Fußball: 3. Liga
Endzeitstimmung bei Preußen Münster – Möhlmann geht

Münster -

Tiefer geht es kaum: Nach der 1:4-Schmach gegen die SG Sonnenhof Großaspach ist Schluss mit lustig bei den Preußen – vor allem für Benno Möhlmann. Der Coach muss seine Koffer packen. Sein Nachfolger soll Marco Antwerpen werden.

Dienstag, 12.12.2017, 19:36 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 10.12.2017, 19:27 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 12.12.2017, 19:36 Uhr
Stühlerücken beim SC Preußen: Benno Möhlmann muss nach der 1:4-Pleite gegen Großaspach gehen. Alles läuft nun auf Marco Antwerpen, der als Trainer bei RW Ahlen und Spieler beim SCP tätig war, hinaus.
Stühlerücken beim SC Preußen: Benno Möhlmann muss nach der 1:4-Pleite gegen Großaspach gehen. Alles läuft nun auf Marco Antwerpen, der als Trainer bei RW Ahlen und Spieler beim SCP tätig war, hinaus. Foto: Jürgen Peperhowe

Wie ein Brandbeschleuniger wirkte dieser Auftritt gegen die SG Sonnenhof Großaspach. Als am Ende abgerechnet wurde, stand da eine 1:4-Heimpleite für den SC Preußen Münster. Nach wirklich ordentlichem Beginn mit ausreichend Chancen zur Führung knickte der SCP mit dem 0:1 durch ein Eigentor von Adriano Grimaldi ein wie ein Kartenhaus beim ersten Windhauch. Eine Stunde lang war es von da an eine inakzeptable Vorstellung der Adlerträger, das beste Argument für die gerade noch 4809 Zuschauer – 32 Gäste-Fans aus Großaspach ausgenommen – am nächsten Samstag gegen RW Erfurt auf keinen Fall mehr das Stadion zu betreten.

Einzelkritik: Preußen Münster - Großaspach

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  • Maximilian Schulze-Niehues: Alle Bälle, die auf sein Tor kamen, waren drin. Er hatte wenig Chancen, sich auszuzeichnen.

    Foto: SCP
  • Stephane Tritz (5): Legt zum Ehrentreffer vor, war aber irgendwie auch Vorbereiter der Gegentreffer. Das war nix.

    Foto: SCP
  • Ole Kittner (5): Kaum Ballkontakte und vor allem kaum Körperkontakt. So funktionieret Abwehrarbeit nicht.

    Foto: SCP
  • Lion Schweers: Auch er im Wesentlichen als Slalomstange im Einsatz. Ein schwarzer Samstag.

    Foto: SCP
  • Fabian Menig (5): Mit etwas gutem Willen eine 5+ für den besten einer schlechten Viererkette.

    Foto: SCP
  • Simon Scherder (4,5): Überfordert vor der überforderten Abwehr. Zu Beginn mit kleinen offensiven Lichtblicken.

    Foto: SCP
  • Philipp Hoffmann (4,5): Auf der Suche nach seiner Bestform. Da ist noch viel Luft nach oben. Nach 45 Minuten war zurecht Schluss.

    Foto: SCP
  • Michele Rizzi (4,5): Mildernde Umstände gegen seine alte Mannschaft? Wohl kaum. Zwei ordentliche Standards, das war es. Auch er wird diesen Samstag nicht in guter Erinnerung behalten.

    Foto: SCP
  • Tobias Rühle (3,5): Eine glatte eins in der Anfangsviertelstunde, dann ging es auch für den heiratswilligen Offensivmann bergab. Alles zusammen noch befriedigend.

    Foto: SCP
  • Martin Kobylanski (4): Auch er startete ordentlich und ließ dann ordentlich nach.

    Foto: SCP
  • Adriano Grimaldi (3,5): Doppeltorschütze hinten wie vorne. Unter dem Strich dennoch mit am wenigsten verantwortlich für das Defensiv-Desaster.

    Foto: SCP
  • Moritz Heinrich (4,5): Hatte 45 Minuten Zeit, in einer völlig desorientierten Mannschaft für Ordnung zu sorgen. Mission impossible. Heinrich passte sich dem niedrigen Niveau an.

    Foto: SCP
  • Jeron Al Hazaimeh (4): Kam spät und blieb ohne auffällige Aktion

    Foto: SCP

Am Sonntag in der Mittagszeit wurde branchenüblich Trainer Benno Möhlmann beurlaubt. Er, der nach der erfolgreichen Rettungsmission lange als unantastbar galt. Sein Nachfolger wird wohl Marco Antwerpen, offiziell ist das noch nicht, aber der Ex-Preuße soll es richten. Sein Vertrag bei Regionalligist Viktoria Köln läuft noch bis Sommer 2018, eine Abstandssumme dürfte fällig werden.

