Triathlon: Ironman
Petra Stöppler ist die Eisenfrau von Hawaii

Münster -

Petra Stöppler lag tagelang im Paradies hernieder. Ein Virus hatte sie vor dem Ironman auf Hawaii niedergestreckt. Wie ein Wunder startete sie dann doch und erreichte das Ziel. Und dann, dann hatte sie Heißhunger auf eine Pommes. Aber die gab es nicht. Dafür aber eine fettige Pizza mit reichlich Käse.

Freitag, 27.10.2017, 17:10 Uhr

Nach der Arbeit das Vergnügen: Petra Stöppler (links) und ihre Tochter Celina beim Planschen im Pazifik.
Nach der Arbeit das Vergnügen: Petra Stöppler (links) und ihre Tochter Celina beim Planschen im Pazifik.

Oahu – das Herz Hawaiis. So ist es zumindest jedem Reiseführer zu entnehmen. Die Hauptstadt? Na? Honolulu mit seinem feinen Waikiki-Beach. Die Promidichte ist an diesem Fleckchen Erde enorm hoch. Hier hüpfen Hollywood-Größen wie Nicolas Cage ganz gern mal ins lässige Hawaii-Hemd. Das macht Laune. Den US-Schauspieler und Oskar-Preisträger hat Petra Stöppler zwar nicht getroffen, aber ihr Trip an den Pazifischen Ozean hat sich auch so gelohnt. „Es war ein Abenteuer“, sagt die 51-Jährige. Pearl Harbor und North Shore, die Oase der Surfer, inklusive

Anfang Oktober. Während der Sommer im Münsterland ein letztes Mal Gas gibt, steigt die Tri-Finish-Triathletin zusammen mit ihrem Mann Jörg, ihrer Tochter Celina und deren Freund Alexander in den Flieger. Das Ziel: die abgelegenste bevölkerte Inselgruppe auf dem Globus. Ein Familienausflug an das Ende der Welt. Nur keiner, der allein dem Vergnügen geschuldet ist. Nein, Stöppler will sich im Paradies quälen. Beim legendären Ironman auf Big Island.

Ihr Ticket löst sie im September 2016 auf Mallorca. In der Altersklasse (AK 50 bis 54) liegt sie über die Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen) ganz vorne, gewinnt. Emotionen pur, Tränen kullern. Zum zweiten Mal nach 2012 darf sie ihren Traum leben.

Und das tut sie. In der Vorbereitung auf Hawaii qualifiziert sie sich mal eben locker flockig mit ihrem Altersklassensieg im September auf Rügen über die Mitteldistanz (1,9/90/21,1) für die 70.3-Weltmeisterschaft 2018 in Südafrika. „Ich war bestens gerüstet, top fit“, sagt Stöpp­ler. Und dann kam das Übel in Form einer fiesen Magen-Darm-Erkrankung samt Fieber. Vier Tage lang fesselte der Infekt die Dreikämpferin auf der Inselkette ans Bett. „Mein Mann musste mich zum Arzt fahren. Ich war zu schwach zum Laufen“, erinnert sie sich. Wenn nichts mehr geht, gehen Antibiotika. Tabletten und diverse Elektrolyte verhalfen der Ausdauerheldin so weit wieder auf die Beine, dass sie zumindest starten konnte. Dafür sei sie doch immerhin fast einen ganzen Tag gereist. Wie durch ein Wunder schwimmt sie ordentlich und ist auf dem Rad sogar 15 Minuten schneller unterwegs als bei der ersten Teilnahme. Läuft doch – oder auch nicht. Der Marathon wird zur reinen Qual. „Ich konnte nicht mehr“, gibt sie zu. Der Gedanke, aufzugeben, überkam sie immer wieder. Nur ihr unbändiger Wille war stärker als die Versuchung, alles hinzuschmeißen. Langsamen Schrittes erreichte sie nach 14:57,56 Stunden das Ziel.

Und danach? Überkam sie der Heißhunger auf Pommes. Blöd nur, dass sie derart spät im Ziel war, dass die Fast-Food-Kette das Burger-Grillen und Fritten-Brutzeln schon eingestellt hatte. „Dann tat es auch eine ­Pizza mit viel Käse“, lacht Stöpp­ler. Nachdem sie am Tag drauf wegen ihre vielen Blasen an den Füßen abermals einen Mediziner auf­gesucht hatte, ging es zum gemütlichen Teil über. „Wir haben dann Urlaub gemacht.“ In O’ahu – mitten im Herzen Hawaiis.

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