Stadtsportbund Münster stellt sich neu auf
„Wir haben kein Theater mehr“

Münster -

Im Hintergrund gab es heftiges Gerangel, wie die Spitze des münsterischen Stadtsportbundes weiter zusammen arbeitet beziehungsweise sich künftig aufgestellt sehen will. Vorsitzender Jochen Temme tritt bei Mitgliederversammlung wie angekündigt nicht mehr an. Sein Nachfolger könnte Michael Schmitz werden.

Mittwoch, 28.02.2018, 17:54 Uhr aktualisiert: 01.03.2018, 12:58 Uhr
Stabwechsel: Nach 42 Jahren im SSB tritt Vorsitzender Jochen Temme nicht mehr zur Wiederwahl an. Zu seinem Nachfolger könnte Michael Schmitz (l.) von der Mitgliederversammlung im April gewählt werden. 
Stabwechsel: Nach 42 Jahren im SSB tritt Vorsitzender Jochen Temme nicht mehr zur Wiederwahl an. Zu seinem Nachfolger könnte Michael Schmitz (l.) von der Mitgliederversammlung im April gewählt werden.  Foto: Fotos: pp, kaj / Collage: Ann-Kathrin Schriever

Es knackte nicht nur im Gebälk, das Reißen und Wanken der Statik war deutlich zu vernehmen. Das Binnenverhältnis im Vorstand des Stadtsportbundes ( SSB ) Münster – immerhin Dachverband für über 200 Sportvereine mit mehr als 80 000 Mitgliedern – war in den letzten Monaten höchstens nach außen intakt. Intern wurde intrigiert, mit arbeitsrechtlichen Schritten gedroht und die (verdeckte) Konfrontation gesucht. „Da gab es viele Animositäten und Streit statt gedeihlicher Sachdiskussion“, schilderte ein Insider. Mitten im Geschehen: SSB-Vorsitzender Jochen Temme , der (hauptamtliche) Geschäftsführer Dietmar Wiese, dem gar der Sitz im Sportausschuss des Rates entzogen wurde, und der Stellvertretende Vorsitzende Michael Schmitz . Offen ausgetragen wurde der Zwist spätestens nach der Ankündigung von Temme (72) im Jahr 2016, sich zur Mitgliederversammlung im April dieses Jahres nicht mehr zur Wahl stellen zu wollen. Es folgte ein Auf und Ab, Hin und Her. Michael Schmitz wollte und sollte auch wohl Temmes Nachfolger werden, rieb sich zwischenzeitlich an der Person Wiese, woraufhin Temme seinen angekündigten Rückzug wieder rückgängig machte und doch erneut kandidieren wollte. Personalien, die Zeit und Kraft kosteten. Der SSB komme seinen ureigenen Aufgaben nicht mehr nach, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Vorhaltungen gipfelten in der Aussage: Die Zusammenarbeit mit dem Sportamt der Stadt sei katastrophal. In der Tat hatten die zuvor atmosphärischen Störungen längst das SSB-Binnenverhältnis verlassen und sich ausgebreitet. Persönliche Anfeindungen. „Es gibt Vertrauensverluste und Indiskretionen“, hieß es unverblümt und: „Die Geschäftsstelle arbeitet nicht mit-, sondern gegeneinander“. Sollte heißen: Temme gegen Wiese, Schmitz gegen Temme, Wiese gegen Schmitz. Eine angespannte Situation. Veränderungen durchzusetzen fiel den Beteiligten schwer. Ebenso schwer fiel die Einordnung dessen, auch für die übrigen Vorstandsmitglieder beziehungsweise Verwaltungsmitarbeiter. „Die Situation ist extrem manipulativ“, hieß es.

Und nun? Wie es scheint, ist der Turnaround geschafft. Ärmel hochkrempeln, weiterarbeiten, mit zum Teil neuem Personal. Am 24. ­April ist die nächste ordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Bei der sollen die Delegierten über den neuen Vorstand abstimmen. Jochen Temme, der eine Ära im SSB durch seine 42-jährige Tätigkeit im Stadtsportbund – er ist acht Jahre dessen Vorsitzender – geprägt hat, hört nun doch auf. Bei der Vorstandssitzung am Dienstagabend wurde Michael Schmitz (49) einstimmig als Nachfolge-Kandidat aufgestellt. Der 49-Jährige, Geschäftsführer in der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Vater dreier Töchter, steht auch für einen Verjüngungsprozess im SSB-Vorstand. Zwei Jahre ist Münsters „Mister Tischtennis“ nun im Geschäftsführenden Vorstand des SSB tätig. Er forciert auch einen strategischen Erneuerungsprozess in der SSB-Führungsriege – so er denn im April gewählt wird. „Wir müssen näher an die Vereine rücken. Wir sind deren Dienstleister“, sagt Schmitz – und ganz moderat: „Wir haben nun die Zeit, uns zu konsolidieren“. Auch Jochen Temme zeigte sich über die neue „Einvernehmlichkeit“ erfreut: „Wir haben kein Theater mehr“.

In dem neuen Personaltableau spielt der stets moderat auftretende und eloquente (Noch-)Vorsitzende wie geplant („Ich wollte nicht, dass man mich irgendwann abschießt“) keine Rolle mehr. Jochen Temme hat, wie er betont, seinen Frieden mit dem SSB. Dietmar Wiese wird als Geschäftsführer weiterarbeiten – mit Schmitz, der sagt: „Der SSB ist das schützende Dach für unsere Sportvereine; es hat Risse bekommen. Aber der Prozess, den wir jetzt einleiten wollen, ist der Werkzeugkasten, um es wieder zu reparieren.“

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