Der Nächste bitte

Überlebenskampf pur ist bei den Preußen angesagt. Der Neue, und alle wollen Marco Antwerpen, hat nicht viel Zeit. Gerade einmal 19 Spieltage bleiben, um das Minimalziel Klassenerhalt zu erreichen. Dem kommenden Heimspiel gegen Schlusslicht RW Erfurt kommt dabei eine überragende Bedeutung zu. Es geht um viel, viel mehr als nur drei Punkte. Zuletzt verjagten die Preußen ihren Anhang. Das, was gegen Großaspach am Ende gezeigt wurde, das war Kaputttrampeln des Rasens. Es gibt nichts Schönzureden, keine Entschuldigung für diesen Auftritt. Wenn eine Mannschaft so auseinanderfällt, bloß weil sie ein blödes Eigentor kassiert hat, dann passen die Dinge nicht mehr. Dann liegen gravierende Systemfehler vor. Auch auf Sportchef Malte Metzelder steigt der Druck, mit dem neuen Übungsleiter muss er richtig liegen, eine Punktlandung schaffen. Benno Möhlmann, der Retter der Vorsaison, ist raus. Man traut ihm eine zweite große Kehrtwende nicht zu. Denn das ist aktuell eine total verunsicherte Mannschaft ohne Anführer, zudem ein Team ohne Tempo, Durchhaltewillen und Leidenschaft. Es war eine verheerende Darbietung der Preußen. Verheerend. Traurige Preußen, ein trister SCP, das tut schon alles weh.

...

Schon drei Engagements in Münster

Antwerpen nach Münster? Es wäre zum vierten Mal der Fall, dass der heute 46-Jährige für den SCP aktiv wird. Als Spieler kam er auf 184 Pflichtspiele mit 66 Toren (1999 bis 2001, 2003 bis 2005 und 2007). Seine Trainerlaufbahn startete bei der SG Burgsteinfurt, nach RW Ahlen folgte nun Viktoria Köln.

Fakt ist, dass die SCP-Entscheider spätestens vor der Begegnung in Lotte einen Verbleib von Möhlmann als Cheftrainer infrage gestellt hatten. Im Falle einer Niederlage wäre er beurlaubt worden. Da schon fiel im Umfeld des Vereins der Name Marco Antwerpen, eine Bestätigung dafür gab es nicht. Sein Co-Trainer Kurtulus Öztürk, ebenfalls von 2007 bis 2008 als Spieler ein Preuße und als Trainer beim Werner SC (2013 bis 2017) tätig, wurde jedenfalls mehrfach als Scout bei Preußen-Partien gesichtet.

Aber auch mit Ismael Atalan, zuletzt beim Zweitligisten VfL Bochum beurlaubt, und Maik Walpurgis mit seinem Münsteraner Co-Trainer Ovid Hajou wurde geliebäugelt. Atalan dürfte anders orientiert sein, als bei einem hochriskanten Job in Münster abzusteigen und Reputation zu verlieren. Walpurgis war zuletzt beim Erstliga-Absteiger Ingolstadt tätig, vermutlich hätte der finanzielle Anspruch die finanzschwachen Preußen in die Knie gezwungen.

Schrecklicher Trend

„Stand heute ist Benno Möhlmann unser Trainer gegen Erfurt“, sagte Malte Metzelder am Samstag, keine Stunde nach Abpfiff des Debakels gegen Großaspach. Natürlich war dem 35 Jahre alten Sportchef klar, dass es so nicht mehr weitergehen darf. Was auswärts mit den desaströsen Auftritten in Halle (0:3) und Wehen Wiesbaden (2:6) einen schrecklichen Trend forcierte, wurde nun auch im eigenen Stadion fortgesetzt.

Die 1:4-Heimpleite des Drittligisten gegen einen nicht mehr und nicht weniger ordentlichen und aufgeräumten Gast aus Großaspach war eine Bankrotterklärung. Nie war es leichter, gegen die Preußen zu gewinnen in der 3. Liga.

Preußen Münster gegen Großaspach

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  • Rinderknecht gegen Gyau

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Scherder gegen Daniel Hägele

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Torjubel Großaspach

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 0:1 durch ein Eigentor von Grimaldi

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Torjubel Großaspach

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  • Rühle gegen Michael Vizthum

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  • Kobylanski gegen Pascal Sohm

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  • Schweers gegen Saliou Sane

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  • Grimaldi

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  • Grimaldi

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grimaldi gegen TW Kevin Broll

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  • Preußen Münster gegen Großaspach Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rizzi gegen Gyau

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  • Benno Möhlmann

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  • Benno Möhlmann

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  • Schweers und Kittner

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  • Malte Metzelder mit Benno Möhlmann

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  • Malte Metzelder

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  • Kobylanski gegen Yannick Thermann und TW Kevin Broll

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  • Grimaldi

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  • Rizzi gegen Gyau

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  • Menig gegen Gyau

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Schweers und Kittner

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  • Benno Möhlmann und Sven Kmetsch

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  • Malte Metzelder

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  • Mannschaftsbesprechung nach Spielschluss

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • chweers und Kittner

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  • Tor durch Timo Röttger

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tor durch Timo Röttger

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  • Malte Metzelder

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Malte Metzelder

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tritz gegen Saliou Sane

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Scherder

    Foto: Jürgen Peperhowe

Die Rezeptur: Anfangs aufpassen, das erste Tor schießen, dann geht alles wie von selbst. Kein Gegner muss sich dann Sorgen machen.

Als Adriano Grimaldi seine viereinhalbmonatige Torflaute in der 35. Minute beendete, wurden die Sorgenfalten dennoch größer – er köpfte ins eigene Tor. Münsters Defensivverhalten wirkte wie in Trance, Aggressivität null – Ausdruck davon ist die Anzahl der Verwarnungen: ebenfalls null.

Saliou Sané (39.), Joseph Gyau (58.) und Timo Röttger (65.) trafen nach Belieben. Dass Grimaldi zum 1:3 (59.) erfolgreich war, und er da wirklich seine Torflaute beendete, war nur ein geringer Trost. Grimaldi und Simon Scherder waren die einzigen, die in der zweiten Halbzeit nicht wie scheue Rehe über den Platz liefen. Das war zu wenig, einfach zu wenig.

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