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  • Kein Aprilscherz: Ingrid Klimke wurde am 1. April 1968 in Münster geboren.

    Foto: Jim Hollander
  • Nach 2000 (Sydney), 2004 (Athen), 2008 (Peking/Hongkong) und 2012 (London) sind die Spiele in Rio ihre fünften.

    Foto: Fazry Ismail
  • Die 48-Jährige ist die Tochter des 1999 verstorbenen Dr. Reiner Klimke, der bis heute der siegreichste Dressurreiter der Welt und einer der erfolgreichsten Sommer-Olympioniken ist.

    Foto: Friso Gentsch
  • 2014/15 gewann sie als erste Deutsche die Gesamtwertung der FEI Classics.

    Foto: Jim Hollander
  • 2012 wurde Klimke das Silberne Lorbeerblatt verliehen, die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland.

    Foto: Michael Kappeler
  • Im Anschluss an ihre Schulzeit machte sie eine Lehre zur Bankkauffrau und begann dann noch ein Lehramtsstudium - um sich dann aber ganz der professionellen Reiterei zu widmen. Mit Erfolg, wie unzählige nationale und internationale Triumphe beweisen.

    Foto: Fazry Ismail
  • Beim K+K-Cup 2012 erhielt Ingrid Klimke den Titel des Reitmeisters - als zweite Frau überhaupt. Die Auszeichnung ist eine der höchsten in der deutschen Reiterei.

    Foto: Friso Gentsch
  • Die Münsteranerin hat mit Stallmanagerin Carmen Thiemann ein der besten ihres Faches in ihrer Crew. 2013 erhielt Thiemann vom Weltreiterverband den „Best Groom Award“.

    Foto: Friso Gentsch
  • Naturgemäß kletterte Ingrid Klimke schon als kleines Mädchen in den Sattel. „Ich konnte eher reiten als laufen“, sagt sie daher oft scherzhaft.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ingrid Klimke ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Vielseitigkeitsreiterin. Nicht nur in dem hippologischen Dreikampf ist sie Weltklasse, auch in der Dressur siegte sie schon in Prüfungen auf Grand-Prix-Niveau. Dazu gewann sie ebenso im Springparcours Goldene Schleifen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Als waschechte Münsteranerin versucht sie, sich jeden Mittwochvormittag freizuschaufeln, um auf den Markt zu gehen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ingrid Klimke ist die Mutter zwei Töchter, die Greta und Philippa heißen. Mit Greta saß eine der beiden bereits in der Pony-Vielseitigkeit erfolgreich im Sattel.

    Foto: Jim Hollander
  • Ingrid Klimke ist zweifache Olympiasiegerin mit der deutschen Equipe (2008/2012). Eine olympische Einzelmedaille aber fehlt ihr noch.

    Foto: Uwe Anspach
  • Ingrid Klimke stand vor den Olympischen Spielen als eine von fünf Athleten zur Wahl, bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne ins Stadion zu tragen. Am Ende machte Tischtennis-Star Timo Boll das Rennen. Klimke wäre die erste Frau gewesen, die die Disziplin Reiten als Fahnenträgerin vertreten hätte.

    Foto: Michael Kappeler

Zwölf Hindernisse bei 15 Sprüngen meisterte sie im Stile einer Europameisterin, alle Stangen blieben in ihrer Halterungen – der Triumph war perfekt. „Ich war vor dem Springen ganz beruhigt, weil Kurt Gravemeier extra angereist ist und beim Abspringen dabei war“, sagte Klimke, die sich über die moralische Unterstützung des früheren Bundestrainers freute.

Wie auch über Silber mit der Mannschaft, die nach dem Aus von Hoy und dem Vorbeiläufer von Julia Krajewski (Warendorf) mit Samourai du Thot den Briten den Vortritt lassen musste. „Sie haben verdient gewonnen. Sie waren einfach besser“, meinte Klimke. Und dies dürfte die Konkurrenz mit Blick auf die Einzelwertung auch über sie gesagt haben.

Vielseitigkeit-EM - Ergebnisse

Einzel: 1. Ingrid Klimke (Münster) mit Hale Bob 30,30 Punkte, 2. Michael Jung (Horb) mit Rocana 32,80, 3. Nicola Wilson mit Bulana 35,50, 4. Kristina Cook mit Billy The Red 38,20, 5. Rosalind Carter (alle Großbritannien) mit Allstar 40,20, 6. Kai Rüder (Blieschendorf) mit Colani Sunrise 40,30, ... 12. Josefa Sommer (Immenhausen) mit Hamilton 48,80, ... 18. Julia Krajewski (Warendorf) mit Samourai du Thot 59,90.

Mannschaft: 1. Großbritannien (Nicola Wilson - Bulana, Kristina Cook - Billy The Biz, Rosalind Canter - Allstar, Oliver Townend - Cooley) 113,90 Strafpkt.; 2. Deutschland (Bettina Hoy/Warendorf - Seigneur Medicott, Ingrid Klimke/Münster - Hale Bob, Michael Jung/Altheim - Rocana, Julia Krajewski/Warendorf - Samourai du Thot) 123,00; 3. Schweden (Sara Algotsson Ostholt - Reality, Louise Svensson Jähde - Utah Sun, Ludwig Svennerstal - Paramount Importance, Niklas Lindbäck - Focus Filiocus) 148,40; 4. Italien 211,80; 5. Irland 269,20; 6. Belgien 286,30; 7. Spanien 290,10; 8. Schweiz 324,10; 9. Polen 408,80; 10. Weißrussland 425,50.

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